Lang lebe der MP3-Download – The Brian Jonestown Massacre

Eine Handvoll Songs, die mehr als nur ordentlich tönen, kann mitunter jedoch nicht aufwiegen, was die restlichen Stücke eines Albums an Bockmist bergen. So – und nur dergestalt – muss das Fazit zu dem neuen Werk Who Killed Sgt. Pepper? von The Brian Jonestown Massacre lauten. Dabei möchte man Mastermind Anton Newcombe keinesfalls ein komplettes Desaster ans Revers heften, wenn jedoch die Tiefpunkte des Albums fast genauso penetrant in Erinnerung bleiben, wie es die gelungensten Tracks der Scheibe tun, dann wirkt das Ergebnis letztlich schnöde. Dabei beginnt die Chose so verheißungsvoll.

Tempo 116.7 (Reaching For Dangerous Levels Of Sobriety) entwickelt verschroben psychedelische Klänge, unterlegt von kräftigen Beats. Das pulsiert voll Klasse und Stil. Und Þungur Hnífur ist eine traditionell rockende Nummer mit dominanten Gitarren und Drums, so zeitlos wie druckvoll. Spätestens die Derbheit von Lets Go Fucking Mental und seinem mantrahaften Refrain lässt auf großes Kino schließen. Eine Song wie aus dem Bilderbuch, schräg, eingängig, ein vierminütiger Trip, hochgradig gelungen. Der Frontalangriff auf mein Gehörkostüm gelingt bis This Is the One Thing We Did Not Want To Have Happen, welches nochmals all die erwähnten Tugenden einer starken ersten Hälfte der Platte wunderbar auf sich vereinigt. Irgendwann jedoch nutzen sich die Beats ab, bleibt das Feuerwerk ungezündet, tönt alles zu berechnend und blutleer, haben Inspirationen zugunsten von Irrsinn die Segel gestrichen. Someplace Else Unknown kann noch ansatzweise überzeugen, ehe mit Detka! Detka! Detka! einer der übelsten Tracks des Jahres erklingt. Sprechgesang mit Ethno-Flair im Korsett eines eiernden Rhythmus, eine echte Beleidigung für die Ohren. Auch das Retro-Geknartsche von Super Fucked klingt gleichsam abgekupfert wie ausgelutscht. Irgendwann sind die Referenzen an die 80er-Jahre nur noch nervtötend, ohne eigene Seele und banal.

Selten habe ich so einen eklatanten Abfall im Laufe eines Albums erlebt, wie man dies auf Who Killed Sgt. Pepper? verfolgen darf. Was anfangs in jeder Phase trancehaft fassbar, roh wie abwechslungsreich, oftmals auch fremdartig anmutet, also genau das bietet, was man von einem Anton Newcombe erwarten darf, ertrinkt im zweiten Teil im Pathos der Referenzen und Reminiszenzen oder watet in aufgedunsenen Mätzchen. Lang lebe der MP3-Download, denn knapp die Hälfte der Tracks sind jeden, absolut jeden Cent wert. Über den Rest hingegen breite man den Mantel des Schweigens.

Links:

MySpace-Auftritt

Tolles Lego-Video zu Lets Go Fucking Mental

SomeVapourTrails

2 Gedanken zu „Lang lebe der MP3-Download – The Brian Jonestown Massacre

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