Klandestines Parfüm – THUS:OWLS

Oh diese skandinavischen Frauenstimmen! Trällern nicht einfach in Liebreiz gedrungen, wohllüstern nicht dem Schöngesang. Lieber parfümieren sie sich mit herber Sperrigkeit ein, ein geheimnisvoller Duftorkan in der Kopfnote, der die Sinne überstrapaziert, ehe die Herznote kühle, ausladend vertrackte, klandestine Gefühlspanoramen freilegt. Die Basiswürze lauert in den verkopften Emotionen, denen alberne Vereinfachungen oder ein simples Schubidu fremd sind. Der Fluch solch Bouquets offenbart sich darin, dass es nicht aufdringlich freiersfüßen den Lauschern schmeichelt.

Das Debüt des schwedischen Musikerkollektivs THUS:OWLS versprüht bereits im Titel den Hauch gediegener Unzugänglichkeit. Cardiac Malformations beschert 11 schwer fassbare, aufwühlende Lieder. Wer die Galligkeit einmal überwunden fühlt, darf den Balsam verspüren, den eine komplexe, intelligente und aufwändige Musik zu schenken vermag. Mit omnipräsentem Vortrag und konzisem Gesang leistet Erika Alexandersson den Löwenanteil. Die Art und Weise, mit welcher sie ihre Stimme in jedem Song neu modelliert, ihr Poppigkeit verleiht oder jazziges Timbre einhaucht, sogar sprechgesängelt, trotz allen chamäleonesquen Anpassungen dennoch eine erkennbare Charakteristik behält und nie den Bogen überspannt, all das verdient Bewunderung und Respekt.

Doch wäre ein Album trotz blendender Sängerin und virtuosen Musikern höchstens eine halbgare Angelegenheit, wenn es den Liedern an kompositorischer Puste fehlte. Und gerade der Experimenten holde  Zugang von THUS:OWLS könnte leicht in schalem Mundgeruch münden. Dies freilich ist nicht der Fall. Als Glanzlicht präsentiert sich Climbing the Fjelds of Norway fiebrig wie unterkühlt, ein Track wie ihn eine Björk in Bestform auch nicht besser fabrizieren könnte.  Das von gezupftem Kontrabass eingeleitete Sometimes tänzelt mit herrlichem Improvisationsflair daher, steht für die bereits erwähnte Jazz-Note. Wunderbar bricht sich das Lied zweimal, wenn der mopsfidele Rhythmus abrupt im getragen Balladesken endet. Erhaben klagend und dennoch trostvoll wandelt The sun is burning our skin auf Pfaden überirdischer Schönheit, klar und rein und tief. Diese drei aufeinander folgenden Songs skizzieren das Prunkstück der Platte, sind absolut große Kunst. Aber auch das mit gut gestaltem Pathos düster gesponnene Let your blood run mit ätherisch-psychedelischen Beigeschmack belohnt denjenigen Hörer, der sich simplen Sinneskitzeln konsequent verweigert. Fans einer Ane Brun sollten auch mit dem Lied My thoughts ain’t lovely etwas anzufangen wissen. Was Mastermind Erika Alexandersson zusammen mit Cecilia Persson, Simon Angell, Martin Hörper und Ola Hultgren fertigt, gerät zum fabelhaften Debüt, bei welchem sich Anspruch und Wirkung großartig umschränken.

Thus Owls – Sometimes from valerie toumayan on Vimeo.

THUS:OWLS kultivieren im besten Sinne das Mysterium skandinavischen Songwritings, das flache Sounds wie die Pest meidet. Herzensmissbildungen kann ich wahrlich nicht attestieren, Tiefgang hingegen allemal. Cardiac Malformations jedenfalls ist eine dufte Platte, die lang anhaltend im Raum schwebt, wenn die letzten Töne bereits längst verklungen sind.

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