Schmettert wie ein Ling durch Momente von Schönheit und Traurigkeit – Philipp Poisel

Die sommerliche Hitze und ein hartnäckiges Rückenleiden halten mich momentan ja ein wenig vom Bloggen ab. Aber an und an sticht mir doch etwas ins Auge, was sich zu propagieren lohnt. Eine langatmigere Auseinandersetzung mit Platten verschiebe ich auf nächste Woche – oder auf eine Zeit, wenn kühlere, schmerzfreiere Tage durchs Land wehen.

Foto Credit: Lina Scheynius

Was allerdings den Sommer erträglicher macht, das ist reine Vorfreude: Auf angenehmere Temperaturen, auf jede Menge musikalische Leckerbissen, die die saisonale Saure-Gurken-Zeit beenden. Natürlich haben mich auch im Juni und Juli ein paar Alben erdbeermündern geküsst und diese Geschmackserlebnisse werde ich demnächst hier noch kredenzen. Für heute freilich sei eine Platte erwähnt, nach der ich mir schon sämtliche Finger ablecke. Sie nennt sich Bis nach Toulouse, stammt von Philipp Poisel und wird am 27.08. die Plattenläden beehren. Sein Debüt Wo fängt dein Himmel an? habe ich leider erst mit einiger Verspätung wahrgenommen – und war einigermaßen irritiert, dass ich diesen guten Liedermacher tatsächlich übersehen konnte.

Was aber zeichnet Herrn Poisel aus? Als Mann des Wortes schätze ich Textlichkeit, die Emotionen anrührt, in denen man sich verheddern kann, ohne dabei in eine herzschmerzige Kitschfalle zu tappen. Bei Poisel ist Liebe keine Kleinigkeit, aber auch nichts, was Zustände desperater Verkopfung auslösen muss. Er schildert sie in einer unmittelbar berührenden Schlichtheit – streut eine wohldosierte Poesie dazu. Wer in den Lieder keine Sextanten und Kompasse benötigt, um zur Liebsten zu finden, und den Kopf im Schoß betten will und dabei an die Geborgenheit der Taube in ihrem Schlag erinnert wird, der erzeugt eine Wärme im Hörer. Man wähnt sich froh, Gefühle reproduziert zu finden, in die man leicht schlüpfen mag, ohne sich den Verrenkungen von Pathos oder überbrodelnder Leidenschaftlichkeit zu unterziehen. Die Liebe, welche ich, Frau Meyer oder Herr Müller so erfahren, gerät nie zum Märchen, sie schmettert wie ein Ling durch den Alltag, flattert durch Momente der Schönheit und Traurigkeit. Und diese fängt Philipp Poisel so wunderbar ein, dass man sie immer und immer wieder erlauschen mag.

Bis nach Toulouse wird den Reiz und das Können Poisels weiter definieren, das sagt mir meine Vorahnung. Manchmal ist das Warten fast schon so befriedigend wie der Augenblick, in dem man mit zittrigen Händen ein feines Stück Musik in den CD-Player schiebt. Und so warte ich… gerne und gespannt.

Tracklisting:

1. Wie soll ein Mensch das ertragen
2. Für keine Kohle dieser Welt
3. Im Garten von Gettis
4. Froh dabei zu sein
5. Bis nach Toulouse
6. Zünde alle Feuer
7. All die Jahre
8. Markt und Fluss
9. Zwischen innen und außen
10. Liebe meines Lebens
11. Hab keine Angst
12. Ich will nur (live)

Bis nach Toulouse erscheint am 27.08.2010 Grönland Records.

Konzerttermine:

17.07.10 Ferropolis – Melt Festival
24.07.10 Stuttgart – Heimspiel Fanta 4 (Cannstatter Wasen)
28.07.10 Luzern (CH) – Blue Balls Festival

Link:

Offizielle Homepage

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