Samtenes Timbre plus Einmaleins des Liedermachens – Nadine Khouri

Man wird auch ab und an der Musik überdrüssig. Wer täglich einem neuen Kick entgegenstrebt, ein Lied zu finden trachtet, das die eigenen Emotionen verstärkt oder Gedankengänge mit Leben füllt, der muss sich durch Mittelmäßigkeiten wühlen. Wird vollgepropft mit angepriesenen Meilensteinen, nur um am Ende vor einem Haufen Schutt zu stehen. Mitunter freilich gabelt der Junkie die Droge auf, die es braucht, verfällt mit Haut und Haar. Im Falle von Nadine Khouri finden sich tatsächlich aufrichtig handfeste Versprechungen für wohlige Wonnen. Die am 13. Juli erscheinende EP A Song to the City enthüllt eine Singer-Songwriterin, die einerseits mit  grenzenlos samtenem Timbre punktet und auch das Einmaleins des Liedermachens beherrscht. Wer solch Voraussetzungen übererfüllt, beherrscht die hohe Kunst, weit ins Gemüt des Hörers zu schwingen.

5 Perlen reihen sich wie auf einer Schnur auf, beginnend mit dem elegisch-zärtlichem The Arms of Love, welches man salopp als kuscheligen Pop für Fortgeschrittene definieren möchte. Wie beflügelt hebt der Refrain ab und gleitet ohne Umweg in die Traumseligkeit. Unter den so sanften Schwingen findet sich dabei kein Schmalz, das gleich Achselschweiß tropft. Jede Art von Verkitschung scheint der Song fremd – und trotzdem entfaltet das Lied eine große Wirkung. Auch der Track A Song to the City bedient sich des städtischen Szenarios in all seiner Vielfalt, um persönliche Befindlichkeiten darin einzubetten. Nun ist das kein neuer virtuoser Ansatz, aber in der Manier wie ihn Nadine Khouri präsentiert, entfaltet er die volle Kraft, vermittelt ein Gefühl der Verlorenheit, welches gleichwohl nie in Schwermut versinkt. Rouge (True Love is Gonna Spill) hebt das Niveau nochmals, erweist sich mit jedem Wiederhören als durch und durch cleveres Lied, mit einem lasziven stimmlichen Vortrag und giftigen Lyrics. Nicht minder haucht Blue of Princes der EP eine verhuschte Exotik ein, just in dem Moment, wo man sich mit dem von Gezupfe begleitetem Sprechgesang zufrieden gibt, wuchtet sich eine hammerhart gitarrisierte Rockigkeit ins Bild. Das abschließende Invisible führt die Grundstimmung weiter fort, ohne jedoch dem Ganzen eine neue Note hinzuzufügen.

Die libanesische Singer-Songwriterin hat sich ihre Wahlheimat London wohl als Schablone für diese Scheibe genommen und die Songs als eine Art Zuflucht vor dem hektischen Treiben konzipiert, dabei aber nie die Neugier für die Außenwelt abgelegt. Basierend auf perfekt instrumentierten, weil so gut dosierten Arrangements bezaubert Nadine Khouri mit ihrer effektiv sinnlichen wie flauschigen Stimme, die den nach zündender Zärtlichkeit dürstenden Hörer fesselt. Solch Funde wie diese EP bescheren dem Musikfan behagliche Glücksmomente, lassen ihn in schwelgerischer Freude aufgehen, machen den Tagtraum rund, während der Lärm der Großstadt dumpf durch das Fenster klettert.

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Sehr gelungene Rezension der EP auf whiskey-soda.de

SomeVapourTrails

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