Zwischen den Stühlen – Erik Penny

Es gibt Platten, die man zum falschen Zeitpunkt hört. Dann denke ich mir meinen Teil, nenne die Chose bestenfalls nett oder – weniger schmeichelhaft – belanglos. Als ich zum ersten Mal Bend von Erik Penny lauschte, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. Ich war nicht etwa angewidert oder über die Maßen gelangweilt, aber die Songs veranlassten mich auch nicht zu Begeisterungsstürmen. Nun ein paar Wochen später verirrte sich die CD wieder in meinen Player, als bewusst gewählte leichte Kost, denn nicht immer steht mir an meinen freien Tagen der Sinn nach anspruchsvollsten Schalmeienklängen. Und tatsächlich vermochte Herr Penny die zweite Chance, die ihm meine Ohren gewährten, zu nutzen. Unter anderem deshalb, weil der größte Makel von Bend gleichzeitig auch die Stärke des Albums markiert.

Erik Penny ist ein US-amerikanischer Singer-Songwriter, den es nach Berlin verschlagen hat. Prinzipiell scheint es ja keine schlechte Idee zu sein, im Berliner Schmelztiegel sein Glück zu versuchen, wenn in den Staaten der große Wurf ausbleibt. Europäer haben ja mitunter einen differenzierten Geschmack. Dennoch bezweifle ich, dass Bend die hiesigen Charts zu stürmen vermag.

Das Werk bietet gutes, aber überraschungsarmes Songwriting, angenehmen Pop ohne Schwulst. Gefällige Lieder folgen einander, zeigen keine großen Schwächen, bieten allerdings auch wenig Höhepunkte. Doch eben weil hier nicht geklotzt wird, entwickeln die meisten Songs erst nach wiederholten Hördurchläufen ihren Charme. Der Mangel an Spektakel gerät zu einem Pluspunkt, weil sich keine aufgesetzten Effekte vor die Gefühle schieben, man Penny die Rolle des teilnahmsvoll beobachtenden Erzählers abnimmt. Doch ohne große Gesten oder kräftiges Winseln verkommt solch eine Platte bestenfalls zu einem Liebhaberstück für Genre-Fans – und jene mögen ab und an vielleicht mehr Schmalz.

Und so sorge ich fast schon, dass Bend irgendwie zwischen den Stühlen versauert. Zu wenig Skurrilität und Irritation, um den vermeintlich anspruchsvollen Hörer zu fesseln, und viel zu wenig Kitsch und Refrains zum Mitsummen, um massenkompatibel zu wirken. Dabei strahlt Honey Please mit seinen Szenen einer Beziehung zweifelsohne Qualität aus, die Zeile „i know you’ll miss me somehow when that summer rain falls freezing on your door“ entwickelt ein kräftiges Bild. Der balladeske Titeltrack verfehlt auch die Wirkung nicht, ebenso überzeugen mich Medicine Line, Under The Gun sowie die Miniatur Say You’re Crazy. Allen gemein ist die sanfte, nie exaltierte Stimme Pennys, welche besonders dann funktioniert, wenn die Instrumentierung auf ein Minimum reduziert wird.


Erik Penny – Side of the Road

erik penny | MySpace Musikvideos

Ich will ja nicht als Klugscheißer auftreten – oder zumindest nur ungern. Erik Penny wird mit Bend wohl keine große Aufmerksamkeit generieren. Das ist zwar schade, weil seine Musik durchaus stimmig und wirklich angenehm tönt. Aber für Erfolge – ob nun kommerzieller oder künstlerischer Natur – wird er sich den Albumtitel zu Herzen nehmen und das Songwriting in die eine oder andere Richtung biegen müssen. Ich halte ihm auf alle Fälle die Daumen.

Link:

MySpace-Auftritt

Interview mit Erik Penny auf Rote Raupe

SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Zwischen den Stühlen – Erik Penny

  1. hi ihr beiden – langsam „beunruhigt“ mich die tatsache, wie ähnlich wir doch viele alben bewerten 🙂 trifft den punkt genau, hatte das album zufällig gestern aus den gleichen beweggründen wieder im player. es gibt derzeit m.E. einfach zu viele acts dieser art auf gleichem niveau, da sticht selten etwas besonders heraus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.