Befruchtung der Ohren – Collapse Under The Empire

Post-Rock ist keinesfalls so einfach zu ersinnen, wie es der kleine Max sich denn vorstellt. Einfach nur ausladende Gitarren mit Schlagzeug unterlegen, zwischen wiederkehrenden musikalischen Motiven den einen oder anderen Tempowechsel zu verankern oder die Lautstärke hochzuschrauben, die Chose in epische Breiten zu ziehen und elektronische Samples in das melodiöse Gemälde einzuflechten, all das mögen vielleicht Charakteristika des Genres sein, aber den Reiz der Musik erklären  sie nie und nimmer. Post-Rock gerät zur Rückbesinnung auf Ästhetik und Freude am Spiel, diese Musik weigert sich konsequent, lediglich als Mittel zum Zweck zu fungieren, löst sich von Überlagerungen, fällt völlig auf sich selbst zurück. Post-Rock ist des Puristen bester Freund.

Was das in Hamburg angesiedelte Duo Chris Burda und Matthew Jason unter dem Namen Collapse Under The Empire auf der soeben erschienen Scheibe The Sirens Sound praktizieren, gehört zum vor- wie aufdringlichsten Post-Rock der letzten Jahre. Denn was manch Genre-Kapelle serviert, sind am Reißbrett vorgestanzte Schablonen, welche zwar handwerklich oft tadellos gefertigt, aber letztlich mitunter steril, überraschungsarm und überkalkuliert erschallen. Das vorliegende, in seiner auf 35 Minuten kondensierten Kürze gelungene Album erfüllt sämtliche Anforderungen, die ich an eine Post-Rock-Platte stelle. The Sirens Sound muss nicht einmal den Vergleich mit Vorzeigebands wie Red Sparowes scheuen, gewinnt den direkten Vergleich mit deren jüngstem Werk The Fear Is Excruciating, But Therein Lies The Answer spielend.

Schon der Titeltrack und Opener allein befruchtet die Ohren, treiben doch sehr präsente Drums die Sache voran, gestaltet ein in einen Taumel schlitternder, ungemein wirkungsvoller wie spannender Gitarrensound die Details aus, während die elektronische Fraktion für die nötige Weite sorgen. Die Single Grade Seperation mit seinen flockigen Synthies und der robust angedockten Gitarre erscheint der leichtverdaulichste Track, derart angenehm direkt, dass auch Zeitgenossen, die sonst nur Bierdosen am eigenen Schädel zermalmen, dazu abhotten können. Spätestens mit Violet Skies wird offenbar, wie vehement und virtuos besonders das Gitarrenspiel hervorschnalzt, den eigentlichen Blickfang enthüllt, mag auch das spacige Gewand noch so edel geschneidert sein. Die hohe Qualität wird auch bei Beware/Lost gewahrt, ehe A Different Complexion die wahre Güte des Duos nochmals markiert. Es vermag über die vollen 9 Minuten des Songs,diesen stets zu entwickeln, nicht einfach nur dahinzusemmeln oder aufzublähen. Und genau dies demaskiert die wahren Könner.

Collapse Under The Empire haben sich mit The Sirens Sound ins Herz jedes Post-Rock-Fans empfohlen, stechen unzweifelhaft aus der Masse hervor, dürfen als Bereicherung eines rappelvollen Genres gelten, in welchem eigentlich kaum mehr Raum für Neuentfaltung scheint. Weiter so.

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