Understatement für musikalische Feingeister – Firekites

Die Zeit verfliegt, Alben flattern über den Plattenteller und vermodern dann schnell in einer überbordenden Kiste. Nur die wenigste Musik schafft es, sich ein lauschiges Plätzchen auf der Festplatte des Gehirns zu sichern. Dies hat einerseits mit persönlichen Vorlieben zu tun, aber immer auch mit der Situation, in welcher man die Scheibe hört, und freilich stets mit der Beschaffenheit der Musik. Was nicht lostrompetet wie einst die Schofaren vor Jericho, überwindet nur selten den Wall der Skepsis, den die Flut an musikalischen Eindrücken auftürmt. Viel Musik und wenig Zeit, da versteigt sich die Ratio zu harscher Selektion, um den Fokus auf essentielle Klangfreuden nicht zu verlieren.

Doch manchmal lohnt das erneute Anlegen des Ohrs, um den sanften Pulsschlag einer Platte zu vernehmen. Ab und an wird dadurch zwingend, was vorher den Makel des Unspektakulären trug. Aus diesem Grund müssen in den nächsten Wochen trotz der anstehenden Veröffentlichungsorgie hochwertigster Alben einige feine Miniaturen aus 2009 Erwähnung finden. Zunächst ist das australische Kollektiv Firekites an der Reihe. Anfang Oktober erschien das Debüt The Bowery.

Der Reiz des Werk liegt im Understatement, mit dem durchaus opulent arrangierte Songs in einen intimen, folkigen Rahmen geflochten werden. Statt einer mit viel Tamtam geschwungenen Keule regiert ein fragil geführter Meißel, der gelungene Kleinode formt. Schwelgerische Tagträumereien dominieren und fassen denjenigen Hörer zärtlich an der Hand, der bereit für behagliches Dahindämmern scheint. Der fingerschnippende Gitarrensound von Last Ships umschwebt streicherunterstützt den Hörer, ebenso wie das kammermusikalisch elegante Autumn Story, das luftig mit den Worten We don’t want these days to ever end entfleucht. Another State wäre als weiteres Dream-Folk-Highlight zu nennen, eine monotone Gitarre, dazu verzerrte Synthies und eine geheimnisvolle Frauenstimme bescheren eine magische Atmosphäre. Diese wird bei Worn Weary dank des jazzig-chansonesquer Vortrags noch gesteigert. Verschrobene Beats und hingebungsvoller Gesang lassen dies Lied zu blanker Schönheit wachsen. Als finales Beispiel einer an charismatischen Melodien vielfältigen Scheibe sei auf das perfekt instrumental inszenierte Paris verwiesen.

Das Ensemble rund um die Gründer Tim McPhee und Rod Smith hat mit The Bowery eines der Indie-Fundstücke des vergangenen Jahres abgeliefert. Eine klug durchkomponierte Platte fabriziert, die sich nicht abnützt, vielmehr mit jedem Durchlauf weitere Feinheiten enthüllt. Die Firekites sprechen den reifen musikalischen Feingeist an. Und dieser wird in der Tat nuancenreich beschenkt. Grobschlächtige Gemüter hingegen mögen den zarten Hauch dieser CD wohl nicht registieren.

The Bowery erschien am 01. Oktober 2009 bei Own Records.

Link:

MySpace-Auftritt mit Hörproben

Einschätzung des werten Kollegen Peter auf Schallgrenzen.de

SomeVapourTrails

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