Review: Smoke Fish – Life Ain’t Pink

Es ist natürlich schon ein sehr naheliegender Scherz, die Life Aint’t Pink benannte CD ganz in Pink zu färben. Beim ersten Blick auf des Tonträgers Outfit vermutete ich fast, ich habe es mit irgendeinem Electro-Clash oder Pop oder so zu tun. Weit gefehlt. Smoke Fish liefern eine sehr erfrischende Mischung aus Alternative, Post-Punk – verwoben mit Weltmusikelementen. Allein den ersten Song auf der CD sollte man schnell skippen, um dann zum sehr feinen Mary Prankster zu gelangen. Ein Song der gemacht ist, um Stadien toben zu lassen, intelligenter Rock, energetisch und dabei wohltuend unanstrengend.

Auf dem schnell wippenden Fuße folgt zugleich Cigarettes & Family, ein melodiöser Kracher, dreschende Gitarren werden eingebettet in ein ausgetüfteltes Arrangement.  Sänger Shay verleiht dem Song mit einer Lässigkeit und unprätentiösen Performance die besondere Würze. Hier stimmt einfach alles.  Sollten Placebo demnächst wieder eine Vorband suchen, Smoke Fish wären die richtigen Kandidaten um das Publikum anzuheizen.

Spannend ist auch der Hintergrund der Band, der gleich im folgenden Lied Tango with Jesus seine Spuren zeigt. Frontmann Shay stammt aus Israel und hat nach seiner Reise rund um die Welt die Bretagne als neue Heimat auserkoren. Hier fließt ineinander, was geografisch durch Ozeane getrennt ist und doch wie die das flüssige Lebenselexier spendenden Wolken alles im weltumspannenden Himmel seine beständige Neuformation erlebt. Der Tango lässt uns für einen kurzen Moment das Open-Air-Gelände verlassen und in eine Bar chillen – um uns dann wieder auf der Tanzfläche wiederzufinden.

Hey!Talk! gibt sich dann dem Titel zum Trotz wenig redselig und überrascht mit orientalischen Klängen und Electronica-Anleihen, wirft einen flirtenden Blick auf Post-Rock-Epen, um dann wieder zum erdigen Rocksong zu werden. My Eyes ist nett, verleitet aber zum schnellen Weiterhören, um beim verspielten Insane Inside zu landen. Rockopernhaft werden hier rosa Elefanten besungen, The Who und die anderen  großen der 70er lassen hier grüßen, kurz schaut auch mal Queen um die Ecke oder Freddy von hoffentlich rosa Wolken herab.

Reduzierter und akustischer besticht Strange Identity Defect, ein leiser und intensiver Song, der unter die Haut geht. Manifest Destiny springt dann sofort wieder auf die große Bühne und lässt die Gitarrist und Drums austoben, um das Ganze wieder rockopernhaft zu brechen. Die Theatralik braucht Platz und Raum, nicht für kleine Clubs, hier wird geklotzt und nicht gekleckert. Zum Ende der CD verlassen Smoke Fish die großen Locations und lassen ihr Debüt im intimen Raum ausklingen. Nur mit der  akustischen Klampfe bewaffnet schleudert hier Jay als Singer-Songwriter seine Worte in die Welt, spärlich unterstützt von den weiblichen Backing Vocals und lässt uns mit der Gewissheit zurück:  Life Ain’t Pink – dafür aber eine Reise durch Tiefen und Höhen, kleine Räume und große Landschaften, Vergangenheit und Gegenwart.

Life Ain’t Pink könnt ihr euch wahlweise auf Jamendo kostenlos runterladen…

Oder bei af-music als physische CD kaufen.

DifferentStars

Ein Gedanke zu „Review: Smoke Fish – Life Ain’t Pink

  1. Das ist lustig, grad der erste Song auf der CD ist mein heimlicher Favorit. Aber danke für diese umfangreiche Besprechung des Albums, jetzt hab sogar ich – der die nun schon dutzende Male gehört hat – nochmal einen völlig anderen Blick auf den einen oder anderen Song bekommen.

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