Kiwi-Flavour-Faszinosum – Fat Freddy’s Drop

Im Konvolut der wöchentlichen Neuerscheinung bitten viele Bands zum Tanz, wird auch schiere Mittelmäßigkeit zu vielversprechenden Klängen hochstilisiert. Die weniger marketenderisch angepriesen Werke, die mitunter wahrhaften Faszinosa, dringen meist schwerlich durch den Dickicht der organisierten Musikberieselung. Das neuseeländische Kollektiv Fat Freddy’s Drop freilich hat sich mit einem verdammt distinktiven Sound eine beachtliche Fanbase gezimmert, wie das seit Wochen ausverkaufte, heute stattfindende Konzert im Berliner Kulturhaus Astra unterstreicht. Das vor wenigen Monaten veröffentlichte Album Dr Boondigga & The Big BW gehört zu den Highlights der 2009 neu in den Plattenläden aufgereihten Werken.

fatfreddysdrop
Foto von Kerry Brown

Die Melange aus verschiedensten Musikstilen zu einem deftigen Ganzen prägt – verbunden mit dem Unterton einer lockeren Improvisation – das  Konzept der Experimenten huldigenden Band. Lässig und stilsicher wird die Musik in ein Dub-Fundament gegossen, welches mal soulige Stücke trägt, funkige Töne spuckt, sich Reggae verschreibt oder gar das Flair eines Brass Ensembles aus New Orleans stützt. Abwechslungsreich und auf dem Kontrast von elektronischen Beats zu klassischen Instrumenten wie zum Beispiel Trompete oder Saxophon fußend gerät die Chose zu einem entspannt-gebannten Hörerlebnis.

Mehrere Tracks ragen hervor. Rhythmisch wabbernd entfaltet sich Shiverman, schaukelt sich auf, bis alle Mann an Bord sind, zelebriert unter der stimmlichen Ägide Joe Dukies einen Spannnungsaufbau, der nach 7 Minuten überbrodelt. The Nod als Hymne an die Küche sollte einer jeden Hausfrau ins Stammbuch geschrieben werden. Something cookin‘ in the kitchen heißt es hier und die edlen Ingredienzien ergeben in der Tat ein lecker Mahl. Einmal mehr pustet die Bläserfraktion in die Instrumente, nachdem zuvor Sprechgesang das Mikro in Beschlag genommen hat. Exakt diese schrägen und doch so clever abgestimmten Zutaten sorgen für die ansprechende Würze. Fat Freddy’s Drop mögen relaxte Sounds vorturnen, aber diese Entspanntheit verkommt nie zu einem beliebigen Lounge-Gemurks. Wild Wind eröffnet mit seinen düstereren, elektronischen Ansatz eine weitere spannende Facette der Gruppe.

DrBoondigga

Mit dem sich um keine Tabus kümmernden Crossover, dessen Leichtigkeit nicht als Selbstverständlichkeit angesehen werden sollte, liefern die Kiwi-Männer ein feine Scheibe ab, die trotz eines speziellen Mix aus dem reichhaltigen Fundus verschiedenster Genres  immer zum behaglichen Mittänzeln einlädt. Dass Fat Freddy’s Drop live nochmals an Betörungskraft gewinnen, wie allerorts versichert wird, scheint angesichts des Jamsession-Charakters der Songs eine logische Konsequenz. Dr Boondigga & The Big BW zeugt von enormen Potential und raffinierten Arrangements – doch scheint man sich noch nicht völlig an die Decke gestreckt zu haben. Wie nur muss dies dann erst klingen!

Link:

Offizielle Homepage (mit zahlreichen Videos und Live-Mitschnitten)

SomeVapourTrails

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