Das fehlende Puzzleteilchen im Masterplan – Robert Carl Blank

Herzblut, ich hör dir trapsen! Seine Vita zeichnet Robert Carl Blank als weltenbummelnden Zeitgenossen, der nebenbei ein Studium abgeschlossen hat, nur um dann doch die Leidenschaft zur Musik obsiegen zu lassen und der Berufung zum Singer-Songwriter zu frönen. Und so erspürt der Hörer diese Passion auf Last Time I Saw Dave auch buchstäblich als mit den Händen greifbar. Dennoch will ich Herrn Blank vor allem dazu gratulieren, dass er eine solide Ausbildung in der Hinterhand hat. Auf jenen Musiker, der mit Siebenmeilenstiefeln gen Erfolg rennt, kommen ungezählte Schicksale des Scheiterns. Ein Plan B schadet folglich nie. Damit es diesen gar nicht erst braucht, sollte freilich der Masterplan bis in Detail ausgetüfelt werden. Und genau das fehlt mir bei vorliegendem Album.

Nennen wir das Kind beim Namen. Die Scheibe ziert ein angenehmer, von Gitarre geprägter, meist faserschmeichlerischer Singer-Songwriter-Sound, der in den etlichen Momenten Tiefe und Authentizität besitzt, aber an und an auch allzu auffällig in die Kochtöpfe eines Jason Mraz oder James Morrison geschielt hat. Daraus resultiert ein Potpourri aus kuschelig soften Balladen und markig folk-rockigen Einsprengseln, welches Anspruch mit Massentauglichkeit zu kombinieren versucht. Mit dieser Bemerkung will ich die Pferde keineswegs scheu machen, dem Anti-Mainstream-Hörer das Hineinschnuppern in das Album vergällen. Herr Blank zeigt nämlich einige sehr gute Ansätze, speist sein Schaffen mit Melodien, die im positiven Sinne gefällig und vertraut klingen, und Refrains, die spätestens beim dritten Hördurchlauf ein Mitsingen erlauben. Das macht die Platte zu wirklich solidem Handwerk mit Pfiff.

Ich habe selbstverständlich den Pressetext gewissenhaft studiert und mir ebenso penibel angesehen, wie Blogger-Kollegen und Online-Magazine dieses Werk einschätzen. Die positive Resonanz empfinde ich zweifelsohne als gerechtfertigt, doch scheint sie bei potentiellen Konsumenten wenig Kaufanreize auszulösen. Zumindest deuten der Amazon-Verkaufsrang und die Scrobbles auf Last.fm darauf hin. Warum eigentlich? Ich rate zu eingehender Ursachenforschung, ehe Herr Blank den oben avisierten Plan B auszugestalten beginnt. Was zum Teufel spricht gegen das sanfte, mit viel Soul im Vortrag tönende Words, dessen Anschmiegsamkeit Männlein und Weiblein um den Finger wickelt. Warum stürzen sich die Radiosender des Landes nicht auf das nach bewährtem Rezept zubereitete, Midtempo-Rock versprühende Times Like These? Ähnliches lässt sich für ein flottes Whatever She Does fragen, dessen spritzige Lyrics den Mainstream gut erreichen, ohne den Indie-Fan zu sehr zu malträtieren. Weshalb werden Eventually und Memories als gut instrumentierte, nach ruralem Amerika klingende Songs nicht öfter erwähnt? Gerät nicht I’ll Lie To You zu einem beziehungsschwangerem Lied, das jeder gefühlvollen Endzwanzigerin die Wimperntusche in die Wangen zaubert und allein deshalb schon längst als Untermalung für Fernsehenserien Verwendung finden müsste?

Meine Antwort auf all diese Fragestellungen: Deutschland. Mit dem propagierten sehr amerikanischen Sound muss man zunächst dort reüssieren, um sich in der Folge auch in hiesigen Breiten zu etablieren. Denn erst so wird ein Schuh daraus, das ist das fehlende Puzzleteilchen im Masterplan. Erst wenn er in den Staaten sein Zielpublikum rekrutiert hat, über ihn geschrieben und die Musik gespielt wird, sehe ich die Voraussetzungen für den Erfolg gegeben. Diese Art des Songwritings wird deutsche Hörer erst dann hinter dem Ofen hervorlocken, wenn sie aus US-Funk und -Fernsehen bekannt ist. Klingt komisch, stimmt aber – das Potential scheint vorhanden! Robert Carl Blank macht viel richtig, könnte ruhig ein bisschen mehr die eigene Exzentrik in die Waagschale werfen. Last Time I Saw Dave tritt über weite Strecken den Beweis an, dass feine Liedermacherei ruhig auf breite Hörerschichten abzielen darf.

Konzerttermine:

10.07.10 Frankfurt – Berger Straßenfest
14.07.10 Hamburg – Spielbudenplatz
15.07.10 Steinkirchen – Rock Up Festival
21.07.10 Hamburg – Spielbudenplatz
27.07.10 Hamburg – Spielbudenplatz
28.07.10 Stuttgart – Henkersfest
29.07.10 Erlangen – Strohalm
20.07.10 Nürnberg – Südpunkt
31.07.10 Braunschweig – Barnaby’s
02.08.10 Schortens . Fair Café
04.08.10 Hamburg – Morange Bar
05.08.10 Hamburg – Spielbudenplatz
10.08.10 Hamburg – Spielbudenplatz
20.08.10 Habichtwald – Fest der Leisen Töne
28.08.10 Heeselicht – Querfeldein Festival
29.08.10 Berlin – Zimmer 16
31.08.10 Hamburg – Spielbudenplatz
02.09.10 Wien (A) – Local
10.09.10 Neuharlingersiel – Harlekin
15.09.10 Hamburg – Barock
23.09.10 Würzburg – Club L
24.09.10 München – Ars Musica
25.09.10 München – Hide Out
30.09.10 Erlangen – Strohalm
01.10.10 Dresden – Alte Feuerwache
02.10.10 Erfurt – Ilvers
08.10.10 Bad Karlshafen – Weinhaus Römer
09.10.10 Lutherstadt Wittenberg – Irish Harp
10.10.10 Lauffen – Phoenix

Link:

MySpace-Auftritt

Interessanter Seitenwechsel mit Robert Carl Blank auf nicorola.de

SomeVapourTrails

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.