Der Musikblogger – ein unverstandenes Wesen

Wer schon immer musikversessen war, aber bereits im Kindesalter ins falsche Ende der Blockflöte blies, der wurde in der guten alten Zeit Musikkritiker. Und da die Aufgabe des Feuilletons und der Fachpresse von jeher im Verwalten des Kanons hochwertiger Kunst bestand, wurde ganz eifrig ausgesiebt, gute Musik ins Töpfchen und schlechte ins Kröpfchen. So bekamen allgemein anerkannte Bands breite Aufmerksamkeit und ungefällige Künstler wurden dem Schlund des Vergessens übergeben. Dieses Schema existiert nach wie vor, aber seit dem Eintreten des Internets in unser aller Lebenswirklichkeiten machen sich nun Jahr für Jahr mehr Dilettanten – auch Blogger genannt – daran, ihren Senf zur Musikrezeption beizusteuern. Mit ungeahnten Auswirkungen…

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-2005-0731-504,_Westzonen,_Diktierger%C3%A4t_%22Dimafon%22.jpg
Die Gründerzeit der Musikblogs (Quelle: Deutsches Bundesarchiv auf Wikimedia Commons; Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Lizenz)

Stand für das professionelle Rezipiententum noch die Beurteilung und Einordnung von Werken im Vordergrund, ging es den Laien um den Transport von Nachrichten und der Beförderung der eigenen Begeisterung in die Weiten des Netzes. Enthusiasmus und Engagement konkurrierte vermehrt mit journalistischer Distanz. Doch all die Blogs trafen den Nerv der Zeit, die Form der neuen Darreichung musikalischer Wahrnehmung fand breiten Zuspruch. Und führte dazu, dass auch etablierte Print-Magazine im Online-Sektor einen legeren Ton anschlugen. Primär interessiert heutzutage nicht mehr das Urteil, es sind Musiknachrichten, über die im Web geschrieben wird. Das neueste Video, die aktuellen Termine der Tour, solcherlei eben. Das Schreiben über musikalische Inhalte ist über weite Strecken zur PR-Aktion verkommen, die lediglich an der Oberfläche kratzt.

Man könnte nun dem Blogger den Stinkefinger zeigen und diesen für den Untergang des gehaltvollen Umgangs mit Musik verantwortlich machen. Doch das wäre viel zu kurz gegriffen. Denn eigentlich haben die mehr oder minder begabten Amateure doch nur eine Lücke in der Meinungsvielfalt geschlossen und sich ihre begeisterungsfähige Unschuld im Entdecken neuer Künstler zunächst bewahrt, trugen die Nase nicht so hoch, um zukunftsträchtige Talente erst auf Zuruf von Labels wahrzunehmen, buddelten selbst – wurden fündig. Ohne die Bürde des sich geziehmenden journalistischen Abstands konnte die persönliche Befindlichkeit in eine Wahrnehmung von Musik verstärkt eingebunden werden. Das kam an.

Dann aber kam Gott – heute besser unter dem Namen Google bekannt. Und das Unheil nahm seinen Lauf. Je mehr über Musik geschrieben wird, sobald eine gewisse kritische Masse an Inhalten überschritten wird, beginnt der Kampf um Aufmerksamkeit. Das Buhlen um jeden verdammten Leser. Der Wettlauf um die Search Engine Optimization. Im unüberschaubaren Dickicht an Blogs zählen heute die Kniffe mehr als jede Begeisterung oder die Befähigung zum schriftlichen Ausdruck. Von SMS und Twitter geprägte Konsumenten legen Wert auf Kürze, wortgewaltiger Firlefanz erscheint überflüssig.  Die Verkettung von Subjekt, Prädikat und Objekt genügt. Und da der Text zur trivialen Nebensache verkommt, der Inhalt den Stil vollends in den Schatten stellt, wird das Schlagwort zur neuen Währung. Platziere die richtigen Buzzwords und Google liebt dich, Klick um Klick winkt als Belohnung. Eine feine Schreibe wird im täglichen Buhlen um Aufmerksamkeit nicht gefordert – somit auch nicht gefördert. Google schert sich darum nicht, der Durchschnittsnutzer auch nicht. Nur so als Randbemerkung: Das haben freilich nicht nur Blogger erkannt, fast alle Online-Medien veröffentlichen mittlerweile Texte, die die deutliche Handschrift eines Praktikanten tragen. Jener kosten eben nahezu nichts und schafft es dennoch, eine Meldung abzuliefern, welche die gröbsten Fakten beinhaltet. Nach mehr wird im Internet selten verlangt.

Wenn also die Aufbereitung lediglich hinsichtlich des Layouts eine Rolle spielt, die schiere Meldung ins Rampenlicht rückt, jeder ein Stück vom Leserkuchen haben will und auch die hauptberuflichen Akteure auf die Quantität lugen, dann dampft die Kacke. Wer jedoch will sie riechen? Die Nivellierung auf einen Niedrigpegel gerät zur Notwendigkeit, um in modernen Zeiten  zu reüssieren. Von einem Anspruchsgedanken hat man sich im Internet nahezu geschlossen verabschiedet, denn dieser steht diametral den Klickzahlen entgegen, die das Ego des Bloggers streicheln und monetär ausgerichteten Webseiten Werbekunden bescheren. Darum wird das letzte Quäntchen an Anstrengung in SEO investiert.

Als weitere Komponente für den vermuteten Sittenfall von Musikblogs sei die Vorgangsweise von Promotion-Firmen und Labels ins Feld geführt. Darf man der Hand, die einen füttert, ein Auge aushacken? Wenn Blogger als Gegenleistung für den Erhalt eines Promo-Exemplars natürlich auch – wenn möglich nur positiv – über jene Veröffentlichung berichten sollen, dann entsteht ein Abhängigkeitsverhältnis, welches schnell in allgemeine Lobhudelei mündet. Je mickriger die Blogpräsenz, desto wichtiger gerät die „vertrauensvolle“ Zusammenarbeit. Je edler der Roster der PR-Agentur, umso eher wird der Blogger zum Werkzeug. Die Vereinnahmung der Blogger gelingt perfekt. Allerdings kämpfen auch große Blogs, die sich dann gerne bereits einen Magazinstatus verleihen, mit der Tücke des Geschäfts. Sie können sich Verrisse leisten, Promo-Kopien als Kaffeebecheruntersetzer nutzen, aber um ihre Leserschaft bei der Stange zu halten, müssen aus sie über die aktuellsten Hypes berichten. Sonst sagen die Klickzahlen im Sinkflug Arrivederci! Denn natürlich wird im Internet vor allem nach der Art von Musik gesucht, die gerade in aller Munde ist. Da will niemand Vampire Weekend ignorieren, wenn alle Welt diesen Act mit glitzernden Augen betrachtet. Derart schaukeln sich Hypes auf. Längst hat die Gleichschaltung von Amateuren wie Fachkräften den Einheitsbrei wiederhergestellt, gegen den Blogs einst vielleicht sogar unbewusst aufmuckten.

Und so wie manch Blogs die Pressemitteilungen zu Alben im Wortlaut abdrucken und mit Geschick auf die SEO-Tube drücken, mit vielen Besuchern auch Werbeeinnahmen generieren, andere Blogs hingegen den virtuellen Schwanzvergleich mit der Aktualität der News dominieren wollen oder das Heil in ihrer Existenz als Linkschleuder suchen, wieder andere die Daseinsberechtigung von der tagtäglichen Entdeckung völlig unbekannter Bands ableiten und jeden Künstler mit unter 1000 MySpace-Freunden gleich als das nächste große Ding präsentieren, so tritt auch die Fachpresse die Flucht nach vorn an. Exklusive Inhalte, Kooperationen mit Plattenfirmen, all das verlangt ebenfalls den unvermeidlichen Tribut. Und so schließt sich der Kreis, denn da besonders Exklusivität Zugriffe beschert, scheinen allzu harsche Attacken gegen den musikalischen Status quo verpönt.

Wer mag sich noch unbestechliche Objektivität leisten? Wie hoch setzt man die eigene Schmerzgrenze an, ehe man entmutigt ob mangelnder Wahrnehmung im World Wide Web das Schreiben über Musik ad acta legt? Was muss passieren, um den eigentlich Spirit eines Blogs authentisch zu wahren? Mit welchem Vorsatz wird heute gebloggt? Geht es um die reine, mit missionarischem Eifer vorgebrachte Vervielfältigung der eigenen Meinung, um den Sprung ins Scheinwerferlicht einer Internet-Öffentlichkeit oder um die Liebe zu Klängen, Tönen, Stimmen und dem ganzen Scheiß? Wenn Schwarz und Weiß das gegenwärtige Denken dominiert, fällt der Ausdruck in Nuancen kaum auf, lockt nahezu keinen hinter dem Ofen hervor. Dem gegenüber steht die allgemeine Schönfärberei der Durchschnittlichkeit, freilich auch in musikalischen Belangen. Wie vermag man eine Einschätzung zu artikulieren, ohne Hochwertigkeit mit immer verzweifelteren Superlativen hervorzustreichen?

Die fast schon zum Stehsatz verkommene Krise der Musikindustrie wird im Netz durch eine mit Nibelungentreue zu Google gelebte Rezeption verstärkt. Der ironische Beigeschmack wird damit verstärkt, dass PR-Agenturen und Labels durch ihr Vorgehen zwar Fachpresse und Blogger auf Linie halten, aber eben nicht begreifen, dass sie sich dadurch das eigene Grab nur noch tiefer schaufeln. Der artige Konsument legt noch eine Schippe nach, vertraut den Informationsquellen, die längst schon wie vom Fließband den selben Quark produzieren. Für jeden Geschmack ist der passende Humbug vorhanden. Eingebildete Leser mit Indie-Attitüde werden ebenso vollgekotzt wie kleine Gören mit DSDS-Fieber. Letztlich liefert nämlich der auf Zeitgeist gestlyte Musikblog der gehobenen Tageszeitung, das Popkultur predigende wie desavouierende Magazin oder der mit Geheimtipps nicht geizende Miniblog den vermeintlich anspruchsvollen wie intellektuellen Hörern doch auch eine sehr berechenbare, vorgekaute Kost.

So darf aus heutiger Sicht das Experiment des Bloggens über Musik als wenig gelungen erachtet werden. So könnten sich die Musikkritiker eigentlich ins Fäustchen lachen, wenn sie nicht selbst schon in das Abbilden von Trivialitäten gedrängt worden wären. Die eigentlich Leidtragenden sind wiederum die Musiker, die trotz der Möglichkeiten durch Bandcamp, Soundcloud, MySpace und Konsorten einer seriösen wie wohlwollenden Rezeption harren, weil zuviel geschnattert und zuwenig handverlesen wird.

SomeVapourTrails

20 Gedanken zu „Der Musikblogger – ein unverstandenes Wesen

  1. herzlich gelacht und vielleicht auch fast geweint.
    großartiger text über ein thema, über das wir bestimmt schon 100 mal gelesen und diskutiert haben.
    nur irgendwie doch von einer anderen seite betrachtet.
    ps: auch wenn meine klicks vielleicht bei 3 am tag liegen, ich sogar noch weniger als an der oberfläche der musikalischen inhalte kratze und auch keine promo-kopien als tassen-untersetzer benutzte: mir macht es spaß!
    liebe grüße! und weiter so. 😀

  2. Da hatte ich schon deine Mitstreiterin im Verdacht. Konnte natürlich nicht sein. Ihr Österreicher seit ja noch depressiver veranlagt als wir Deutschen!Ich möchte mal behaupten, beweisen kann ich es natürlich nicht, das kein Ami auf die Idee kommen würde, so einen, zugegebenermassen stilsicher und elegant geschriebenen Beitrag wie diesen zu verfassen. Scheint mir unmöglich. Das ist nur uns Dichter und Denkern vorbehalten. Ich find`s natürlich gut, wenn man mit wütender Attidüde auf Mißstände hinweist (bin ja auch vor kurzen ausgerastet), aber langsam mache ich mir Sorgen. Das liest sich ja schon fast wie ein Protokoll eine Therapie-Sitzung für den unverstandenen Blogger. Versteh mich nicht falsch, du hast mit vielen Recht und triffst auf den Punkt, aber irgendwie kann man zwischen den Sätzen wieder einmal eine Breiteseite in eine bestimmte Richtung erkennen. Das klingt mir alles ein bisschen zu sehr nach Verschwörungstheorie. Wir sollten uns auch als Blogger nicht vormachen. Wir schreiben, weil wir es wollen, der Journalist weil er dafür bezahlt wird. Schöner Zufall, wenn es dem Zeilenquäler auch noch Spass macht. Wer meint, er müsse den Handlanger für die Industrie spielen, hat eben die Seite gewechselt. Na und? Das sollte Dir und mir nun wirklich egal sein. Und Google ist Google. Schwanzvergleiche nur frustierend. Ewig auf Ranking zielen ist vollkommen sinnlos. Nimm es wie es ist, sei dankbar für deine Stammleser und die Freude, die du einem unbekannten Musiker gewährst,der ohne deine Erwähnung hier durchs Raster gefallen wäre.Entspann Dich, mein lieber Chris. Eine Alternative hast Du nicht. Oder doch. Du könntest ein Buch schreiben.
    🙂
    Dein Seeelenklempner Peter

  3. Hallo ihr!
    Ich schließe mich den Vorkommentatoren an. Sehr beschwipster und interessanter Bericht. Extremst lesenswert, ich musste sehr oft zustimmend mit dem Kopf nicken.
    Bin ich eigentlich naiv und dumm, wenn ich glaube, dass der musikinteressierte Blogger auf SEO Krams keinen Wert legt?
    Ich dachte immer, Lust und Freude, anderen seine Lieblingsmusik zu zeigen, sei der Antrieb des Musikbloggers. Unabhängig, ohne Geschäftsinteressen. Daß man irgendwann automatisch mit Mails von hier und da befüttert wird, gut, ist halt so. Ich freue mich auch über jede Promoemail oder Mailanfragen von Bands, und immer beschäftige ich mich mit den Inhalten. Die ein oder andere Entdeckung habe ich so schon gemacht. Aber vieles, was mir nicht gefällt, erwähne ich nicht. Warum auch? Ich will ja über mir interessante Dinge schreiben und nicht den 10ten Artikel über Single oder Band xyz. Dafür ist mir meine Freizeit zu schade und einfach nur Promotexte per „paste & copy“ zu übernehmen (so etwas gibt es tatsächlich gar nicht so selten) um mich weiterhin auf der liste zu halten, nee, das ist ja totaler Nonsens.
    Das ist nicht meine Idee vom bloggens. Und ich denke, dass auch andere genauso fühlen und werkeln. Und auf diesen Seiten ist man sehr gut aufgehoben und liest interessantes. Also würde ich das nicht so pauschalisieren, nicht jeder sucht den Schwanzvergleich.
    Wer sich aber sein vergnügen daraus zieht, täglich seinen Besucherzähler zu überprüfen oder sein Googleranking abzuchecken, wegen mir soll er das tun. Mir jedenfalls ist
    die Google Top100 egal, ich muss da nicht hin, denn Werbung oder Hoffnung auf Gästelistenplätze oder Promo-CDs sind nicht das Ziel meines Blogs. Ich kaufe meine CDs noch selbst und gebe viel zu viel Geld für Konzerte aus. Und das ist auch gut so!

  4. ein langer und überdenkenswerter text mit vielen wahrheiten 🙂 ich schreibe nach meiner sinnkrise“ nur noch das was ich möchte und es geht mir super damit – ganz ohne abhängigkeiten und sonstioge anbiedereien. also das, was ich von beginn an eigentlich wollte, bevor einige promoter und bands mich in ihre maschinereie einzubinden gedachten. klickzahlen? sorry, sind mir wurscht. die neuesten hypes? ebenfalls. die netten blogger mit all ihren vielfältigen beiträgen? die nicht 🙂 macht weiter so!

  5. „Die Blogger“ sind schuld? Vorher war alles toll, überall nur unabhängige, fachkundige Berichterstattung? So ein Quatsch. Die meisten Musikblogs sind Mist, wie eben von allem auf der Welt das Meiste immer Mist ist. Aber das weite Web ist dank unzähliger, enthusiastischer Auskenner und ihrer Blogs andererseits übervoll mit Informationen über jede erdenkliche Art von Musik, die jemals gemacht wurde oder wird. Es steht uns heute ein unerschöpflicher gigantischer Schatz zur Verfügung und wer Musik liebt, kann das nur als reines Glück begreifen. Wie eingeschränkt waren dagegen der Platz und die Ressourcen der Musikpresse. Wer sucht, der findet. Reichlich.

  6. @Gunnar: Natürlich gibt’s sehr tolle Musikblogs, wir zählen uns ja selber dazu 😉 Nicht nur uns selbstverständlich, sonder auch viele andere wie Schallgrenzen, die Kopfhörer, Smastad, Beautifulsounds, Prettyparacetamol, Coast Is Clear, Wetterling, Days Of Music…. und noch so einige mehr in unserem Blogroll.

    DifferentStars

  7. Sehr richtige Feststellungen werden hier gemacht, aber es gibt eben auch Ausnahmen. Man muss nur suchen. Grundsätzlich dürften die Blogs aber aus oben genannten Gründen immer eine Spur positiver berichten als das Feuilleton oder die Musikzeitschriften. Oft allerdings aus dem einzigen Grund: Es wird nur über Sachen geschrieben, die eben gemocht werden. Der Ehrgeiz, auch viele mittelmäßige oder eben bodenlos schlechte Themen zu besprechen, fehlt oft oder ist einfach ein Zeitproblem.

    Die AUFTOUREN-Macher sind beispielsweise alles nur Hobbyblogger, die latent und nebenbei noch ein paar Zeilen schreiben, bevor dann doch anderes wieder wichtiger ist. Allerdings versuchen auch wir, möglich umfassende (und bisweilen ellenlange) Rezensionen zu den Alben zu verfassen, die kontextualisieren oder wenigstens eine konkrete Beschäftigung nachvollziehbar machen. Schaut doch mal rein. Alles natürlich auch werbefrei. Finanzielle Interessen verfolgen wir nicht.

  8. Starker Tobak.

    Ich bin mir nicht ganz darüber im klaren ob ich diesen Artikel tatsächlich richtig aufgefasst habe. Ist das tatsächlich eine ernstgemeinte Auseinandersetzung mit „Musikblogs“..?

    Oder vielleicht doch eher Satire?

    Vielleicht bin ich mit meiner Meinung alleine, aber „Musik“ ist generell Ansichtssache. Besser noch: „Geschmackssache“.
    Jemand der sich in schriftlicher Form gut ausdrücken kann muss noch lange nicht meinen Musikgeschmack teilen.

    Was nützt es mir als Konsument wenn ich Artikel lese die mich unweigerlich an den Deutschunterricht denken lassen? Dort würde man derartige Artikel vielleicht loben, hat mit Musik aber eher wenig am Hut.

    Was nützt es mir wenn der Autor eines Beitrags nur so vor Insiderwissen strotzt und ein sehr musikbewanderter Mensch ist – wenn er sich dafür auf Genres und Veröffentlichungen beschränkt die mich nicht interessieren?

    Gerade die ungezwungenen, umgangssprachlichen und vielleicht auch sehr kurzen Meldungen von „Amateuren“ sind es, die mir eher zusagen – und auch eher dazu führen neue Interpreten zu entdecken.

    Gerade das unprofessionelle, ungelernte, aber dennoch offene, aufrichtige Schreiben macht Beiträge im Internet für mich so sympathisch.

    Und gerade die „Amateur“-Blogger sind es, die sich oftmals einfach nur ausdrücken und mitteilen wollen, gänzlich ungeachtet irgendwelcher SEO-Spinnereien. Andersherum könnte man feststellen dass „größeren“ Webseiten die sich selbst für seriös und richtungsweisend halten derartiger Kram weitaus wichtiger ist als einfachen Bloggern.

    Ich finde diesen Artikel hier ebenso abwegig und mit scheuklappen geschrieben wie es nahezu alle derartigen Auseinandersetzungen mit „Blogs“ sind. Schon allein der Versuch Blogs zu kategorisieren und zu vergleichen ist meiner Meinung nach zum scheitern verurteilt, denn:
    Ein „Blog“ ist eine Methode – nicht die daraus resultierende Umsetzung.

    Man vergleicht auch nicht die FAZ mit einer Schülerzeitung – obwohl beides Printmedien sind.

    Man vergleicht auch nicht die Tagesthemen mit einem RTL2-Quiz – obwohl beides TV-Formate sind.

    So gibt es je nach persönlichem geschmack „gute“ und „schlechte“ Musikblogs, jeweils von unbedarften Normal-Nutzern sowie von wohlinformierten Journalisten geschrieben.

    …vielleicht versteh ich das aber auch alles ganz falsch und das hier ist alles nur Spaaaß 😉

  9. Du schreibst Sätze wie „Wer mag sich noch unbestechliche Objektivität leisten?“
    Glaubst du ernsthaft, die hätte es je gegeben? Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine objektive Musikkritik gelesen, wie soll das auch gehen bei etwas subjektiv empfundenen wie Musik? Dein ganzer Ansatz greift schon komplett ins Leere und vergisst dabei völlig, daß das Internet Musikkritik an sich obsolet gemacht hat.
    Wozu sollte sich jemand die Mühe machen, deine (oder meine) Rezension von irgendetwas durchzulesen, wenn er sich zwei Klicks weiter einfach selbst ein Bild vom besprochenen Stück machen kann?

  10. respekt,

    da wurde bis in die hintersten Hirnzellen alles herausgegewuzzelt was zu finden war. So was nenne ich entertainment at its best. auch wenn ich nicht immer der selben meinung bin, so steckt doch viel realistisches schnickschnack drin. letztendlich verhält es sich mit bloggern wie mit print schreiberlingen. es geht um money und um das eigene ego.

  11. Schöner Text.

    Ich ärgere mich schon lange nicht nur über unreklektiert übernommene Texte z.B. aus der Amazon Redaktion.

    Zum Glück gibt es Musikforen, in denen sich trefflich diskutieren lässt über Neues und Altes und auch „selbstgeschriebene“, von keinem Probeexemplar beeinflusste, Rezis zu lesen sind.

    Ich bin Mitglied im Musikzirkus, deswegen habe ich auch diesen Laden als Homepage genannt.

    Ciao, Wannsteb

  12. mein unverständnis für das knabbern am eigenen selbstverständnis sei gewiss. kommt mir so ein bißchen vor wie das psycherl, das sich seine fingernägel herunter beißt. bis es blutet.

    die sprünge sind flott, vom blog vs. profimedien zu zugriffszahlen und google kompatibilität bis hin zur vereinnahmung durch labels und promoagenturen. die komplexität der thematik macht zu schaffen, die vergleichbarkeit hinkt.

    selbst zur marke werden? besser sein als die musikjournaille? treffender, ehrlicher formulieren? frei sein von zugzwang und abhängigkeiten? ich verstehe es beim besten will nicht.

    wenn ein blog ein format ist, dann doch jenes, das tatsächlich ein hohes maß an unabhängigkeit bewahren kann und die nischen bedient, die trotz internet etc. unbeleuchtet bleiben. ein format, das tagesaktuell die interessen und vorlieben (auch die abneigungen) des posterstellers spiegelt.

    dass sich promofirmen, labels usw. rühren, klar. doch für die professionellen agenturen und plattenfirmen sind blogs bloße multiplikatoren (wenn überhaupt), auf keinen fall und das darf sich jeder noch so ambitionierte kollege abschmieren, referenzadresse. wer sich zitiert sehen möchte, muss sich nach einem anderen job umsehen. die wertigkeit eines musikblogs sehe ich hier weit überschätzt.

    klar, ich ärgere mich auch immer mal wieder über schwachen zugriff, mangelndes feedback usw. letztlich ist mir aber klar, dass auch musikblogs nur neugier befriedigen, vielfach über langeweile hinweg helfen und lediglich für einen kurzen moment zum verweilen einladen.
    deshalb aber über das neue album von the national schreiben? nein. es interessiert mich nicht. und das ist das einzige wählbare kriterium in der frage nach meinem nächsten post.

  13. Ich gebe bei der Definition eines Musikbloggers zu bedenken, dass es neben der hier genannten Spezies auch noch Musiker gibt, welche zu und über Musik bloggen. Diese jedoch in der Regel weniger bis keine CD-Rezensionen schreiben, wie meiner einer.

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