Review: Scanners – Submarine

Die Scanners vollbringen das Kunststück trotz  Retro-Sound frisch zu klingen und läuten für mich in diesem Jahr musikalisch gesehen den Frühling ein.

Achtung: Nach dieser Ein-Satz-Review folgt eine hemmungslose Lobhudelei!

Denn: Kaum einer Band gelingt es so gut, Blondie-esquen New Wave zu assimilieren, sich beim Post-Punk zu bedienen und die bewährten Zutaten zu etwas Neuem, Eigenen zu verweben. Zwei als Geschenk dargereichte Kostproben wurden uns bisher vom neuen Album auf dem Silbertablett serviert. We Never Close Our Eyes (Download hier) hat Kraft und Potential ganze Indie-Disco-Floors zu füllen. Wer zu Metrics Help I am Alive abrockte, dürfte diesen Song lieben. Nicht ganz so wütend wie Emily Haines, dafür aber mit der Laszivität der ravonetteschen Sharin Foo darf  sich Sarah Daly mit den Scanners spätestens nach dem zweiten Album zur ersten Riege der „Female fronted“-Bands zählen.

Abseits von Blümchenwiesen, Heile Welt oder reinen Boy-Meets-Girl-Storys legen die Scanners den Finger in die Wunden unserer Zeit und Seelen. Wecken mit Dreamer Forever die eben selbigen auf aus Lethargie und Tagtraum, verpassen den  nötigen Tritt in den Arsch. Melodiös, aber bestimmt schwingt hier eine wohltuende Portion Aggression mit. Schon der Opener Jesus Saves kommt scheinbar harmlos mit Twee daher, um uns mit den bitterböses Lyrics eines Besseren zu belehren. Die CD dreht sich nicht nur weiter im Player, sondern wird mit den folgenden Tracks schneller und wandelt sich vom Pop zum Rock-Album.

Anspieltipps:

A Girl Like You atmet Leiden und Leidenschaft aus jeder Pore, die Synthies tauchen ein in die New Wave-Gefilde der 80er Jahre, während die Post-Punk-Gitarren und der herrlich angepisste Gesang Sharin Foos den schönen Konterpart geben. Hier wird nicht mehr nur verträumt melancholisch gelitten wie in den zur Zeit übermäßig musikalisch zitierten 80ern. Die neue Generation protestiert und fordert. Vor Florence Welsh braucht sich Sharin Foo also auch nicht verstecken. (Da der Rezensentin die lobenden Adjektive auszugehen drohen, muss halt noch ein Künstler-Vergleich her).

Baby Blue ist eine wahre Indie-Rock-Hymne die  Submarine aus New Wave-Disco-Sphären auf die große Stadionbühne hebt. Salvation (Free Mp3 hier) war eben nur ein Vorgeschmack, wenn auch ein sehr guter.

Ruhiger, dafür mit brillianter Intensität geht  Strangelovehate unter die Haut und lässt viele Pop gewordenen männliche Indierock-Genossen blass aussehen.

Fazit: Das zweite Album gilt allgemein als das schwierigste, das erste als Versprechen, das es beim Nachfolger einzulösen gilt. Die Scanners enttäuschen nicht, Submarine ist ein sehr starkes Album geworden, mit dem der Band hoffentlich der Durchbruch gelingen wird. Kleiner Wehmutstropfen für uns: Submarine ist hierzulande nur als Import-CD oder Mp3-Download erhältlich. Violence Is Golden, das  Erstlingswerk,  musste ganze 3 Jahre auf den Deutschland-Release warten. Dank Last.fm können wir Submarine aber fernab unsinniger Ländergrenzen in voller Länge hören und genießen.

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