Broken Bells: Balsam für die Seele

Es gibt Musik, die schmiegt sich wie Balsam um die Seele. Vielleicht auch genau deshalb hab ich nach dem ersten Hören der Broken Bells gedacht: Ja – schöner Radiopop, was für entspannte Abende nach stressigen Tagen. Auf der Couch liegen und die Seele baumeln lassen. Erwartet hab ich auch, dass sich das Album schnell abnutzt und den Selbstversuch gestartet. Das Problem daran: Jedes mal, wenn ich die Broken Bells auflege entspanne und tagträume ich mich so schön weg, dass ich nicht mit den Fingern in die Tasten hauen will. Das Gute daran: Nein – die Gefahr sich schnell übersatt zu hören besteht nicht, im Gegenteil: Das Album wird besser mit jedem Hören. Angenehm und harmonisch werden hier viele Stile gemischt – es bleibt spannend und Ton um Ton, Neuland zu entdecken.

Ich bin ja immer sehr skeptisch, wenn ein neuer Kaiser ausgerufen und auf den Indiepop-Thron gehoben wird. Allein die Spex mault was von blutleer, das verbleibende Feuilleton jubelt und lobpreist. Die Protagonisten sind natürlich nicht nur neue, sondern auch alte Helden: DJ Danger Mouse und James Mercer von The Shins.

BROKEN BELLS, „THE HIGH ROAD“ from EJ on Vimeo.

Auch bei den Blogger-Freunden werden die Broken Bells hoch gehandelt und Smastad freute sich schon vor Wochen endlich wieder Nahrung für seine darbende Bloggerseele zu erhalten. So fabriziert die neue Supergroup im besten Sinne Konsensmusik, die Kritiker wie Publikum gleichermaßen begeistert. Immer auch hat man das Gefühl, die beiden hätten den ein oder anderen Song bei den Kollegen geklaut, oder ihnen jüngst bewiesen, dass sie viel besser und frischer klingen können als die Originale selbst. Air ist so ein Kandidat, der ein wenig blass vor Neid werden könnte. Aber auch die Altmeister der Popgeschichte werden, so kann man es auch sehen, mit Zitaten gewürdigt. Die Harmonien der Beach Boys haben die Broken Bells so gekonnt ins 21. Jahrtausend übersetzt wie keine Band zuvor. Dies alles fabrizieren die beiden mit unverschämter Leichtig- und Selbstverständlichkeit als wär‘ die Musikgeschichte ein Spielzeugwarenladen in dem sie sich über Nacht unbemerkt hätten einschließen lassen um nach aller Lust und Laune auszuprobieren und zu spielen.

Vielleicht ist dies das Erfolgsrezept. Hier treffen zwei aufeinander, die sich oder dem Rest der Welt nichts mehr beweisen müssen und einzig allein aus Lust und Liebe zum Tun Musikstücke erschaffen, die dazu da sind zu beglücken und bezaubern.

Mein Lieblingsstück ist der Song Trap Doors. Und bevor ich mit diversen Varianten von bezaubernd um mich schmeiße, bleibt für mich nicht mehr zu sagen. Ich bin dann mal weg, lieber genießen als rezensieren. Man möge mir verzeihen 😉

Broken Bells – Broken Bells

Label: SonyBmg
VÖ: 5.03.2010

Link: MySpace

DifferentStars

Ein Gedanke zu „Broken Bells: Balsam für die Seele

  1. ein wunderschönes album, dessen raffinessen sich erst nach mehrmaligem hören erschließen. zunächst unscheinbar, dann immer intensiver – und high road ist ein mega-tune!!

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