Vergrab mein Herz im dunklen Sand der Flussbiegung – Bonobo

Wenn dir der Beat sacht über die Haut streicht, jede Pore betört wie sanft elektrisiert, dich gen Ufer weht und in die Fluten spült, wo du eintauchst in ein Ambiente nahezu suizidaler Entspanntheit und den Körper vom fidelen Flow treiben lässt, ohne Sorgen und leicht auf den Wogen hinweggleitend, wenn du im Techtelmechtel mit finaler Unbeschwertheit in Entdeckerlaune jede Welle durchschwimmst, der Herzschlag im vergnügten Rhythmus relaxt pulsiert und eine sirenenhaft trällernde Meerjungfrau dich umkreist, dir die Sinne tätschelt und liebkost, du dein prallrot leuchtendes Herz im dunklen Sand der Flussbiegung für immer vergräbst, ja wenn all dies eintritt, dann hast du dir entweder hammermäßig geile Drogen eingeworfen – oder bist der neuen Scheibe von Bonobo verfallen.

Bonobo begründete seine Exzellenz als Sound- und Stimmungästhet mit den Alben Animal Magic und Dial ‚M‘ For Monkey. Bereits frühe Tracks wie das wundersame Scuba oder ein nicht minder formidables Terrapin verknüpften exotische Instrumente wie die Sitar mit entspannten Beats und hie und da Kindsstimmen-Samples, während andere Titel mit Funk- und Trip-Hop-Elementen sowie dem Flair unzeitgemäßer Eleganz von ebenso überwältigender Schönheit zeugten. All dies wirkte auf dem 2006 erschienen Days To Come nicht ganz so schlüssig, was nicht zuletzt auf die ein wenig zu herb klingende, überpräsente  Gastsängerin Bajka zurückzuführen war. Mit der nun vor wenigen Wochen erschienenen Scheibe Black Sands jedoch präsentiert sich Mastermind Simon Green wieder in stilsicherer Höchstform.

Alle 12 Tracks sind eine Einladung zur Transzendenz des Erfühlens von Musik, eine milde wie frische Brise im Ohr, die sich wie ein lieblicher, aber nie langweiliger oder schaler Duft an die Ganglien schmiegt, eine zwingend wonnige Halluzination lostritt. Wir haben es hier mit Musik zu tun, die viel mehr als die Summe von Beats und Samples und Gesangspassagen preisgibt. Mit Sängerin Andreya Triana fügt sich eine feine Erotik in das traumgleiche Schaffen Bonobos ein. Bereits Kiara mit seinen fragmentierten Gesangssamples exeriziert dies in flirrender Perfektion vor, Kong knüpft nahtlos an die beschwingte Titel früher Zeiten an, wirkt dabei aber einen Hauch wärmer im Abgang. Eyesdown und Stay the Same sind dank Trianas Stimme einzigartige Verlockungen, voller Prickeln und Sinnlichkeit. We Could Forever wühlt sich hibbelig im Charme eines 60-er-Funk-Sounds, bei dem eine geschmeidige Gitarre sowie Flöte zusammen mit munteren Beats die Sache bunt aufmischen. Ebenso bezaubert All in Forms, eines der gelungensten Stücke auf einer Scheibe ohne Leerlauf. Als Showdown freilich birgt Animals eine jazzige Aura, die beschwingt wie getragen zaubert, und Black Sands einen tollen Aufbau, wenn nach und nach Instrumente einstimmen und in den breiten, orchestralen Abgesang gipfeln.

Kaum ein Musiker vermag mit solch spielerischer Gewandtheit den Hörer in eine Stimmung zu lullen, welche wohltuend und aufregend zugleich tönt. Bonobos Black Sands bedeutet die Eintrittskarte zu einem an Assoziationen reichen Trip, der mit jedem Hördurchlauf eine gesteigerte Intensität erfährt. Unübertrefflich und ohne Makel und sinnesfreudig.

Tour-Termin:

06.05.10 Berlin – Maria am Ostbahnhof

Links:

MySpace-Auftritt

Offizielle Webseite

Gratis-Download von We Could Forever

Kostenlose Mp3 von Eyesdown ft. Andreya Triana

SomeVapourTrails

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