Review: The Postmarks – Memoirs At the End Of the World

Ein halbes Jahr hat es gedauert, bis die Erinnerungen vom Ende der Welt den Ozean überquerten und nun auch in unseren Breiten offiziell veröffentlicht wurden. Das Offensichtlichste wurde schon im vergangenen Sommer und jetzt im eisverkrusteten Deutschland geschrieben: Die Platte klingt genauso wie das Album-Cover verspricht und die Songs erscheinen wie vertonte Szenen aus James Bonds Agentenleben. Namen von großen Filmkomponisten werden fallen gelassen: John Barry (James Bond), Henri Manchini (Frühstück bei Tiffany) und last but not least Ennio Morricone (Spiel mir das Lied vom Tod), großes Kino also. Was allerdings nicht allein dem cinematografischen Sixties-Sound zu verdanken ist.

The Postmarks vollbringen das Kunststück locker flockig zu klingen, den Moment in eine Großleinwand zu verwandeln und dabei in die Untiefen der menschlichen Seele zu tauchen. Wie im Spionagethriller ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Fühlen wir uns zum Mitwippen verführt und wähnen uns nach Bondgirl-Art lasziv an der Bar die Beaus verführend, so lauert im Hinterhalt die Gefahr und der schmerzvolle Abgrund. Genau dies rettet Memoirs At the End Of the World davor, einfach nur nett zu sein. Der Opener No One Said This Would Be Easy klingt, als sei er Shirley Bassey für den Vorspann der neuen 007-Abenteuer auf den Leib geschrieben worden und erzählt von Freundschaft und Verrat.

[…] No one said
that this would be easy
with each step
the ground disappears
and its not dead
but you can’t seem to reach it
once a friend
turns into a thief
you have got to find the key[…]

Das Böse lauert nicht in Gestalt eines Dr. No oder Blowfeld, sondern im alltäglichen Gesicht eines Vertrauten. Der Song erzählt davon, wie es einem den Boden unter den Füßen wegzieht und man in einen Abgrund zu stürzen glaubt, wenn man von einem geliebten Menschen verraten wird.

Memoirs At the End Of the World bietet eine schön vielfältige Stilmischung. Twee-Pop (My Lucky Charme, Go Jetsetter), Spy- und Space-Sound (Don’t Know Till You Try), schwelgerischer FlipFlopGaze (I’m In Deep), Westernsound (Thorne In Your Side (Reprise)), und vieles mehr… Gone wird als New Wave beworben und wenn’s ne Mischung aus Sixties-Sound und New Wave gibt, dann Gone 😉

Besonderes Highlight neben dem Eröffnungssong No One Said This Would Be Easy ist Thorn In Your Side, jedem Kinofan ist sofort klar, bei dieser Musik ist Gefahr im Anmarsch,  Tim Yehezkely haucht wie die Stimme aus dem Jenseits einer dunkel lockenden Sirene gleich. Wer ihr folgt, wird ertrinken. Ironisch verspricht sie das Happy End am Ende der Welt.

So wie die Wunderwaffe der Postmarks in jedem Moment die Fähigkeit ihrer Sängerin ist, immer die Gratwanderung zu meistern, zwar lieblich und betörend, nie aber überzuckert zu klingen. Ein Balanceakt, der nur wenigen Interpretinnen gelingt. Ihre Bandkollegen Jonathan Wilkins und Christopher Moll verschaffen die perfekte musikalische Kulisse, vor deren Hintergrund Tim Yehezkely als Hauptdarstellerin zwischen Opfer, Heldin und Schurkin agiert.

Memoirs At the End Of the World das Album mit der Lizenz zum Begeistern. Kopfhörer auf, Augen zu und den Film zur Musik selbst erfinden!

Tracklist:

01. No One Said This Would Be Easy
02. My Lucky Charm
03. Thorn In Your Side
04. Don´t Know Till You Try
05. All You Ever Wanted
06. Run Away Love
07. For Better…Or Worse?
08. I´m In Deep
09. Thorn In Your Side (Reprise)
10. Go Jetsetter
11. Theme From “ Memoirs “
12. The Girl From Algenib
13. Gone

Label: ADA
VÖ: 05.02.2010

Das Album komplett als Stream gibt’s auf 3voor13

Links: MySpace, Homepage

DifferentStars

4 Gedanken zu „Review: The Postmarks – Memoirs At the End Of the World

  1. Schöner Text zu einer schönen Platte, dessen Wohlklang mich schon seit nem guten halben Jahr immer wieder verwöhnt, und so oft ich sie auch höre nichts an Reiz verliert.

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