Zum Verrecken gut – Reverend Deadeye

Was läuft da verquer? Ich würde meinen kleinen, süßen Arsch darauf verwetten, dass diese verwitterte, verrotzte Musik, welche Reverend Deadeye ins Mikro würgt, durchaus seine Hörer finden müsste. Jene Mixtur aus Gospel-Blues, Garage-Rock und Hillbilly krächzt mit nachgerade puristischer Dreckigkeit durch die Boxen, dass man den Albumtitel The Trials & Tribulations of Reverend Deadeye in all der Schwere tief in der Magengrube erfühlt. Und dennoch sprechen die Plays auf Last.fm und die Zugriffszahlen der MySpace-Seite eine deutliche Sprache. Der Reverend zelebriert seine Messe vor sehr wenigen Gläubigen. Zugegeben, für die Dauer von 10 Songs gerät die Chose mitunter fast schon unverdaulich, an der Wucht und Kraft droht man fast zu ersticken. Der finale Eindruck freilich könnte besser nicht ausfallen. Dieser Kraftakt versprüht eine derartige Dynamik und Originalität, dass die letzte Konsequenz ein gegröltes Halleluja bedeutet.

Meine Suche im Netz führte mich zu der Erkenntnis, dass sich auch die Rezeption in engen Grenzen hält. Das überraschte mich doch, mehr noch die Einschätzung des Kollegen von Rote Raupe, die solch Musik „in den Fußgängerzonen diverser Großstädte“ allgegenwärtig vermutet und als „versuchten Folk-Abklatsch auf niedrigen Niveau“ tituliert. Ei freilich wünschte ich mir nun, in solch Städten zu leben, wo die Rote Raupe ständig über solch versiffte Künstler stolpert und keine weltverbessernden Hippies mit Klampfe das Ortsbild verschönern. Doch scheinen zumindest laut.de und meine Wenigkeit die gleiche Scheibe erhalten zu haben, wie jene Rezension belegt. Reverend Deadeye verkommt endgültig zu einem Underdog, wenn nicht einmal das Label Hazelwood Vinyl Plastics den werten Prediger auf seiner Seite erwähnt.

Dabei habe ich selten eine schönere Ballade als Chased Ol‘ Satan gehört, das in seinem nuscheligen Gesang eine schlichte Größe entwickelt. Drunk On Jesus wiederum versinnbildlicht einen krawalligen wie whiskeyverseuchten Glauben, der so weitaus sympathischer und lebensnaher dahereiert, als es alle auf Hochglanz polierten, erbaulichen Erweckungsalben, welche christliche Musik besonders in den USA hervorbringt, vermögen. Mehr als nur einnehend fügt sich auch das liebesschmerzende Folk-Stück Her Heart Belongs To The Wind, das so viel näher an Bob Dylan als am typischen Geplärre eines Straßenmusikanten liegt,  in ein zum Verrecken gutes Album. Sobald Can’t Take It With You erschallt, derb und direkt die Vergänglichkeit von Besitz hervorhebt, spürt man unter der rauen Schale den messianischen Kern, der in den Abgründen der Gosse zu Gott findet und Jesus nicht in eine steril-verklemmte, putzige Vorstadtsiedlung voller Redlichkeit sperrt. Mit der Rockabilly-Nummer Jesus On The Mainline sei noch ein weiterer, hervorragender Song genannt.

Die Sorgen und Nöte, die auf The Trials & Tribulations of Reverend Deadeye gebannt wurden, entwerfen eine knallharte, feine Platte lang einen mitunter anstrengenden, aber stets zwingenden Sound, der den schalen Nachgeschmack von Alkohol ebenso einfängt, wie auch die Inbrunst des Rauschs. Überaus gelungen!

Link:

MySpace-Auftritt mit zahlreichen Hörproben

SomeVapourTrails

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