Über das Torkeln ins Rampenlicht – Eine Umfrage

2010 ist mittlerweile so weit gediehen, dass Voraussagen bereits durch Erfahrungswerte untermauert und Wünsche durch mehr oder minder trostlose Realitäten auf den Boden der Tatsachen geholt werden. Doch man wird ja dennoch Hoffnungen hegen dürfen. Wir von Lie In The Sound haben ein paar Blogger um Prognosen gebeten und schürften mittels folgender Fragestellung nach Gold: Welche Bands werden in diesem Jahr aus dem relativen Nichts ins Rampenlicht torkeln, stolpern oder schnurstracks hineinmarschieren? Welche Künstler oder Acts werden das Dark Horse der (im weitesten Sinne) Indie-Szene? Haben wir diese schon gesehen und in deren Veröffentlichungen geschwelgt, oder sind die Perlen noch unveröffentlicht?

Hier die Rückmeldungen:

Peter von Schallgrenzen: Dark Horse des Jahres? Meine prophetischen Fähigkeiten tendieren traditionmäßig gegen null. Aber wenn ich mir etwas erhoffe und wünsche, dann,  das abgesehen von der ganzen weinerlichen Indie-Grütze die wir noch als neue Überflieger ertragen müssen, endlich eine neue gute Prog-Rock Platte das Licht der Welt erblickt. Meine Hoffnung fokussiere ich hiermit auf das im Laufe des Jahres erscheinende neue Album von Gazpacho. Und dann erhalten die Norweger die ihnen gebührende Aufmerksamkeit. Und wenn das nicht klappt, höre ich mir alle Scheiben von „Her Name Is Calla„, von „Amplifier“ oder den „Deftones“  und alle am Puls der Zeit klebenden Blogger können mir den  Buckel runter rutschen. Amen.

Julian von DieKopfhoerer.de: Also, Beachtung finden werden auf jeden Fall Midlake und John Grant. Ich tippe noch auf She & Him (im Übringen werden wir auch von Zooey Deschanel als Schauspielerin noch mehr hören, in den USA hat sie ja bereits eine stetig wachsende Fangemeinde). Des weiteren bin ich vom Musikvideo von The Happy End sehr begeistert und in Bloggerkreisen könnte das ein großes Ding werden. Im Deutschrock wird Mein Mio punkten können, Minze wird nach Deutschland übergreifen und kleine Erfolge verbuchen. Ödlands Fangemeinde wird wachsen, Sophie Madeleine aus England wird mit ihrem Ukulelealbum bekannter werden. The Blue Van sind auf der Überholspur, hat ja Michael bereits erwähnt. Und Broken Bells werden das Radio erobern. Ansonsten wird man von Black Rust noch mehr hören, im Jazzbereich ist Fjoralba Turku im Kommen und wenn alle meine Wünsche in Erfüllung gehen bekommt Willie Nelson endlich die Anerkennung, die er verdient (glaube ich aber nicht dran).

das klienicum: die frage nach DEN acts im jahr 2010, welche sich zu leuchtenden beispielen ihrer zunft emporheben lassen, reibt sich an modischen befindlichkeiten, an halbherzigen wie willkürlichen zurufen der branche und ihrer nutzer, an spinnerten bewegungen im markt. ich bin längst von ab dem zu folgen, gar zu vertrauen oder ernsthaft teilhabe zu üben. zu viele als glückstreffer sicher gemeinte und gern hofierte künstler versanden in den wüstenstürmen unbarmherziger und dumpfer rezensenten. was sich schließlich abhebt, ist weder die spreu vom weizen, noch unbedingt geniessbar. die nische ist und bleibt der glücksgriff, der wahre star im rampenlicht.

Horst von Hey Tube: Außer den vielen musikalischen Platzpatronen bleiben schon jetzt drei wunderbare Ausnahmen. Und die werden ihren Weg machen. The Strange Boys mit dem Album „Be Brave“ verarbeiten Grenzwälle eben mal zu Feinstaub und ignorieren eine eventuelle Existenz von Grenzen. Drink Up Buttercup rühren auf „Born And Thrown On A Hook“ zusammen, was nicht zusammengehört. Mit Pop, Elektro, Psychedelic und famosem Refrain kommen Moonlight Bride daher. Mit viel Spaß und wenig Klischees auf „Myth“.

Michael von småstad: Eigentlich habe ich gar keine Ahnung was in diesem Jahr so unglaublich „heiß“ und angesagt sein wird, da ich mich aus dem aktuellen Musik-Business mit all seinen Aufsplittungen der Genres zurückgenommen habe. Wir haben doch eh alles schon 1000-fach gehört und das früher meist besser 🙂 Gönnen würde ich den Erfolg allerdings den Broken Bells (Die Protagonisten sind ja schon bekannt und erfolgreich), den Scanners (Tipp von Euch!), den charmanten Ladies von Lowood und Cory Chisel And The Wandering Sons. Und dann wird es hoffentlich noch ein paar alte Recken geben, die noch einmal die Ärmel hochkrempeln und uns mit guten Songs und Alben erfreuen. Noch ein Nachtrag: Ich will, dass Kashmir endlich den Durchbruch schaffen!! 🙂 Die hätten es inzwischen echt verdient…

Frank von pretty-paracetamol konnte zwar kein Statement liefern, aber wenigstens die Namen Delphic und Great Eskimo Hoax den Einschätzungen der Kollegen hinzufügen.

Was aber nun lernen wir aus den Aussagen? Dass jeder seine persönlichen Favoriten hat, dass Wunsch und Prophetie nicht immer Hand in Hand gehen können. Und wohl auch den Umstand, dass Blogs nicht zwangsläufig die von der Promotion vorgekauten Hype-Häppchen einfach nur verdauen. So vielfältig wie die Musikszenerie, so divergierend die Meinungen und Vorlieben der Blogger. Unsere eigenen Dark Horses werden wir in den kommenden Tagen zusammenfassen, dabei einige neue Namen fallen lassen. Auf alle Fälle gibt es auf deutschen Blogs mehr zu entdecken, als man vielleicht gemeinhin glaubt. Die oben angeführten Bands und Künstler sind ein guter Beweis.

(Die Verlinkungen zu den Bands haben wir als Service für die Leser selbst vorgenommen.)

SomeVapourTrails

4 Gedanken zu „Über das Torkeln ins Rampenlicht – Eine Umfrage

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.