Es fliegt, es fliegt, es fliegt ein… Trio.Schmetterling!

Es fliegt, es fliegt, es fliegt ein… Trio.Schmetterling! Tja eigentlich fliegen die drei Herren Alexander Binder, Keisuke Matsuno und Jan Roth nicht wirklich, ihre musikalischen Schöpfungen jedoch heben in lichte Höhen ab. Um auch ja nicht im himmlischen Verkehrsgetümmel zu verunglücken, suchen sie lieber gleich die Stratosphäre auf. Dort freilich schweben sie nicht einfach vor sich hin, sondern befeuern ihren Flug, erstarren nicht bloß in einer Schwelgerei von Weite. Über den Wolken zu lustwandeln, dazu bedarf es einer Leichtigkeit, die jeglichen harschen Plumps verhindert, und natürlich einer gewissen Geschwindigkeit. Die drei wackeren Luftikusse haben dies auf ihrer schlicht untitled betitelten Scheibe sehr gut vorexerziert.

Wie jedoch definiert man eine auf solch Höhenflüge ausgelegte Musik? Will man sie wie das Label analogsoul mit „instrumental-jazz-pop-kammermusik-experimental-große-geste-miniaturen“ zu erhaschen suchen? Oder gar schnöde und uninspiriert in die Post-Rock-Schublade einsortieren? Instrumentale Klänge, welche sich nicht verzweifelt am Schema F festkrallen und noch dazu eine Gitarre auf die Bühne zerren, kann man recht idiotensicher in diese kunterbunte Kategorie verfrachten. Fehlen dir die Worte oder juckt die nach deskriptiven Turnübungen lechzende Zunge – wird es schon das Post vor dem Rock sein. Doch egal mit welchem Siegel man die Herren abstempeln will, es darf sich in jedwedem Fall nur um ein Gütesiegel handeln.

Ich für meinen Teil goutiere die Unberechenbarkeit des Sounds. Denn bei all den repetitiven Elementen, die nach einer Post-Rock-Etikettierung lechzen, bleibt genug Raum für jazzige Scharmützel, wie sie zum Beispiel das improvisiert wirkende urlaub bezeugt. Auch der sonst durchaus oben erwähntem Genre folgende Track insel kommt nicht ohne jene Einsprengsel und Brüche aus, versprüht nebenbei noch Westernflair. Will man sich nicht in den Banalitäten ergehen, die der Wortschatz bisweilen so hergibt, scheint man mit Post-Rock tatsächlich gut beraten. Aber der allzu gängigen Konzeption begegnen die Herren mit einem trutzburgischen Luftschloss, dessen Mauern jedoch keine Gitarrenwände säumen. Wo anderorts Opulenz und Lautstärke Kreativität vorgaukeln, wenden sich Trio.Schmetterling einer fragil-atmosphärischen Getragenheit zu, die gerne sinnierend dahingleitet, ohne dabei auf dem vorgegebenen Kurs ins Schlingern zu geraten (achtzehn). Mit kinderlied wird die Ergriffenheit auf eine neue Spitze gehoben. Ein Track, der sich atemberaubend – bei lichten Höhen jedoch kaum verwunderlich – entwickelt, geradezu kometenhaft, plüschastronautig über das Firmament segelt. Mit dem Titel solaris wird der Orbit endgültig verlassen, die Weite angepeilt, in der sich dieser Sound in raumgreifender Entfaltung katapultiert.

[audio:TRIO_SCHMETTERLING_solaris.mp3|titles=solaris|artists=Trio.Schmetterling]

Erde an Trio.Schmetterling, ist man versucht zu rufen, verkühlt euch nicht im kalten Weltall! Hinter der Milchstaße könnt ihr links abbiegen. Bis dahin: Einfach gerade weiterfliegen, ihr Überflieger. Ende und aus.

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Kostenloser Download des Tracks solaris

SomeVapourTrails

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