Die schnelle Nummer – Zilverzurf / Setting Sun

Ab heute wollen wir noch mehr Musik einer Vorstellung unterziehen, kurz und knackig gegenwärtige Releases eine kompakten Analyse angedeihen lassen. Den Tonnen an CDs, die einer meist lobenswerten Erwähnung harren, will ich allesamt die notwendige Aufmerksamkeit einräumen, besonders da alles, was nicht gerade als konsensfähige Indie-Klänge Verbreitung findet, in der deutschen Blogger-Szene gerne mal unter den Tisch fällt. Musik abseits der Charts zeichnet sich durch eine Vielfalt aus, die sich eben nicht in Indie-Pop und Folk erschöpft. Darum soll unsere neue Rubrik Die schnelle Nummer von nun an die gesamte Palette an Genres behandeln, World Music ebenso wie Country – und dabei immer möglichst konzis sein.

Unbeschwerter Weltenbummel – Zilverzurf

Hinter Zilverzurf verbirgt sich Johan Zachrisson, laut Biografie schon Ewigkeiten im Geschäft und so nebenbei auch noch Vater von Lykke Li, die wiederum als einer der aufregendsten Schweden-Exporte der vergangenen Jahre gelten darf. Mit dem heute erscheinenden Album Howling Dogs & Lost Souls beweist auch der Vater musikalisches Gespür, präsentiert ein angenehm lässiges Werk, das chillig-heitere Töne mit Ethno-Touch serviert. Nun kann solch Attitüde entweder schal und abgeluscht anmuten, oder aber absolute Entspannung suggerieren. Diese Scheibe freilich gehört zu der Kategorie der wahrlich angenehmen World Music, birgt Stil und Klasse jenseits allen Einheitsbreis.

Bei der beschwingten Nummer The Kalimba Dance paart sich Fröhlichkeit mit Eingängigkeit, fühlt man sich in ein nicht um Betroffenheit heischendes Afrika versetzt. Das von Percussion sacht angetriebene und von Bläsern geprägte Ta-Ge-Ge gehört ebenfalls zu den Highlights, strahlt Wärme aus. Denn darin ruht das Geheimnis des Albums: Es schwelgt in einem organischen, in sich ruhenden, bescheidenen Sound, der sich auf den Hörer überträgt. Jedwedes Schielen auf Effekte fehlt. Ob auf wehmütig gestalten Titeln wie The Painful Accordion, dessen simples Arrangement umso stärker wirkt, oder bei Living My Life, wenn ein altersweises Laissez-faire Zufriedenheit greifbar macht, die instrumentalen Tracks sind über weite Strecken unglaublich beredt. Und wenn zum krönenden Abschluss Lykke Li die Chanteuse auf Céu Sem Fim gibt, hat man Howling Dogs & Lost Souls längst ins Herz geschlossen.

Der Titel der Platte täuscht eine Schwermut vor, die in dieser Form jedoch kaum Platz greift. Herr Zachrisson aka Zilverzurf beschert uns vielmehr einen unbeschwerten Weltenbummel, dem man gerne lauscht, während die Seele wunderbar baumeln darf.

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MySpace-Auftritt

Aus der guten alten Zeit ausgebüchst – Setting Sun

Manch Musik verzückt beim ersten Mal, andere CDs brauchen mehrere Durchläufe, um sich irgendwann doch in die Gehörwindungen zu schmiegen. Die meisten Scheiben schaffen es nie. Setting Sun benötigten lediglich einen Anlauf, ehe das Resultat eine erwähnenswerte Wirkung hinterlässt. Denn das Album Fantasurreal verfügt über eine derartige Ausgelassenheit, dass man sich ihm schlichtweg nicht entziehen kann.

Das von Mastermind Gary Levitt geführte Projekt strahlt durch sonnig-schiefen Gesang, der meist mit Gitarre und breit orchestriertem Sound so flockig daher eiert, als sei eine psychedelisch veranlagte Hippie-Kommune aus der guten alten Zeit ausgebüchst und in einem Tonstudio der Gegenwart gelandet. Bereits der Opener Driving gibt die Richtung vor, hantiert mit Sixties-Sound, dessen Synthies-Elemente eine spritzige, poppige Nummer unterlegen. Und diese leichte Wohlfühlstimmung hält die gesamte Platte über an, mündet im sehr elektro-schwangeren The Sympathetic CEO. Dazwischen überzeugt eine muntere Mixtur aus schrägen folkigen Titeln wie One Time Around und verhuschtem Retro-Pop (Make You Feel), stehen eingängige Refrains wie das Mantra „Never alone anymore“ bei Handsome Bride.

Fantasurreal scheint als Sonnenschein-Soundtrack für die kommenden wärmeren Tage geradezu prädestiniert. Setting Sun ist eine ausgelassene Platte gelungen, die Fans von verspielten, stets ein wenig abgedrehten Klängen zu fesseln vermag und viel von dem Spirit einer Leichtigkeit versprüht, der heute viel zu selten durch Musikgefilde weht.

Ende April/Anfang Mai kommen Setting Sun auf Europa-Tour. Termine folgen!

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MySpace-Auftritt

Kostenloser Download von Driving

Peters Einschätzung auf Schallgrenzen.de

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