Wenn Jungfrauen in Haifischbecken fallen: Amy Macdonald

Wenn Jungfrauen in Haifischbecken fallen und sich von Pop-Elfe in dunkle Nixe verwandeln, erzählt dies ein wahr gewordenes Märchen. Wir erinnern uns: Da war sie plötzlich – wie aus dem Nichts in jedermanns CD-Player, auf jeder Fernsehbühne, auf allen Rundfunkwellen: Amy Macdonald etwas pummelig, immer individuell mit Klampfe und Charme, der kometenhafte Aufstieg einer Folk-Pop-Elfe, die mit Natürlichkeit und Authentizität bestach und den Konsens zwischen Kritikern und Publikum schaffte.

Allseits geliebt ihre Weisen, immer schön klingend, unterhaltend und doch den Sinn des Lebens hinterfragend. Ein Teenager auf der Suche, gefunden vom schillernden Musikbusiness.The Girl Next Door wird zum Superstar, ein Traum Wirklichkeit. Gespannt durfte man nun auf das zweite Album warten, das mit Curious Thing nun vorliegt.

Schon das Cover verrät, die Backfisch-Zeiten sind vorbei, die Pausbäckchen verschwunden. Entgegen dem Gesetzt der Schwerkraft hat Amy Macdonald mit vielen Pfunden auch die Leichtigkeit verloren, die ihr Debüt in luftige Höhen erhob. Düsterer und wütender erzählt sie von dem was ihr und ihrem Leben geschieht, die Kehrseite der Goldenen Medaille des Shooting Stars. Bleibt dabei authentisch, nimmt aber einen unerwarteten Richtungswechsel ein. Mehr Indie-Rock, weniger Folkpop und das ist gut so.

Auch wenn Erfolgsschattenseiten reflektierende Bauchspiegelein bisweil etwas nerven können wie  z.B. bei Kollege Robbie Williams. Amy Macdonald bleibt dran an ihrem Leben und erzählt davon schwimmen zu lernen in einem Haifischbecken, ohne zerfleischt zu werden oder zu ertrinken. Kernthema ist die  Identitätssuche, die Angst sich zu verlieren. Lyrics wie „I got no roots they’re not set in stone/ I got no place that I call home/ I’m just a low low lonely soul“ (No Roots) bringen nicht nur ihre Lebensgefühl, sondern das ganzer Generationen auf den Punkt. In einer Welt, die sich immer schneller dreht und fast alle ihre Heimat verlassen müssen, um in der Fremde zu studieren oder den passenden Job zu finden. Das sie als Next Big Thing dies in einem unvergleichbaren Schnelldurchlauf erlebt hat und mit Düsenantrieb aus der gewohnten Umgebung katapultiert wurde, besingt sie in „Next Big Thing„.

Die erste Single Don’t Tell Me That It’s Over klang dann auch so, als hätte die White Lies ihr eine Lektion in Indie-Rock erteilt. Kurz fürchtete ich, ihr Label hätte sie gegen den Strich gebürstet gezwungen, am neuen Gitarren dominierten Indie-Rock-Hype teilzuhaben. Die Metamorphose bleibt aber stimmig und überzeugend. Amy Macdonald entwickelt sich weiter, als Persönlichkeit und Musikerin und transportiert dies auf ihrem neuesten Werk, das bei aller Sinnfindung, nie anstrengend und sehr hörenswert ist und neugierig macht, auf das, was wir in Zukunft von ihr zu erwarten haben. Kleiner Wermutstropfen, wie beim Vorgänger gilt auch hier: Kennt man drei Songs, kennt man das ganze Album. Von der Grandiosität von wütenden Kolleginnen wie Emily Haines (Metric) oder Powerfrauen wie Florence Welsh (Florence + the Machine) ist Amy Macdonald noch ein paar Schritte entfernt.

Amy McDonal – A Curious Thing

VÖ: 12.03.10
Label: Mercury/Universal

Link: Homepage

DifferentStars

3 Gedanken zu „Wenn Jungfrauen in Haifischbecken fallen: Amy Macdonald

  1. ob hübsch oder nicht – mir ist die musik zu langweilig. schon das debut riss mich bis auf zwei songs nicht vom hocker. auf diese musik können sich halt ale irgendwie verständigen, ich nur bedingt 🙂

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