Sensiblen Geistern ins Stammbuch geschrieben – Orenda Fink

Da soll noch einer sagen, dass wir in einem globalen Dorf leben. Fast 8 Monate nach der Veröffentlichung in den USA spendiert man Orenda Fink und ihrem Album Ask The Night auch einen offiziellen Release in Deutschland. Denn ohne hiesigen Vertriebspartner mag man zwar im fernen Nebraska eifrig die Werbetrommel rühren, die Maschinerie in Deutschland muss noch immer vor Ort angeleiert werden. Nun da sich also das US-Label Saddle Creek im Vertrieb von Cargo Records befindet, werden die Perlen der Plattenfirma hierzulande hoffentlich noch mehr Beachtung finden. Saddle Creek wurde einst von Conor Oberst mitbegründet, vielleicht seine bislang wichtigste Tat, musikalisch halte ich ihn ja für restlos überbewertet, aber das sei an anderer Stelle einmal näher ausgeführt.

Zurück zu Orenda Fink, an deren Können ich mich bereits seit Jahren ergötze. Ob als bessere Hälfte von Azure Ray, auf ihrem Debüt Invisible Ones oder im Verbund mit Cedric LeMoyne als atemberaubende O+S. Dabei schätze ich Finks Stimme nicht übermäßig speziell ein, aber sie weiß sie wirkungsvoll einzusetzen. Gepaart mit gutem bis erstaunlich gediegenem Songwriting ergibt dies eine durch Understatement charakterisierte Musik, die oft erst durch näheres Hinhören an Fassbarkeit gewinnt. Die folkig-sanfte  Stimmung auf Ask The Night unterscheidet sich von dem allzu um Exotik buhlenden Erstling – punktet mit sachter Zärtlichkeit. Ihre Lyrics sind ein Offenbarungseid an Schlichtheit, hier werden keine kunstfertigen Reime in die Welt gesetzt, doch eröffnet eben jene Textlichkeit just dadurch einen unmittelbaren Zugang zu nie unvertrauten Gefühlen. Ob High Ground oder das von einem erhabenen Grundgedanken der Unvergänglichkeit hinterlassener Spuren getragene The Garden, die gesamte Platte gerät wie aus einem Guss. Ein auf Simplizität und Unverfälschtheit fixiertes Werk, das in den sehr zahlreichen entzückenden Momenten im zartbesaiteten Hörer einiges schwingen lässt. Das schwermütige Why Is The Night Sad zählt ebenso zu diesen Augenblicken wie das zu fragmentarische The Moon Knows. Der intime Rahmen, in den Songs wie That Certain-Something Spring eine Traurigkeit spannen, gewährt Ask The Night eine dichte Atmosphäre, der man sich voll und ganz ergeben mag. Das Bild, welches die geschätzte Dame in The Mural besingt und in das sie sich für immer hineinzuversetzen wünscht, exakt diese Flucht in ein musikalisches Gemälde scheint ihr mit der Platte durchaus gelungen.

Orenda Fink – High Ground from Saddle Creek on Vimeo.

Ich gestehe gerne, dass ich das komplette Album ausgesprochen anmutig finde. Und will doch nicht verhehlen, dass das beste Lied, welches Orenda Fink vergangenes Jahr veröffentlicht hat, dennoch von O+S stammt und sich We Do What We Want To nennt. An der vor allem sensiblen Geistern ins Stammbuch geschriebenen Qualität von Ask The Night besteht freilich nicht der geringste Zweifel!

Links:

Offizielle Webseite

Kostenloser Download von That Certain-Something Spring

Gratis-Download des Tracks We Do What We Want To von O+S

SomeVapourTrails

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