Youporn, hihi! – Eine kritische Würdigung der Blockflöte des Todes

Ein Gag ohne Pointe schmeckt schal wie Fritten ohne Tunke. Wer sich selbstherrlich Blockflöte des Todes nennt, nimmt für sich in Anspruch, immer ein flapsig geäußertes Scherzchen auf den Lippen zu führen. Doch wer Erwartungshaltungen in Gang setzt, muss das Versprechen auch einlösen, oder aber gerät unfreiwillig selbst zur Lachnummer. Matthias Schrei, der Mann hinter der Blockflöte, liefert einen grenzwertigen Balanceakt zwischen an Blödsinn grenzenden Gossenhumor und  gewagt guten Einfällen. Das Album Wenn Blicke flöten könnten orientiert sich in den besten Momenten am durchaus nicht oberflächlichen Nonsensismus eines Funny van Dannen und reißt am Tiefpunkt  Zoten über Frauen, die selbst ein Mario Barth mit den Worten Ich bin doch nicht blöd seinem Programm verweigern würde. Merke: Nicht jede Absurdität oder Frivolität gebiert einen Lacher. Youporn, hihi – das gerät höchstens bei infantilen Zeitgenossen zum Selbstläufer. Für mehr braucht es dann doch Twists und Kniffe.

Gleichwohl trifft ungefähr jedes dritte Lied ins Schwarze. Denn Herr Schrei vermasselt viel, aber wenn er etwas richtig macht, dann macht er konsequenterweise alles richtig. Wenn im Lied Alles wird teurer Fairtrade-Kokain angepriesen wird, kann man sich dem moribundem Charme einfach nicht entziehen. Das wirkt wie die spleenige Berliner Variante des Klassiker Ganz Wien träumt von Kokain von Georg Danzer. Auch der Aberwitz der Zeile „Ich bin ganz müde denn/ich hab Chlamydien.“ im The Happy Happy Disko Lied, vorgetragen von einer tatsächlich indisponiert wirkenden Frauenstimme und unterstrichen von einem herrlich zackigen Chor, entlockt mir ein entzücktes Schmunzeln. Schlachthof mit seinem sprechgesanglichen Vortrag überzeugt pointenreich. „Im Schlachthof ist heut Tag des offnen Tiers. Yo, check that out!“ ist ein wortspielerisches Hightlight samt feinster Brechung. Und die Vorstellung, dem Schlachtvieh vor dessem Exitus noch den Namen prominenter Musiker zu geben, erheitert ungemein. Die neuentdeckte Youporn-Sucht mit südamerikanischem Rhythmus anzureichern, erst das Kabinettstück verleiht Mein Mitbewohner die Würze.

Der vorherrschende Klampfen-Pop mit einem schrägen Ausflug in den Punk unterwirft sich fast vollends der Textlichkeit, die eben öfters leider in Peinlichkeiten versinkt. Mädchenhaar schreit geradezu nach dem Schleier des Vergessens und Ziemlich laut mit dem Reim „Ich dachte in der Regel hättest du kein PMS, warum ist dann dein Tonfall grad wie der des Rudolf Heß.“ wirkt wie ein viel zu kalkulierter Anschlag auf den guten Geschmack. Beziehungskistereien können sogar mit ab und an auf die Spitze getriebenem Schalk so prächtig unlustig dahinvegetieren. „Mir ist schlecht, denn Liebe geht durch den Magen.“ aus Liebe kommt, Liebe geht steht ebenso stellvertretend für allerlei Mumpitz wie die Morgenurinkur, die erklärt Warum Meine Freundin mich verlassen hat. Freilich, die Blockflöte des Todes erklimmt mit Orgas-man, Hy-man bei Wir sind Helden dann wieder erfolgreich den Gipfel des Unfugs.

Man kommt nicht umhin, viel Licht und genauso jede Menge Schatten auf Wenn Blicke flöten könnten auszumachen. Nicht jegliche Abstrusität generiert eine Pointe,  das darf man der Blockflöte des Todes ruhig ins Stammbuch schreiben. Gänzlich ungenießbar scheint die Platte freilich nicht. Ein wenig mehr Tunke hätte es aber sein dürfen.

Update: Die Blockflöte des Todes tritt beim Bundesvision Song Contest 2010 an. Mehr dazu hier.

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SomeVapourTrails

2 Gedanken zu „Youporn, hihi! – Eine kritische Würdigung der Blockflöte des Todes

  1. Ja, stimmt. Die Stücke sind teilweise grenzwertig. Ich bin zwischen 2 und 4 Sternen hin- und hergetaumelt und habe mich dann spontan für letzteres entschieden – so aus dem Bauch heraus. Aber rein objektiv ist das ganze natürlich teils extrem dümmlich (ein wenig wie die Pepe Filme der 50er/60er Jahre) – deshalb nur 3 Sterne. Dennoch, dass Youpornlied hatte was, Mädchenhaar war jetzt auch nicht so schlecht (trotz seiner Peinlichkeit – aber gerade der Fremdschämfaktor machte das Lied für mich so lustig) und ich muss zugeben, dass ich bei der PMS Zeile gelacht habe. Schlachthof ist natürlich textlich top. Aber wie gesagt, um es öfter zu hören sind die Texte zu einfach und oft haben sie nicht mehr zu bieten als einen Lacher. Manche sind auch gar nicht lustig.

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