Focus Online und der Song Contest – Eine Horrormär

Ladies and Gentlemen, Mesdames et Messieurs, aufgepasst! Wenn Focus Online seiner Enthüllungsverpflichtung nachzukommen gedenkt, dann in einer wahrlich leidenschaftlichen wie aufdeckerischen Manier. Da werden im allgemeinen Jubel durchaus die Gehirnwindungen strapaziert und mit ernsthaft gefurchten Sorgenfalten erschreckende Wahrheiten dem enthusiasmierten Volk unter das Stupsnäschen gepudert. Armes Deutschland, erst nagte die plagende Wirtschaftskrise und nun geht die ARD vor die Hunde, weil sie sehenden Auges in das Schlamassel der Austragung des nächstjährigen Eurovision Song Contests schlitterte.

Man will nahezu in Schockstarre versinken, wenn man sich das Szenario, welches der Focus so an die Wand malt, in all seiner Tragweite ausmalt. Da wurde eine blutjunge Castingshow-Dilettantin auf das für einige Tage in Oslo auf Friede, Freude und Eierkuchen getrimmte Europa losgelassen und tatsächlich vermochte die sympathische Göre den Pott nach Deutschland zu holen. Nun darf sich die ARD unter Federführung des NDR gar Ausrichter der kommenden Auflage des Gesangswettbewerbs schimpfen.  Damit verbunden scheinen jedoch auch ernste finanzielle Schwierigkeiten, wie Focus Online betont. Laut dem Magazin musste das norwegische Fernsehen die Übertragungsrechte für die Fußball-WM verscherbeln, um sich den Song Contest 2010 überhaupt leisten zu können. 25 Millionen Euro, die zahlt man nicht so einfach aus der Portokasse.

Foto: NRK/EBU (Wieviel allein das Logo des diesjährigen Song Contests verschlungen haben mag?)

Aber fokussieren wir unser Augenmerk für einen Moment auf die Veranstalter der letzten 10 Jahre: Russland (2009), Serbien (2008), Finnland (2007), Griechenland (2006), Ukraine (2005), Türkei (2004), Lettland (2003), Estland (2002) und Dänemark (2001). Volkswirtschaften von Weltrang zweifelsohne, die das nötige Kleingeld im schicken Portemonnaie erklimpern lassen, um solch einer Verantschaltung das gewisse Etwas an Glanz zu verleihen. An jenen Ländern darf und soll sich Deutschland besser nicht messen, mit Größenwahn hat man hierzulande ja bereits allerschlechteste Erfahrungen gemacht.

Wie bloß will man dem drohenden Ungemach anders begegnen als mit blankem Entsetzen? Besonders die kleineren TV-Sender und Radiostationen der ARD werden ums nackte Überleben lechzen müssen, mutmaßt der Focus. In solch schwierigen Zeiten katapultiere Stefan Raabs nationale Aufgabe Deutschland in ein Fiasko. Wie nur konnte den seit Jahren das Verhängnis mit Superwaffen wie den No Angels oder Alex Swings Oscar Sings! erfolgreich bekämpfenden ARD-Granden ein derart übler strategischer Fehler unterlaufen? Eine Veranstaltung in die Heimat zu holen, die zumindest von den Kosten her jede Cholera- oder Schweinegrippe-Epidemie in den Schatten stellt, das war eine kalkulierte Öffnung von Pandoras Büchse.

Was wurde Lena Meyer-Landrut seit Samstag nicht überschwänglich beklatscht. Die Wahrheit freilich, und nichts anderes präsentiert uns der Focus, eben diese Wahrheit offenbart eine herbe Galligkeit. Für den Song Contest 2011 muss Deutschland eine bittere Zeche zahlen. Ganze Landstriche werden sich von blühenden Landschaften in brache Felder wandeln, nun da marodierende Teilnehmer aus allen Ecken Europas wie Heuschrecken über das Land her zu fallen drohen. Die sangeswilde Meute mag Deutschland das allerletzte Tröpfchen Blut aus den Adern nuckeln. Niemand soll sagen, der Focus hätte nicht davor gewarnt.

Immer dann, wenn sich die Frage stellt, warum Blogger dem sogenannten Qualitätsjournalismus nicht das Wasser reichen können, darf der knallharte investigative Journalismus des Focus als leuchtendes Beispiel aufgezeigt werden. Ich kleiner, dummer Spaßblogger hätte das Damoklesschwert dieses finanziellen Super-GAUs vermutlich erst dann wahrgenommen, wenn es mich bereits in tausende Teile pulverisiert hätte. Dabei bildete ich mir doch soviel darauf ein, dass ich Umwegrentabilität zu buchstabieren imstande bin.

Link:

Eurovision Song Contest: Die Rechnung, bitte (nicht) auf Focus Online

SomeVapourTrails

2 Gedanken zu „Focus Online und der Song Contest – Eine Horrormär

  1. Focus ist ein echtes Scheissblatt. Illustrierten-Gewäsch und Revolverblatt-Niveau. Nehme ich als Meinungsbildungs-Organ jedenfalls nicht wahr. Da gibt’s ja wohl Alternativen. Ab und an im Wartezimmer gelesen. Ätzend. Und der Online-Auftritt ist asi. Schau mir den Mist nicht an. Und wenn ich den e****** Marquardt sehe, fallen mir meine sämtlichen Sünden ein.

  2. Für läppische 25 Mio. kann man doch einfach mal in diesem Jahr ein paar Musikantenstadl und Silbereisen-Sendungen sowie etliche doofe Vorabend-Soaps einstampfen. Das würde die Qualität des ARD-Programms sogar noch steigern.

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