Afrikanisches Singer-Songwriter-Flair – Oumar Ndiaye Xosluman

Mensch, wäre das hier ein ernsthafter wie informativer, investigativer und brandaktueller Blog, würde ich mich irgendeiner der gerade wie Unkraut aus dem Boden wachsenden WM-Hymnen annehmen. Ob Parodien, Hurra-Patriotismus oder Weltverbesserndes mit Gospel-Chor – für die Weltmeisterschaft in Südafrika setzen musikalische Mindestleistungen neue Qualitätsstandards. Dabei bräuchte es definitv keine Shakira und auch R. Kelly nicht, um diese Veranstaltung auf afrikanischem Boden musikalisch zu begleiten. Dem Kontinent mangelt es nicht an bekannten Größen und unzähligen Geheimtipps. Und zumindest drei afrikanische Künstler wollen wir an dieser Stelle im Laufe der nächsten Wochen beleuchten.

Ich weiß herzlich wenig über Oumar Ndiaye Xosluman außer dem Umstand, dass er ein in Senegals Hauptstadt Dakar ansässiger Musiker ist und sein Album Talibé soeben in hiesigen Gefilden veröffentlicht wurde. Die Qualität des Werks liegt in seiner reflektiven Art, mit der eine Akustik-Gitarre auf die oftmals zärtlich zurückhaltende Stimme Xoslumans trifft, typische afrikanische Percussion-Elemente und die Kora die Lieder ergänzen, jedoch das eigentliche Singer-Songwriter-Flair nicht mit zuviel angestaubtem oder kommerziellem Bombast erdrücken. Talibé gerät zu einer so friedlich ins Ohr gehenden Platte, deren schöner, auch gefühlvoll produzierter Sound in einer Feinheit schwelgt und an einigen Stellen den Lauscher bannt.

Man muss sich bei der Einschätzung der Texte auf die im Booklet angegebenen Statements des Sängers stützen, sofern man nicht der indigenen Sprachen des Senegal mächtig ist. So finden sich neben Liebesliedern auch sozialkritische Titel, die die Ausbeutung von Kindern oder Zwangsheirat thematisieren, sich gegen ein Töten im Namen Gottes aussprechen. Doch fehlt diesen Tracks jeder pathetische musikalische Unterton, wird man in die Verlegenheit gebracht, Schwulst aufgrund politischer Korrektheit gutzuheißen. Zu den Glanzlichtern des Albums zählen Senegal, eine feingliedrige, undumpfe Ode an die Heimat, sowie Aladji mit einem erhebend-bewegendem Rhythmus. Fast allen Liedern ist ein meist von weiblichen Stimmen geprägter Hintergrundgesang gemein, der noch ein Tüpfelchen auf das i setzt. Auch Woolmako oder Rassoul kann ich ob ihrer Wirkung uneingeschränkt empfehlen. Xoslumans Musik gibt sich auf dem Fundament afrikanischer Folklore einer sehr modernen Liedermacherkunst hin.

OUMAR NDIAYE XOSLUMAN from BLICFILM on Vimeo.

Auf Talibé herrscht durchgängig hohes Niveau vor, welches den Hörer jedoch nie überfordert oder mit Exotik überfrachtet. Und nicht bl0ß darum darf man die Scheibe auch denjenigen Zeitgenossen empfehlen, welche sonst einen weiten Bogen um jede Art von World Music machen. Für Oumar Ndiaye Xosluman will ich hoffen, dass das Album seine Fans findet. Diese Klänge jedenfalls dokumentieren den Kontinent – oder zumindest den westlichen Teil davon – weitaus besser als all das, was uns im Rahmen der WM nun so an musikalischen Traditionen vorgegaukelt wird.

Link:

MySpace-Auftritt

SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Afrikanisches Singer-Songwriter-Flair – Oumar Ndiaye Xosluman

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.