10 Kennzeichen des erfolgreichen Musikbloggers

10. Du schreibst über jede Eskapade einer Katy Perry, wahlweise auch über jeglichen verunglückten wie geglückten Perückenwechsel einer Lady Gaga. Wenn es gar nichts zu berichten gibt, kippst du kalten Kaffee aus und widmest dich den Skandälchen und Wehwehchen einer Britney Spears. Im Prinzip ist jede Sängerin mit Dekolleté und der gehörigen Portion Zeigefreudigkeit ein viel zu weltbewegendesThema, um es leichtfertig zu ignorieren.

9. Dir ist kein Hype zu primitiv und kein Kalkül zu durchschaubar, um nicht ausgiebig marktschreierisch darüber zu berichten. Selbst der unlustigsten Parodie schenkst du einen Eintrag, in dubio pro Pageview. Deine Strategie wird oft belohnt.  (Stichwort: Uwu Lena)

8. Wenn Trent Reznor sich mal wieder selbst ad absurdum führt oder die Populismuskeule auspackt, feierst du dies als Neubewertung des Copyrights und Abgesang auf die Musikindustrie.

7. Um auch Indie-Hipness zu bieten, übersetzt du blitzschnell die neuesten Beiträge auf Stereogum und rufst laut „Erster!„.

6. Du berichtest erst dann über Bands oder Musiker, wenn selbige mindestens 150000 MySpace-Aufrufe oder 80000 Scrobbles auf Last.fm vorzuweisen haben. Vorher strafst du sie mit Verachtung – außer sie haben Sex oder Crime oder im besten Fall beides im Gepäck.

Musikblogger arbeiten professionell, 24 Stunden am Tag und manchmal auch mehr. (Quelle: Deutsches Bundesarchiv auf Wikimedia Commons; Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Lizenz)

5. Du schleuderst tagtäglich mehr Links ins weite Rund des Internets als derzeit Tonnen Öl in den Golf von Mexiko strömen. Du hoffst, dass deine Trackbacks vermeintlich wichtige Blogs wie Spreeblick erreichen.

4. Selbst haarsträubend spekulative, pseudowissenschaftliche Studien zu Gott und Musik übernimmst du euphorisch, solange sie dein Bauchgefühl bestätigen. (zum Beispiel: Filesharing beschert Musikern mehr Kohle, UFOs manipulieren die Charts, etc.) Allerdings vermagst du an guten Tagen Humbug als Humbug zu enttarnen. Solch lichte Momente unterlaufen deinen Lesern eher nie.

3. Du lässt dich von Promo-Firmen mit LKW-Ladungen an CDs versorgen und unterstreichst deine Unabhängigkeit dadurch, dass du gnadenlos durch den Kakao ziehst, was nicht bereits hochoffiziell und notariell beglaubigt  zum nächsten großen Hype ausgerufen wurde.

2. Du schreibst zwar nach wie vor holprig, hast aber schon das Ego eines Musikjournalisten des Rolling Stone. Darum suchst du dir Gleichgesinnte und gründest ein schickes Online-Magazin, um jedweden Zweifel an deiner Befähigung im Keim zu ersticken.

1. Du verfasst sogar Nachrufe auf den Schwippschwager der Lebensgefährtin des Bassisten der gerade aus deinen persönlichen Top 50 gefallenen Band, da auch die Generation Online das morbide Interesse an Todesanzeigen vererbt bekommen hat.

SomeVapourTrails

6 Gedanken zu „10 Kennzeichen des erfolgreichen Musikbloggers&8220;

  1. Respekt nach Berlin. Genau diese Grundsätze (mit Ausnahme von 10, die Damen kenne ich nicht) habe ich verinnerlicht und deshalb mehr Leser als ihr.
    🙂

  2. Gut gehen auch immer Anmerkungen zu „Rehab Amy“ und Peter Pete Doherty. 🙂
    Huhu, endlich mal ne vernünftige Anleitung zum erfolgreichen Bloggen. Ich werde eure Tipps mal in einem Blogselbstversuch testen. Und wehe, es funktioniert nicht 🙂

  3. herrlich. 😀 @frank: kann ich nur empfehlen. es macht richtig spaß. tja und meine klicks: die springen in hunderter schritten!

  4. Und wo kann man jetzt solche erfolgreichen Musikblogs lesen?
    Ich will ja nicht weiter unnötig in diesem Versagerblog rumhängen! 😉

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