Kein ätherisches Lippengeklimpere – Natureboy

Auf meiner Liste der Alben, die ich den geschätzten Lesern des Blogs empfehlen möchte, lagern derzeit mindestens 30 Veröffentlichungen und harren mitunter bereits Monate darauf, mehr oder minder ausgiebig besprochen zu werden. In den nächsten Tagen will ich mich auf einen neuen Vorsatz versteifen und vorrangig die CDs empfehlen, die aktuell gerade die Plattenläden befüllen. Das musikalische  Sommerloch naht ohnehin mit Riesenschritten, dann werde ich mich zu Unrecht vernachlässigten Werken widmen. Heute jedenfalls will ich Natureboy vorstellen, ein Projekt der in Brooklyn lebenden Sängerin Sara Kermanshahi. Das selbstbetitelte Debüt wird am 07. Juli auf Own Records das Licht der europäischen Öffentlichkeit erblicken.

Natürlich könnte man nun mit dem Meckern beginnen und die nicht unberechtigte Frage stellen, ob die Welt wirklich auf ein weiteres atmosphärisch versponnenes Album samt verhuschtem Gesang gewartet hat. Nun mögen die Stilmittel nicht eben einer innovativen Trickkiste entsprungen sein, aber letztlich zählt die Wirkung, also die Stimmung, welcher der Hörer verfällt. Und so penetriert die Scheibe dank solidem Songwriting, einnehmendem Gesang und elektronischen Einsprengseln wie Loops, die der Gitarre kräftig unter die Armee greifen, die Oberfläche, bleibt haften. Frau Kermanshahi hat zusammen mit den Herren Cedar Apffel und Rory O’Connor einen intimen, meist reduzierten Sound kreiert, der durchaus mit den Flügeln schnalzt und den Hörer hinweg trägt.

Herzstück der Platte ist das in der Tradition von Mazzy Star stehende Heart to Fool. Hierbei entlädt sich eine schlichte Magie. Der Track exponiert sich ungemein, obwohl er eine schüchterne Nuance behält. Mögen auch die meisten übrigen Titel dagegen ein wenig verblassen, so haben auch sie ihre Meriten. Pariah entwickelt eine deftige Note, gelingt rhythmischer und kraftvoller als die übrigen Nummern. Sonst trapst sanfter Dream-Folk durch die Songs, legt eine Verträumung frei, die viel bittere Süße verströmt. Famous Sons oder Over and Out gehören ebenso zu den Referenztracks, welche die Qualität des Werks unterstreichen, es zu einem echten Geheimtipp wachsen lassen.

Natureboy zeigt mit dem gleichnamigen Debüt, dass die werte Dame mehr im Köcher hat als bloß ätherisches Lippengeklimpere. Dies versuchen ja viele Stimmchen mit meist spärlichen Resultaten. Kermanshahi hingegen besitzt viel Potential, vermag in ihrem Vortrag erdig anzumuten, um dann nach einem vollzogenen Höhenflug auch zu einer Punktlandung anzusetzen.  Und eben das macht das Album so interessant.

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MySpace–Auftritt

Kostenloser Download des Songs Curses Fired

SomeVapourTrails

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