Übermütige Verspieltheit als Erfolgsgarant – And So I Watch You From Afar

Auf der Insel erregten sie bereits im Vorjahr große Aufmerksamkeit, letzte Woche wurde ihr selbstbetiteltes Debüt auch in Deutschland veröffentlicht. Die Band steht unmittelbar vor dem Sprung, dem großen Durchbruch und lässt diesbezüglich auch nicht locker. In Großbritannien wurde im Februar 2010 bereits eine neue EP The Letters unters Volk gebracht. Die Rede ist von And So I Watch You From Afar. Was die 4 Herren Rory Friers, Tony Wright, Johnny Adger, Chris Wee aus Belfast mit ganz großer Geste vorexerzieren, ist lupenreiner und schlagkräftiger Instrumental-Rock, der wie ein Donnerwetter durch die Boxen segelt und dabei kaum bleischwere Bedeutung vorgibt, eher schon immer mit einem Auge gen Bierdose schielt. Die Musik regt zu exzessivem Headbanging an, gerne mit dem einen oder anderen Bier schwanger.

Bei aller Wucht und dem Hang zu monströs peitschenden Gitarren vermag man durchaus eine Verspieltheit zu erkennen, eine gute Laune, die Ausgelassenheit zelebriert und sich wenig um Sinngehalt oder Aussagekraft schert. Nicht jedes Riff muss mit Signifikanz vollgepropft sein, wie es uns manch Post-Rock-Band gerne glauben machen will. And So I Watch You From Afar variieren das Tempo, agieren abwechslungsreich, um letztlich so sicher wie das Amen im Gebet im musikalischsten Sinne die Sau rauszulassen. Jene Freude und auch Unbefangenheit, mit der sie sich über die Instrumente hermachen, verleihen dem Album eine authentische Frische.

Mit dem eröffnenden Set Guitars to Kill ist der Höhepunkt auch schon erreicht. Besser gerät die Scheibe nicht mehr – aber eben auch kaum weniger gut. Der Wonneproppen von einem Track verschwendet keine Zeit, erwächst sofort zur mächtigen, ausladend-krachigen Stadion-Hymne, bleibt dabei so schnell wie melodisch, entlockt dem Hörer Ekstase. Wie hier über die Saiten gewuselt wird, famos! Aber das gehört mitnichten in die Kategorie Eintagsfliege. Don’t Waste Time Doing Things You Hate zaubert nicht minder, vor allem wenn zur Hälfte ungestüme Percussion mit Rasseln und dazugehörigem Gegröle die Erhabenheit malträtiert und humorvolle Bierseligkeit augenzwinkernd präsentiert. Auch konventionelleren Nummern wie I Capture Castles fehlt es nicht an Dynamik, bei The Voiceless nehmen die Herrschaften vielleicht das Tempo raus, erinnern dafür aber verdammt an Heroen wie Explosions In The Sky. Letztlich sind es aber die turbulent-stürmischen Tracks wie A Little Bit of Solidarity Goes a Long Way, die das Album so hell erstrahlen lassen.

And So I Watch You From Afar tänzeln behände um die Fallstricke der üblichen Formelhaftigkeit, die man von instrumentalen Machwerken allzu gut kennt. Der jugendliche Übermut, mit dem sie zu Werke schreiten, eben diese Chuzpe wird ihnen den Weg ebnen. Nicht nur in Großbritannien, auch in unseren Breiten.

Tour-Termine:

28.04.10 Berlin – Privatclub
29.04.10 Oberhausen – Druckluft
09.05.10 Zürich (CH) – Club Zukunft
10.05.10 Wien (A) – Chelsea

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