Rettet Carsten Klatte!

Um ein geseufztes Oje kam ich nicht umhin, als ich nach dem Erhalt der Promo-CD die Release-Infos überflog. Wenn ein Musiker über viele Jahre die Mitwirkung bei einigen Bands verbuchen darf, aber dabei praktisch nie in der ersten Reihe steht, vielmehr bei Konzerten bekannter Acts die Saiten zupft, fällt es mir umso schwerer zu glauben, dass der werte Herr nun ein Soloalbum zu kreieren vermag, dass ihn zur Inkarnation eines Johnny Cash oder zum legitimen Nachfolger von Nick Cave werden lässt. Da regte sich sofort ein Reflex,  dem Verfasser des Promo-Textes einen Hang zur Übertreibung zu unterstellen. Nach mehrmaligen Anhören der Platte revidiere ich mein Urteil jedoch.

Carsten Klatte heißt jener umtriebige deutsche Musiker, der nun sein selbstbetiteltes Debüt in den Äther schickt. Und selbiges ist ein von Gitarren moderiertes Rock-Album mit Tendenzen gen Alternative Country sowie dunklen Pop-Elementen. Und auch wenn es ein schweres Pfund scheint, mit Giganten wie Cash oder Cave verglichen zu werden, so trifft der Vergleich mit Nick Cave vollends ins Schwarze. Die Art des von apodiktischer Vehemenz geprägten Vortrags bei Freedom Says erfährt tatsächlich diese Qualität, dieser Song könnte auch auf einer Scheibe des Großmeisters hervorstechen, nicht nur wegen der düsteren Atmosphäre und dem eindringlich rohen Gesang, auch der Duktus („let the kingdom come„) stimmt. Weitere Highlights eines sehr kohärenten Werks sind Godlike, dessen zeitlos-eleganter, melodramatisch-charismatischer Stil sinister schimmert, eine beschwingte, mit Streicher verzierte Midtempo-Nummer namens Put Simply und die Ballade Unbroken, welche abermals so klug wie gekonnt ohne ein Schlingern die kompositorische wie gesangliche Intensität Nick Caves hofiert.


Carsten Klatte hat eine verdammt gute Scheibe konzipiert, mit viel Gespür für Stimmung und gekonnt stimmlichem Ausdruck. Die Crux des Albums freilich liegt darin, dass es sich viele kaufen würden und ohne Frage sehr angetan wären, wenn sich auf dem Cover ein hinlänglich bekannter wie geliebter Name befände. Da es jedoch „nur“ Carsten Klatte ist, wird die CD zu Unrecht völlig unbeachtet bleiben. Es gibt Tage, da möchte man die Ignoranz der Hörer geißeln, mehr noch die Mechanismen des Musikkonsums zum Teufel wünschen. Man sollte das Werk vor der Bedeutungslosigkeit retten, zumindest Genre-Fans werden ihre helle Freude daran haben. Also, weitersagen!

Links:

MySpace-Auftritt

Einschätzung des Albums auf Schallgrenzen.de

SomeVapourTrails

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.