Zwei Gesichter einer CD – The Mohawk Lodge

Kanada, welch Hort phantastischer Musiker! Sicher das Land hat auch Nickelback und Céline Dion zu verantworten. Aber solch Ausnahmen bestätigen erst die Regel. Wann immer ich in meinem Briefkasten eine CD einer kanadischen Band auffinde, strecken sich meine Erwartungshaltungen gen Decke. Dazu gesellt sich eine ordentliche Portion Herzensgüte, die dem Album einen roten Teppich hin zu meinem CD-Player ausbreitet. Meist bleibe ich von Enttäuschungen verschont. Als vor ein paar Wochen die bereits 2007 erschienene CD Wildfires der Formation The Mohawk Lodge eintrudelte, herrschte nicht gerade unwiderstehliche Liebe vor, klang mir das alles ein wenig zu straight, nicht übel, aber in der Form bereits ungezählte Male gehört. Indie-Rock respektive Garage-Rock mit flanellhemdigem-Touch, kräftig und melodisch, jedoch nicht sonderlich originell. Und so packte ich den Silberling zur Seite, mit dem Vorsatz sie mir nochmals in einer ruhigen Stunde zu Gemüte zu führen.

Dieser Moment ist soeben verstrichen und mit weitaus mehr Geneigtheit behaftet. Zwar zünden nach wie vor gerade einmal die Hälfte der Lieder, aber diese lassen die Katze aus dem Sack und zeigen viel mehr als nur routiniertes Spiel. Der Opener Hard Times will mir zwar nach wie vor nicht munden, Wear ‚Em Out hingegen gelingt dank knackig vorangetriebenen Gitarren und Schlagzeug angenehm lärmig. Je härter die Gangart, je unkuscheliger der Zugang, desto wirkungsvoller agieren The Mohawk Lodge. Der Titelsong Wildfires hat als kerniges Lamento eindrucksvolle Vehemenz, besonders die Stimme von Frontmann Ryder Havdale versagt sich ein Säuseln, wenn die Instrumente auf die Tube drücken. Genau dann gewinnt die Platte an Reiz. Calm Down zeigt dies verdammt anschaulich. Eher unbeeindruckenden 3 Minuten folgt ein zweite Hälfte, die mit viel Tempo ordentlich an den Gitarren sägt, untermalt von einem schrägen Hintergrundchor. Sehr, ich betone, sehr gefällig. Mit Heart Of Lovers erlausche ich noch einen weiteren Track, der zu überzeugen weiß. Da setzt eine Wirkung ein, welche softere Stücke wie Timber nur im Ansatz erreichen. Diese CD offenbart zwei Gesichter – und eines davon schaut mir freundlich entgegen.

Ab der nächsten Woche sind The Mohawk Lodge in hiesigen Breiten unterwegs. Im Gepäck die in Kürze erscheinende CD Crimes, von denen 2 Titel bereits auf der MySpace-Seite der Band verfügbar sind. Dass Sie die Tour mit Eamon McGrath vollziehen, den ich vergangenen Herbst für das Album 13 Songs Of Whiskey And Light mit überschwänglichsten Lobeshymnen überschüttet habe, sollte genug Anreiz für einen Konzertbesuch bieten. The Mohawk Lodge werden live mit tosenden Gitarren fraglos noch mehr Vergnügen bereiten.

Tour-Termine:

02.06.10 Freiburg – SWAMP
04.06.10 Offenbach – Waggon
05.06.10 Locarno (CH) – Cantina Canetti
06.06.10 Luzern (CH) – Treibhaus
09.06.10 St. Gallen (CH) – Grabenhalle
11.06.10 Kassel – Kunsthochschule Underground

Links:

MySpace-Auftritt

SomeVapourTrails

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