Folkastronauten unter dem Weißwurstäquator – The Moonband

Eher reist The Moonband wahrhaftig zum Mond, als dass das soeben erschienene Album Open Space einen kometenhaften Aufstieg in die Stratosphäre der Charts verzeichnet. Vielleicht hätten sich die selbsternannten Folkastronauten die Startrampe nicht in München aufstellen sollen. Die bayrische Raumfahrttradition ist recht überschaubar, denn meines Wissen heißt es eben nicht „In München steht eine Raketenabschussrampe – oans, zwo, gsuffa!“. Folk aus deutschen Gefilden war und ist kein Exportschlager, auch kein extraterrestrischer.

Dass wir nun nicht mit einer Schar kleiner, grüner Männchen rechnen müssen, die sämtlich nur gekommen sind, um die CD Open Space zu erhaschen, hat sich die Band durchaus selbst zuzuschreiben. Denn obzwar das Werk sehr ordentlich tönt, haben sich die Glanzlichter zur Gänze ans Ende der Scheibe verkrümmelt. Der nicht eben mit aufmerksamer Ausdauer gesegnete Hörer – egal ob irdischen Ursprungs oder E.T.-Verschnitt – wendet sich da wohl höflich aber entschlossen der nächsten Platte zu – und versäumt qualitativ hochwertiges, reduziert-kühles Songwriting, welches man eher in Kanada als südlich des Weißwurstäquators verankern möchte.

Ich zweifle nicht, dass der Track Right Before Our Eyes frenetischen Beifall ernten würde, wenn ihn eine Band wie etwa Mumford & Sons intonierte. Dann wären Folk-Fetischisten aus dem Häuschen. Zurecht. Ein fragiler Song mit dezent zündendem Refrain, der fraglos zum Besten gehört, was ich in dem Genre in den vergangenen Jahren gehört habe. Hätten alle Lieder diese zurückhaltende Intensität, dann könnten die Herrschaften auch aus dem kleinsten bayrischen Kaff kommen, Tür und Tor stünden ihnen allerorts sperrangelweit offen. Freilich soll der Formation Gerechtigkeit widerfahren, denn mit Boogeyman findet sich ein weiterer sehr guter Titel auf der CD, der wahrlich nicht von schlechten Eltern stammt. No Direction Home mit seinem Americana-Touch begeistert mich nicht minder. Das könnte von dem von mir sehr verehrten Jay Farrar (Uncle Tupelo, Son Volt) stammen, ein größeres Kompliment vermag ich einer Band kaum zu machen. Und das finale The Hiker rundet das hervorragende Gesamtbild des letzten Drittels ab. Freilich finden sich auch unter den ersten neun Lieder gute Tracks, zum Beispiel We Don’t Care, gerät der mehrstimmige Gesang sehr harmonisch, nichtsdestotrotz wird Open Space erst im Verlauf richtiggehend kompakt und formidabel.

The Moonband sind schon eine komische Nummer. Das beginnt bei dem spacigen Running Gag, der darin gipfelt, dass sich einzelne Mitglieder Andy Armstrong, Eugen Mondbasis oder Chris Houston nennen. Auch eigenartig, warum die geballte Faszination erst gegen Ende der Scheibe hörbar wird. Es mag viele ungeduldige Zeitgenossen geben, denen man zuviel Stehvermögen abverlangt. Auch mich haben sie anfangs in Gleichgültigkeit gewiegelt. Der werte Leser sei daher gewarnt. Ab Track 10 wird der Orbit erreicht. Dann geht die Sause los!

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SomeVapourTrails

3 Gedanken zu „Folkastronauten unter dem Weißwurstäquator – The Moonband

  1. Schön zu lesen, daß wieder mal eine Band aus München am durchstarten ist. Vergesst nicht den Afterburner an der Rakete zu zünden, Jungs! Bin gespannt was da noch kommt… 🙂

  2. Sehr schön mit der PLatte auseinander gesetzt. Machen nicht alle.
    Wirklich schade aber, dass die Rezension auch erst hinten losgeht, genau wie ja das Album nach der Meinung des Autors auch. Wenn man den Anfang liest, denkt man es wird ein voller Verriss. Ich find ja erst loben, dann kritisieren besser. Nützt auch der Band mehr, wenn man sie doch am Ende sehr gut findet.

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