Yoñlu: Ob Ammenmärchen oder Tragödie – feine Musik zweifelsohne!

Ich bin eigentlich ein kaltschnäutziger Verfechter der These, dass ein Werk (egal ob literarischer oder musikalischer Natur) zunächst ohne jegliches Wissen über Komponisten, Sänger, Musiker oder auch Autor überzeugen muss. Und doch trachte ich bei aufkeimendem Interesse, Informationen über den Schöpfer zu sammeln. Sei es nun Neugier oder Forschergeist, der den Menschen hinter der Kreation zu erahnen versucht, meist vermag ich das Buch oder eben auch die Musik letztlich besser zu verstehen, wenngleich meine Interpretation des Werks natürlich immer meine ureigensten Befindlichkeiten inkludiert. Vor wenigen Tagen stolperte ich bei meiner ohne Plan und Ziel angetretenen Suche nach neuer Musik auf betörend schlichte, einem Lo-Fi-Spirit huldigende Songs, denen ich sofort das gewisse Etwas attestierte. Und sogleich versuchte ich der Vita des Singer-Songwriters habhaft zu werden – stutzte zunächst und meinte, den Braten riechen zu können.

yonlu

Glaubt man den einschlägigen Biographien und Artikeln, so verbirgt sich hinter dem Namen Yoñlu ein Teenager namens Vinicius Gageiro Marques, der die Songs zu dem Album A Society in Which No Tear Is Shed Is Inconceivably Mediocre heimlich in seinem Zimmer aufnahm. Das wäre noch glaubwürdig, der Umstand allerdings, dass eben jener Teenager 2006 Selbstmord beging, lässt mich eher das Stricken einer Legende vermuten. Schön ausstaffiert wird die Geschichte dadurch, dass Vinicius Gageiro Marques bis kurz vor seinem Tod auf einem Internet-Forum aktiv gewesen, quasi öffentlich gestorben, sein soll.  Und nach dieser Tragödie fand die Familie die Lieder auf der Festplatte eines Computers und beschloss sie zu veröffentlichen, so die Fama.

Nun hefte ich mir keine Gutgläubigkeit an die Fahnen. Und obwohl die Story in reputablen Medien wiedergekäut wurde, überwiegen meine Zweifel. Weniger Skepsis jedoch hege ich an der Qualität dieser Scheibe, die als unfertiges Kleinod überzeugt – eine absolute Empfehlung für Folk-Fans darstellt. Da ich bereits viele Worte über den Künstler verloren habe, will ich dafür dieses Mal der Musik ihr Mysterium belassen, ihre Entdeckung den werten Lesern jedoch dringend ans Herz legen. Tracks wie Humilation, The Boy and the Tiger sowie Suicide sind auch ohne tragische Mär von einer großen Nachdenklichkeit beseelt.

Links:

Biographie auf allmusic

Bericht im Paste Magazine

MySpace-Auftritt

Kostenloser Download auf RCRD LBL

SomeVapourTrails

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