Kakophonischer Futtertrog – Nice Nice

Wenn ein blubberndes Wummern aus psychedelischem Morast zombiehaft die Oberfläche durchboxt, Haudrauf-Rhythmen schaumgekränzte Electronica bestampfen, World Music in einem Anflug rektaler Ironie in die Mixtur eingeführt wird, dann wuselt Acid auf der Suche nach dem Rock. Jason Buehler und Mark Shirazi aus dem nicht eben als musikalischer Nabel der Welt verschrieenen Portland, Oregon nennen sich Nice Nice und haben mit über 10 Jahren Anlauf den Sprung zum vor Renommee strotzenden Label Warp Records geschafft. Das nun vorliegende Album Extra Wow schlägt mehr Haken als jedes Karnickel, hoppelt dabei nur selten vom rechten Weg ab.

Vordergründig schmelztiegelt die Scheibe, wirft alles Verwurstbare in einen Topf und kocht die Chose richtig hoch. Das kakophonische Resultat tingelt irgendwo zwischen hyperlärmigem Rock und piepsigen Electro-Kringeln, nahezu immer mit einer Idee zuviel im Gepäck. So schippert die Platte die Grenze zwischen Hörvergnügen und Ungenießbarkeit auf und ab,  um letztlich den Konsumenten doch an den Futtertrog zu locken.

Das Experiment ist die Mutter der Courage, die zwingende Umsetzung des Vabanquespiels der Vater des Erfolgs. Unter diesem Aspekt können Nice Nice keinen völligen Triumphzug starten, aber jede Menge Eindruck schinden. A Little Love packt die Ethno-Keule aus, flutscht in ein Beat-Mantra, um dann irgendwann in einen genölten 80er-Referenz-Gewimmer-Refrain zu verfallen, dabei noch schnell ein paar Scratches aus den Turntables zu pressen, ehe der Beat gemächlich ins Fade Out schlendert. Bei Big Bounce wird dem Hörer im Pyjama-Party-Proll-Takt-Ambiente ein protziges Humptata, begleitet von sphärisch entfleuchter Stimme,  vor den Latz geknallt. So kindisch und schräg, dass man es sogar ernst nehmen kann und sich im Geiste in die Wohlfühl-Polonaise einreiht. Die flirrenden Percussion-Loops machen See Waves zu einem nervenaufreibenden Track mit nachgerade hypnotischer Sogwirkung, hyperaktiven Zeitgenossen als besonderes Stück Hektik in die innere Unruhe empfohlen. Mit Make It Gold wird dem Psychedelic Rock die beste Aufwartung gemacht, da rieseln halluzinogene Stoffe nur so von den Gitarrensaiten. Auch One Hit wirkt drogenverqualmt, wie die komplette Platte zerfahren und von Gesang untermalt, der aus dem Studio nebenan zu hallen scheint. On And On zelebriert die Art hymnische Ekstase, die große, mit der Peitsche geschwungene Geste und deutet die Qualität der beiden Herren an, auch live eine schweißtreibende Verzückung zu verbreiten, während der verpixelte Sound von Double Head in ein Riverdance für schwererziehbare Disco-Dancer mündet.

Und doch sind auch zwei Stücke vorhanden, die jeglicher Beschreibung spotten, dem Album das Prädikat eines unausgegorenen Meisterwerks verleihen. Der Esoterik-Stuss New Cascade fällt in diese Kategorie, auch das abschließende It’s Here als psychedelische Lärmschleife funktioniert nicht wirklich. Insgesamt dürfen Nice Nice jedoch mit ihrem Einstand bei Warp sehr zufrieden sein. Extra Wow steht für einen kakophonischen Futtertrog, dessen Inhalt von Wildsäuen zubereitet wurde, aber von Gourmets verzehrt werden kann.

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SomeVapourTrails

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