Mal Femme fragile, mal Femme fatale – Nicole Simone

So anziehend wie verrucht-verrauchte, altmodische Nachtklubs, die stilsicher als dunkle Horte lasziver Faszination und alkoholschwangerer Unterhaltung locken, derart verführerisch lädt Nicole Simone auf mit Plüsch ausstaffierten Sitzbänke, während sie auf der Bühne das Rampenlicht auf sich bündelt und wie aus der guten alten Zeit in einen Raum voller Ganoven und Geschäftsmänner und deren jungen Gespielinnen wispert. Die Nostalgie einer Ära, die Etikette und Charme verstrahlte, sich in Hintergründigkeit meisterlich übte, plakative Elemente ob ihrer Eindeutigkeit verachtete, sich in farbenprächtigem  Schwarz und Weiß erging, all diese Reminiszenzen begleiten die selbstbetitelte Debüt-EP, der in Los Angeles beheimateten Singer-Songwriterin.

Nicole Simone schlüpft überzeugend in die Rolle einer Femme fragile, die oftmals in die Persona der Femme fatale übegeht. Ob sie nun die verschmähte, von Eifersucht geplagte Frau gibt, die den Angebeteten eine andere heiraten sieht.  Dabei ein schwermütiges „All our fantasies will never be /But in my dreams“ fallen lässt, wie auf The Wedding Song. Oder aber mit unschuldiger Stimme Liebesbesessenheit vorexerziert, wenn sie bei Teach Me die Zeilen „Hand me the notes to win your heart/ I’ll play until my fingers bleed“ intoniert. Dazu gesellt sich eine nie um exzentrische Twists verlegene Musik, die bei Teach Me durch eine krächzige Trompete fast schon zu einem Brass-Trauermarsch verkommt. Die Stacheln der Obsession schlagen sich längst nicht nur in den Lyrics nieder. Dies konstatiert man auch im chasonesque gehauchten Melt, wo die Atmosphäre absoluter Hingabe in anmutigen Schwaden flirrt, eine flehentliche Unterwerfung entlarvt. Was auf den ersten Blick grazil und sehnsüchtig wirkt, entwickelt eine gallige Note – und bleibt doch von großer Schönheit gezeichnet. Gespenstisch scharrt Haunt You durch die Boxen, eine wie auf einem Grammophon gespielte Erinnerung aus betörenden, verwunschen schillernden Zeiten. Mit einer heute selten gewordenen Eleganz erweckt Simone die Epochen einer Billie Holliday wieder, nur um mit unschuldsvollem Augenaufschlag einen geradezu aufreizend zwischen Erotik und Wahn pendelnden Zauber hinzuzufügen. Nicht zuletzt widmet sich die Sängerin auf Back For More der Selbstzerfleischung, der Abhängigkeit in einer mehr als ungesunden Liaison, aus der es kein Entrinnen zu geben scheint. Dank dem bluesigen Flair und perfekter Instrumentierung verfällt man der EP ebenfalls mit Haut und Haar, wird von dem Gesang bis in die Fasern eingenommen.

Nicole Simone verströmt mit ihrem Debüt einen zeitlosen Glanz, in dessen Schein sich die Fantasien des Hörers sonnen. Und so wird sie zweifelsohne bald im Rampenlicht stehen und alle Welt an ihren Verhängnis verkündenden Lippen hängen.

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Offizielle Homepage

Kostenloser Download des Titels „Melt (von der Promo-Agentin der Künstlerin zur Verfügung gestellt)

SomeVapourTrails

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