Hü hopp, wenn Banjo, Fiddle und Mandoline darauf los galoppieren – The Coal Porters

Ich habe eine gewisse Affinität zu archaischen amerikanischen Tönen. Ein gutes Country-Album oder die perfekte Folk-Scheibe, das entlockt mir Jubelgesten. Wird dies auch noch in einen modernen Kontext gesetzt, ohne den Spirit zu verhunzen, die Tiefgründigkeit und Charakteristik alter Musikstile nicht zugunsten von Kitsch – oder mehr noch experimentellen Anspruchsdenkens – geopfert, dann erachte ich es als Selbstverpflichtung zu striktem Wohlwollen verpflichtet zu sein. Heute will ich auf eine Veröffentlichung aufmerksam machen, die solch Genre-Fans wie mir Wohlbefinden ins Gesicht zaubert, den Hörgewohnheiten des europäischen Durchschnittshörers freilich zutiefst entgegensteht. The Coal Porters haben mit Durango eine sehr schöne Platte vorgelegt, die sehr bluegrassig tönt und ein angenehm rustikales Flair verbreitet.

Foto: Michael Clement

Mit der reichlichen Verwendung von Fiddle, Mandoline, Mundharmonika und Banjo wird ein extrem gemütlicher Sound entwickelt, der erdig und mitreißend alle Facetten des Genres ausleuchtet, enorme Spielfreude ausstrahlt und den heutzutage herkömmlichen 08/15-Musikinstrumenten nicht den Schwarzen Peter zuspielt und die Hauptarbeit überlässt. Bluegrass eben, da ticken die Uhren noch anders. Durango hat eine Reihe gelungener Nummern im Köcher, sowohl Eigenkompositionen als auch Traditionals und Covers. Der Pep in der Interpretation von Neil Youngs Like A Hurricane schwingt sagenhaft, ebenso stark wirkt das folkige Permanent Twilight aus der Feder von Band-Mastermind Sid Griffin. Und wenn unter der Federführung von Fiddlerin Carla Frey Sail Away, Ladies! ohrwürmern gerät, kann ich dem Charme des Werks einfach nicht entsagen. No More Chains mit furienhaftem Prediger-Intro und den Zeilen „The road to joy awaits my footprints/ Where angels rock my soul to sleep“ versprüht tatsächlich nachgerade desperates Verlangen. The Coal Porters vermögen sehr wohl ernste Akzente zu setzen, auch kreuzsympathische Liebeslieder wie I’m Not Going Away und Lookin‘ For A Soft Place To Fall ertönen völlig unschmalzig, fangen den Reiz dieser lebendigen Platte ein.

Einen auf Pop geeichten Zeitgenossen werden The Coal Porters wohl kaum für einen Ritt durch rurale amerikanische Gefilde begeistern können, obwohl Durango zu einer launigen Reise einlädt. Genre-Fetischisten nehmen jedoch gern auf dem Karren Platz und feuern die Band mit einem kräftigen Hü hopp! beglückt an.

Links:

MySpace-Auftritt mit Hörproben

Offizielle Homepage

SomeVapourTrails

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.