Gib den Affen Zucker! – Helgi Hrafn Jónssons unwiderstehliches Angebot an Fans

Bei all den angestrengten Überlegungen, wie Musiker finanziellen Nutzen und eine damit verbundene Existenzsicherung aus ihrem Tun zu schöpfen vermögen, wird das Hauptaugenmerk meist auf ein Erschließen neuer Hörerkreise gelegt. Auf Teufel komm raus exerzieren gerade im Internet – man nehme MySpace als Beispiel – viele Newcomer klägliche Versuche vor, Gott und der Welt ihre Lieder schmackhaft zu machen. Und so unabdingbar der Aufbau einer Fanbase auch ist, bedeutet dies jedoch für den Künstler auch eine Verpflichtung. Sobald die kritische Masse an Liebhaber erreicht scheint, muss das vorrangige Ziel nicht in der Hinzugewinnung neuer Fans, vielmehr im Verhätscheln bereits in den Bann gezogener Menschen sein. Heute wollen wir darum das Prinzip von Pledge Music unter die Lupe nehmen und auch ein Beispiel der Funktionsweise zum Besten geben.

Als aufkommender Star der Indie-Szene wurde in den vergangenen Monaten Helgi Hrafn Jónsson gefeiert. Auch wir konnten uns seinem Zauber nicht entziehen, lobten das Album und vermochten seine Live-Performance in höchsten Tönen zu bejubeln. So wagen wir denn auch das Statement, dass dieser Herr mit Können, Charme und Fleiß Hörer an sein Werk zu binden weiß. Seine neueste EP Kví, Kví bezeugt die Vermutung, dass For the Rest Of My Childhood nicht einfach als Eintagsfliege durch den Äther summte. Auf die Hoffnung aufbauend, dass die Platte für mehr als zeitlich begrenzte Flirts mit iPods und CD-Playern taugt, hat Jónsson seiner Anhängerschaft nun mehr als nur einen Knochen vor die Füße geworfen. Kví, Kví ist im besten Sinne ein Sahnehäubchen und der Versuch neue Wege der Vermarktung und Finanzierung zu beschreiten. Gibt den Affen Zucker, lässt sich das Unternehmen liebevoll zusammenfassen.

kvi,kvi

Das Projekt Pledge Music setzt auf eine von Fans getragene Finanzierung von Alben oder Konzertreisen, ohne die sattsam bekannten Nebengeräusche. Der Musiker behält die Rechte am Werk, darf Gewinne aus Touren und Merchadising behalten, Anhänger werden nicht auf den Status von Investoren zusammengestaucht, sondern erhalten einen speziellen Anreiz. Eine vor Beginn der Kampagne klar definierte Geldsumme ist als Ziel ausgegeben, nur wenn diese auch erreicht wird, werden die Zahlungsversprechen der Fans auch wirklich bindend. Im diesem Fall erwerben die Interessenten mit ihrer Zahlung nicht lediglich CDs, die nach Fertigstellung versandt werden, vielmehr können sie aus einer breiten Palette von Angeboten auswählen. Ob man nun ein personalisiertes Video mit einem ausgewählten Song wünscht, eine Skype-Session mit dem Künstler, signierte Alben oder ein Ölgemälde – die Möglichkeiten sind vielfältig. Exakt darin liegt der Charme der Aktion begründet. Man partizipiert nicht bloß an einer Mittelbeschaffungsoffensive, pickt sich eher die ganz persönliche Rosine aus dem Kuchen heraus. Dazu gesellt sich natürlich auch gespannte Erwartung, ob der avisierte Betrag auch tatsächlich erreicht wird. Denn wie gesagt, nur in diesem Falle wird der Pledge – wie sich die monetäre Zusicherung nennt – und die damit verbundene exklusive Leistung auch Realität. Klingt nach einem fairen Deal.

Prinzipiell halte ich diese in transparenter Manier umgesetzte Idee für besonders erwähnenswert. Sowohl die von Pledge Music klar benannten Anteile am Gewinn – 15% der erzielten Summe – als auch das vom Künstler selbst zusammenstellbare Angebot machen die Sache für Musiker und deren Liebhaber interessant. Selbstverständlich wird solch eine Offerte nie die klassische Produktionswege ersetzen können, als zusätzliche Option darf jenes Fundraising jedoch positiv erachtet werden.

Ich wünsche mir, dass Helgi Hrafn Jónsson mit dieser Strategie sein Ziel erreicht. Der nette Isländer und seine famose Musik haben es sich verdient. Musiker und Sänger, die uns bewegen und träumen lassen, wachsen schließlich keinesfalls mir nichts, dir nichts von den Bäumen. Und auch wenn Filesharing-Apostel eine gegenteilige These vertreten, in Saus und Braus leben – abgesehen von Madonna und Co. – die wenigsten Musiker. Will the die-hard fan please stand up!

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