Ach du heiliger Bimbam! – railcars

Ich bin ein Fan der Würze in der Kürze. Es gibt kaum ein Buch, dass berechtigterweise mehr als 300 Seiten zählen darf – von der Bibel abgesehen. Und Filme, die über 2 Stunden dauern, vermögen mich eher abzuschrecken. Auch in der Musik präferiere ich eine Prägnanz, erlaube höchstens Post-Rock-Göttern und den größten Songwritern mich über 5 Minuten lang mit ein und derselben Komposition zu behelligen. Unter diesem Aspekt kann ich mit dem Album Cathedral With No Eyes sehr gut leben. Sechs Tracks erstrecken sich auf knapp über 18 Minuten und erstrahlen in konzentrierter Intensität. Hinter dem Projekt railcars verbirgt sich der Aria Jalali, der dichten Lärm in den besten Phasen mit Schnellstampfrthythmen kombiniert und somit eine headbangerische Trance kreiert. Die Platte beschäftigt sich mit dem Leben und Märtyrertod des Heiligen Edmunds, eines im 9. Jahrhundert auf der britischen Insel herrschenden Königs. Allein dies musikalisch zu verwursten, erweckt bereits mein Wohlwollen. Das famose Plattencover stärkt das Zutrauen weiter.

Die im Oktober 2009 erschienene Scheibe präsentiert poppigen Noise in einem wirklich aufregenden Gewand. Bereits der Track Castles wuselt wundervoll durch die Boxen, klingt so als hätte eine zünftige Dorfkirmes Techno für sich entdeckt und rustikal-urtümlich interpretiert. Passion of Saint Edmund (Miracles) knüpft an das muntere Treiben an, in verzerrtem Lo-Fi-Donnerwetter entwickelt sich tatsächlich lärmigste Leidenschaft, die im Titelsong Cathedral With No Eyes schreihalsig und von vorwärts marschierenden Beats getragen gipfelt. Ein unaufhörliches Sperrfeuer durchfiebert den Track, kernig wie deftig, derart eingängig, dass man sich nicht losreißen möchte. Den Rest des Albums zieren experimentelle Soundcollagen, die Einstimmung, Innehalten und Endvergärung sind.

railcars ist derzeit fast am Ende einer ausgedehnten Europa-Tour angekommen, wer noch die Möglichkeit hat, dies elektronisch aufgeladene Musikgewimmer live zu erleben und der Ekstase zugetan scheint, sollte dies auch dringendst tun. Ich für meinen Teil habe ein derart kettenrasselndes  Feuerwerk gespickt mit Klängen, welche angenehm wuchtig wirken, schon lange nicht mehr gehört. Ach du heiliger Bimbam, so und nicht anders soll Lärm klingen!

Tour-Termine:

13.02.10 Nürnberg – Zentralcafé K4
15.02.10 Hamburg – Hafenklang

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SomeVapourTrails

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