Das Ende der Freiheit über den Wolken

Foto: wikimedia commons

Nein – alle, die jetzt glauben, ich schrieb einen weiteren überflüssigen Post über die Luftraumsperre auf Grund des Asche hustenden Eyjafjallajökull, der irrt. Letztlich hat das Geschehen nur eines gezeigt: Auch ohne Flugzeuge bricht unser Leben nicht zusammen – selbst der von Lufthansa anvisierte Blumennotstand traf nicht ein. Dieser Blogbeitrag handelt ein wenig von der Freiheit bzw. dem Freiheitsdrang mancher Bürger, die ein Zeichen setzen wollten und die einst anarchistischen Happenings genannt Flashmob ins Leben riefen. Genauso wie mit Geheimtipps in Reiseführern fremder Länder, verhält es sich jedoch mit allen Innovationen des Underground respektive der Subkultur. Sobald ein neues Phänomen über die medialen Eingangspforten wie ARTE Tracks in die Mainstream-Medien zu tröpfeln beginnt, ist es schon wieder tot oder liegt böse geschändet zu Boden. Im besten Falle lustig missbraucht von pfiffigen Werbestrategen. Und niemand soll hier den ersten Stein schmeißen, vor allem nicht die Autorin dieses Beitrags, die schon mal diesbezüglich im Glashaus saß. Virales Marketing ist durchaus eine Kunst, die zu unterhalten vermag. Wäre da nicht auch die Journalistin, die lieber Bloggerin sein mag und unterscheiden muss, zwischen Werbung und Entertainment. Denn wer filtert, wenn nicht wir?

Das Ende der Freiheit über den Wolken erfuhr ich heute via Twitter, dort sandte mich eine Bloggerfreundin (und Medienjournalistin) mit den Worten „Flashmob über den Wolken: „Neulich auf einem easyJet-Flug“ rüber zu einem viralen Werbespot von German Wings, ohne mir jedoch vorher die Warnung mit auf den Weg zu geben, dass ich gleich Werbung konsumieren würde. Ein paar Tweets später hatten wir uns darauf geeinigt, besser wäre es gewesen, zu schreiben, schaut euch mal diesen Werbespot für German Wings an. (Sorry fürs auf die Füße treten und Schlaumeiern, hoffe du bleibst uns gewogen). Allerdings würden viele so einer Aufforderung nicht nachkommen. Warum auch? Läuft im Fernsehen Werbung, dann gehen wir auf’s Klo, holen uns nen Tee oder Bier und wechseln ein paar Worte mit den Lieben, die uns umgeben. Ich schalte grundsätzlich den Ton aus…

Der German Wings Werbespot um den es geht:

Die Grenzen zwischen Infotainment und Werbung sind schon lange fließend. Werbung soll und muss Spaß machen, damit sie wirkt. Private Internet-Nutzer dürfen so viel Werbung an ihre „Freunde“ versenden, wie sie wollen und oft genug wissen sie noch nicht mal, in wessen Dienste sie da stehen. Die Werbestrategen lachen sich nen Ast und blicken freudig auf die dienstwilligen Drücker der Social-Communities. Sie müssen sich nicht länger selber die Hände schmutzig machen und an Gesetze halten, die den Einsatz bzw. die Kennzeichnungspflicht von Werbung regeln.

Zitat:

Wulf-Peter Kemper: „Wir schleichen uns an die Leute ran und tun so, als wäre es keine Werbung. Das ist Schleichwerbung.“ Auch die ist im Internet grundsätzlich verboten. Wenn allerdings Privatpersonen Bilder, Clips oder Meinungen im Netz austauschen, gibt es keine Restriktionen.

Quelle: ZAPP – Perfekte Verpackung – Die Werbung im Internet

(Wulf-Peter Kemper, war bis 2002 Kundenberater, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Werbeagentur Springer & Jacoby)

Trotzdem oder gerade deshalb ist es wichtig, dass wir uns nicht zum willfährigen, unbezahlt arbeitenden Rädchen für die Werbeindustrie machen lassen und unsere Freunde/Kontakte nicht zum Werbekonsum verführen. Zu schnell ist der Share bzw Tweet-Button gedrückt.

Für die Zukunft wünsch‘ ich mir, dass mich meine Freunde vorwarnen und mir selbst die Entscheidung lassen, ob ich mir nun Werbung für dies oder das ansehen möchte. Insbesondere von Journalisten erhoffe ich mir mehr Awareness – damit ist jetzt nur zu kleinem Prozentsatz der vorliegende Fall gemeint. Auch im Fernsehen bekommt man immer wieder virale Werbespots zu sehen, die meist unbewusst wahrnehmbare Werbebotschaften enthalten und von Fernsehmagazinen oft als lustiges Youtube-Video (nicht Werbespot) präsentiert werden. Mehr dazu erfahrt ihr in dem schon zitierten Artikel von ZAPP.

Fernsehbeiträge zum Thema:

ZDF Heute-Journal über Virales Marketing

3Sat Feature zum Thema

Zurück zum Glashaus. Noch wissen wir nicht wer hinter iamamiwhoami steckt und können nur hoffen, dass es sich hier um einen Musikact handelt und nicht etwas ein Mobilfunk- oder Spielekonsolenhersteller oder ähnliches dahinter steckt. Auf manchen Seiten wurde gemutmaßt, MTV (federführend bei der Berichterstattung) wäre Auftraggeber um sein Image zu polieren und wieder mehr in Richtung Musik zu führen.

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2 Gedanken zu „Das Ende der Freiheit über den Wolken&8220;

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