Stippvisite 11/07/10

Hörtipp:

Es gibt Alben, die einfach unter den Tisch fallen. Zumindest unter meinen. Wenn ich da nicht ab und an zufällig hinunter spähe, dann würde sie dort wohl auch dauerhaft dahinsiechen. Schade, dass der Fortpflanzungstrieb von CDs sich bestenfalls auf Selbstreproduktion beschränkt, auch dies nur unter brennender Mithilfe. Was sich sonst unter meinem Tisch paaren würde, das könnte schon eine schräge Brut hervorbringen. Doch zurück zu einem im Mai auf dem renommierten Label Constellation erschienen Werk namens Monogamy. Das Land Of Kush’s Egyptian Light Orchestra massierte bereits 2009 – damals noch als Land Of Kush firmierend – mit der Platte Against The Day mein Verlangen nach exotischen, schwer in Genre-Schubladen zu verfrachtenden Klängen, die von der Plattenfirma mit „psych-arabic jazz orchestra“ charakterisiert werden. Wer hochgradig experimentellem Sound aus Prinzip nicht die nackte Schulter zeigt, der darf sich nach Erlauschen von Monogamy auf selbige klopfen. Geschmackssicheren Connaisseuren sollte besonders Fisherman Wonne bereiten.

Land Of Kush – Monogamy – PREVIEW by Constellation Records

Sommertipp:

Ich gehöre ja zur Spezies der Label-Fetischisten. Wenn ich von der grundsätzlichen musikalischen Ausrichtung eines Labels überzeugt bin, will ich es nach Kräften unterstützen. In diese Kategorie fällt analogsoul, das von Leipzig aus gehaltvolle Kost für Schleckermäuler serviert. Und als es mir diese Woche einen Dub-Remix des Tracks Dünner Tag der Singer-Songwriterin illute als Sommersong 2010 anpries, habe ich das auch mit einem gewissen Vertrauensvorschuss registriert. In der Tat entwickelt der Song schöne Entspanntheit samt feiner Textlichkeit. Die Dame kann etwas, da bin ich weiteren Hörproben nicht abgeneigt. Der kostenlosen Download ist hier erhältlich und allen Hitzegeschädigten dringend angeraten.

Konzerttermine:

14.07.10 Berlin – L.U.X
16.07.10 Leipzig – KUB

Entdeckertipp:

Eigentlich kaufe ich das klienicum fast alles ab. Was dort an Indie-Musik erwähnt wird, strotzt vor Klasse und Stil. Besonders beeindruckt hat mich unlängst an dieser Stelle erwähnter Charles Burst, der in die Kategorie derjenigen Singer-Songwriter gehört, die mit einer ungemein schönen Stimme auch eine Bestellung beim lokalen Pizza-Service vorträllern könnten, mir dabei Begeisterung entlocken würden. Auf der MySpace-Seite des Künstlers bitte einfach einmal Nights Out oder Blow The Fire Out anhören. Danke! (Einen kostenlosen Download findet man auf der Seite der Plattenfirma Ernest Jenning Record Co.)

Bimssteintipp:

Man kann die Schrunden des Sommers gut abrubbeln, indem man die Hitze mit Kälte abschmirgelt. Dazu würde sich zwecks Kalauerei eine kühle Blonde aus Schweden anbieten. Schade, dass die dunkelhaarige Emilie Lund nicht das Klischee erfüllt. Eine gerüttelt Maß an nordischer Kühle darf man der folkig aufgelegten Dame aber auf alle Fälle attestieren. Und freilich haben die Kollegen bereits da und dort im letzten Herbst darüber berichtet, aber mir sitzt halt der Schalk im Nacken. Samba-Klänge hebe ich mir für den Weihnachtsbaum auf und Schwermütigkeit gerne auch mal für das schweißtreibende Jetzt. Die selbstbetitelte EP ist als kostenloser Download verfügbar.

Videotipp:

Die Kanadierin Hannah Georgas hatte ich schon im Rahmen einer früheren Stippvisite erwähnt. Nun sei nochmals auf sie verwiesen und das nette Video zu dem wirklich quirligen Song Bang Bang You’re Dead gepostet. Bleibt aber so was von hammergeil im Ohr hängen, ey!

Diskussionstipp:

Ich kann es nicht mehr hören, dass Musiker selbst schuld sind, wenn sie keine vernünftigen Geschäftsmodelle entwickeln, um mit ihrer Musik auch Geld zu verdienen. Dazu werde ich in den nächsten Tagen noch einmal ein paar Gedanken beisteuern. Für heute soll auf folgenden Meldung verwiesen werden: Study: Less Than 5% Of Indie Artists Make A Living. Nun könnte man das als schiere Propaganda der Musikindustrie abtun. Ob das die musikalischen Hungerkünstler auch so sehen?

Das soll es heute wieder gewesen sein. Viel Vergnügen mit den Empfehlungen.

SomeVapourTrails

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