Whispers In Between Yells – Ein Abend mit den Great Lake Swimmers

Ein Konzert der Great Lake Swimmers scheint einer zelebrierten Auszeit von der hektischen Betriebsamkeit eines regnerischen Berliner Novembertages zu gleichen. Und dies ist nicht dem Umstand geschuldet, dass Mastermind Tony Dekker Schönwetter-Tiraden vermitteln würde – nichts läge ihm wohl ferner. Vielmehr zieht die Band Fäden einer wohlig-kontemplativen Sinnesschärfung, indem sie den Alltag auf seine belanglosen Nebensächlichkeiten zurechtstutzt und in andächtiger Dichte die klare Vision einer Rückbesinnung auf einen wachen, suchenden Geist und seine unverkürzten Gefühle anbietet. Auch der gestrige Auftritt im Festsaal Kreuzberg zu Berlin verfehlte eben jene Wirkung nicht und führte zu sehr positiven Reaktionen im gut besuchten Saal.

GreatLakeSwimmersBerlin

Ohne den Schnickschnack des Geplänkels einer Vorband betrat die Formation um 21:30 die Bühne, schnappte sich die Instrumente und fabrizierte bereits mit den ersten 2 Liedern – Everything Is Moving So Fast und Moving Pictures, Silent Films – eine Besinnlichkeit, die sich durch die Besucherreihen schmiegte und gebannte Faszination bewirkte. Jedwede Lichteffekte fehlten, in gedämpfter, warmer Helle werkten 5 Männer auf der Bühne. Das Spektakel des fast 90 Minuten dauernden Auftritts bestand in der unspektakulären Art und Weise, wie sie die Lieder darboten. Im Vertrauen auf die Wirkung des grandiosen Songwritings, verrichte die Band ihre rundum gelungene, einem ehrlichen Understatement verhaftete Arbeit. Kontrabass, Banjo, Drums und Gitarren lieferten die Unterlage für die unnachahmliche, entrückt-nachdenkliche Stimme Dekkers.

Im Mittelteil wurden die Begleitmusiker entlassen, entwickelte sich der Bandleader zum Solo-Performer und unterstrich, dass seine Songs auch in spärlichen Gitarren-Instrumentation die volle Wirkung entfalten. Ein Song über Architektur, wie Dekker den Track Concrete Heart scherzhaft ankündigte, bedarf einfach keines pfiffigen Arrangements. Mit der Rückkehr der Bandglieder geriet das heftig akklamierte Your Rocky Spine zu einem weiteren Highlight des Abends. Die Great Lake Swimmers vermögen nämlich durchaus auch heftiger die Saiten zu zupfen, Rhythmen hochleben zu lassen und wie bei She Comes To Me In Dreams rockig zu Werke zu schreiten.

So verwunderte es angesichts eines viele famose Stücke wie I Am Part Of A Large Family, Still oder Song For The Angels umfassenden Konzerts nicht, dass das Publikum Zugaben einforderte – und drei an der Zahl auch geschenkt bekam. Mit Backstage With the Modern Dancers endete ein Abend, der den wunderbaren, feinen Zauber der Musik hervorragend auslotete. Inmitten einer turbulent lautstarken Welt bilden die Kompositionen Tony Dekkers einen meditativen Zufluchtsort, den Liebhaber modernen Folks nicht missen möchten. Alle der 4 bislang veröffentlichten Alben – zuletzt erschien Lost Channels im Frühjahr 2009 – strahlen die Aura eines Gegenentwurfs zu aller Oberflächlichkeit aus. Und exakt mit diesem erhebenden Gefühl einer tiefgründigen Erfahrung verließen die Konzertgänger auch den Schauplatz. Was für ein schöner, stimmungsreicher Abend!

Demnächst dürfen wir den werten Lesern hier auch ein ausführliches Interview mit Sänger Tony Dekker, welches wir unmittelbar vor Konzertbeginn führten, präsentieren.

Weitere Stationen in Deutschland:

25.11.09 Duisburg @ Steinbruch
26.11.09 Köln @ King Georg
27.11.09 Dachau @ Friedenskirche

Link:

Offizielle Homepage

SomeVapourTrails

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