Rezeption remixed – Lobreden über Helgi Hrafn Jónsson

Heute tellerrändere ich den eigenen Horizont der Deskriptionsfertigkeiten und ziehe die Beschreibungskünste der allerwertesten Kollegen am Nasenring des Zitatenschatzes durch unsere Manege. Wenn sich wohlwollende Meinungen zu lobhymnischer Tendenz verdichten und die Essenz desssen, was gesagt werden muss, bereits auf den Punkt gebracht wurde, will ich diesem Treiben keine unnötige Wiederholung hinzufügen.  Eher schon einen Remix erkenntnisreicher Aussagen, denen ein schulterklopfendes Nicken zuteil werden soll. Von Striemen durchdrungene Schreiberhände haben einander die Pfoten gereicht und in einem Chorus der Buzzwords Helgi Hrafn Jónsson kollektiv mit offenen Armen empfangen. Mit gutem Grund – meine ich. Doch lassen wir Blogger und Magazine selbst in Zungen reden.

helgi hrafn24-photo jonatan gretarsson

Stimme: an­dro­gyn wir­ken­d/ einzigartig gefühlsstark/ entrückt und verzaubernd/ mit leicht melancholischem Unterton klagend/ exaltiert/ glasklar entwaffnend mit herzzerreißenden Schlenkern/ wabernd/ ein betörend schönes Falsett, das einlädt, Schneeflocken zu zählen.

Herkunft: Stern am wolkenbehangenen Himmel Islands/ Mondoberfläche, oder auch Island (soll ja so ähnlich aussehen, nur mit Geysiren)/ Land mit der Einwohnerzahl einer gut gefüllten Telefonzelle/ aus dem Land der Geysire und Minister für Feen.

Klingt wie: fragile, nordische Klangwelten von Sigur Rós und Radioheads leise und zarte Momente grosser Reinheit/ Phantasiesprache – typisch isländisch halt/ irgendwo zwischen Bono und Thom Yorke mit spacigeren Songs als der Ire und weniger beeindruckenden als der Irre/ isländische Antwort auf Robin Proper-Sheppard und Sophia/ Musik vom Mond.

Höhepunkte: This Solicitude – unaufgeregt spielende Dorfkapelle schafft Spagat zwischen wahren und großen Gefühlen/ September – vor Passion berstende Stimme hat Erlebnischarakter/ Love Mind mit schleichender Klavierspur und „Feeling tired of all this shit, when I swallow all of this, being lost and what the hell…“.

Superlativ: der Begriff Pop wäre hier eine Beleidigung/ zehn zerbrechliche Schönheiten, gefühlvolle Balladen schweben an mir vorbei, lassen Ruhe und Zufriedenheit zurück/ ein kleines Glücksgefühl schwappt über die Nordsee/ selten war Eskapismus so positiv zu bewerten/ großartiges Kopfkino/ hoffnungslos melodieverliebt und schrullig genug um anzuecken/ viel Platz für Trä­nen und Schwer­mut, ge­nau­so wie für Hoff­nung und in­ne­re Zu­frie­den­heit.

fortherestofmychildhood

Was die werten Musikenthusiasten, Klangexperten und Schöngeister hier in Worte kleiden, trifft des Pudels Kern. Das Album For the Rest Of My Childhood dackelt schlichtweg fabulös arrangiert daher, begnadet wieselt Herr Jónsson über den Parcours emotionsintensiven Songwritings, ohne auch nur einmal in die aufgestellten Hindernisse „Langeweile“, „Pathos“ oder „Kitsch“ zu purzeln. Doch nicht nur Helgi Hrafn Jónsson sei ob seiner Leistung Tribut gezollt, auch den geschätzten Kollegen sei ein gutes Zeugnis verliehen. Wer grandiose Musik virtuos zu würdigen weiß, forciert eine Kultur gehaltvoller, unabhängiger Internet-Schreibe. Fein!

Herr Jónsson tourt dieser Tage durch hiesige Breiten. Eine Pflichtveranstaltung für Herbstmelancholiker.

Tour-Termine:

24.11.09 Zürich (CH) – Hafenkneipe
25.11.09 München – Atomic Café
26.11.09 Wien (A) – B72
27.11.09 Köln – Studio 672
28.11.09 Hamburg – Beatlemania
29.11.09 Berlin – Admiralspalast 101

Link:

Offizielle Homepage
MySpace-Auftritt mit Hörproben

SomeVapourTrails hat hier die Einschätzungen von Rote Raupe, Nordische Musik, Schallgrenzen, Alternativmusik.de, Alles ist Pop, munitionen, Mainstage, WhiteTapes, Crazewire, Beautiful Sounds, Småstad Music Blog zitiert. Dank und Gruß an Kenner und Könner!

7 Gedanken zu „Rezeption remixed – Lobreden über Helgi Hrafn Jónsson

  1. hmm, mal ganz ehrlich: ich habe mir das ding dreimal angehört und wieder zur seite gelegt, weil ich dann doch wieder auf bekömmlichere kost umsteigen musste – wahrscheinlich bin ich in dieser hinsicht eher ein muskialischer proll, der sich nur selten auf höhere intellektuelle ebenen entführen lassen möchte 🙂 however, nach der platte habe ich erstmal zwei bierchen geköpft und ozzy’s „no more tears“ und „starfish“ von the church als kontrapunkt gesetzt. mag es eben geradlinig.

  2. Bah, bei seinem Debüt hat sich keiner für Jónsson interessiert, so dass ich die CD für 2€ im Promoregal eines Plattenladen bekam. Jetzt macht jeder einen Hype um ihn. Da gähnt man sich wieder durch die Plattenindustrie…

  3. haha… bei seinem Debüt kannten wir seinen Promoter auch noch nicht 😉 Wir haben dafür ne Liste anderer Künstler, über die außer uns niemand oder fast niemand geschrieben hat.

  4. aber juls hat recht: wer bitteschön hat denn damals über helgi geschrieben?? und jetzt ist er angeblich die ganz tolle neu entdeckung abseits des mainstream – so indie, dass alle ganz hin und weg sind, ich weiß ja nicht 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *