Füllhorn an Glücksmomenten – Eels

Nach den Ausnahmezuständen regieren nun also die Gewichtigkeiten der Normalität. Simpler gefasst: Nach Blitz und Donner, gefolgt von sieben Tagen Regenwetter, blinzelt also nun die Sonne vom Himmel. Wie lange wohl, das vermag auch Mark Oliver Everett nicht zu ermessen – und schreitet doch fast schon euphorisch vorwärts. Nach dem genial ersonnenen Hombre Lobo, einem von Verlangen verzehrtem Werwolf,  und End Times, dem Schmerzensschrei des Verlassenen, führt Mr. E seine Trilogie einem zukunftsträchtigen Abschluss entgegen. Mit Tomorrow Morning schlagen die Eels ein neues Kapitel auf. Wer den nahezu halbjährlich erschienen Alben bislang Gehör schenkte, wird das heute veröffentlichte Werk ebensowenig vom Plattenteller schubsen. Es atmet auf, wo zuvor keuchend gestöhnt und hernach stoßgeseufzt wurde. Auf den zugebuddelten Abgründen führt Everett nun ein elektronischen Sounds zugetanes Freudentänzchen auf.

Photo Credit: Rocky Schenck

Wenn sich die Eels abermals den Verzückungen und Widrigkeiten des Lebens stellen, dann wird dies in den Zeilen „Ghosts flying all around my life/ Sent a message both bold and bright/ Good morning, mystery of life“ oder „No more sorrow, no more strife/ Always some daylight following the night/ Good morning, mystery of life“ verdichtet. Die Schatten auf seiner Seele wird Mr. E nicht mehr los, dennoch umarmt er nach all den Tiefen die Geheimnisse des Seins innig, triumphiert über alle Schicksalschläge. Mit Mystery Of Life sei auch gleich eines der Highlights des Werks genannt, das sich mit hymnischem Electro-Krawumm in Freudenchören ergießt. Nicht minder zuversichtlich und voller Vorfreude auf ein Tête-à-tête wummert This Is Where It Gets Good, das nach kurzer Gesangspassage einen hypnotischen, schier endlosen, mit Streichern und spacigen Samples untermalten Trip-Hop-Beat zur Entfaltung bringt. Beziehungstechnisch wird über Everetts lyrischem Ego ein wahres Füllhorn an Glücksmomenten ausgeschüttet, was sich auch in dem im altbewährten Sound der Eels gekleideten Song I Like The Way This Is Going manifestiert. Wie Blut beim Massaker hingegen spritzt Optimismus bei Oh So Lovely („I feel my heart changing in mysterious new ways„) ohne Ende, eine barock-burleske Abstreifung jedweder Hoffnungslosigkeit. Ebenso ergötzlich fällt Spectacular Girl aus, welches im Eels’schen Schaffen die Rolle des chartstauglichen Hits einnimmt.

Man sollte die gesteigerte Elekrifizierung der Eels dank Drum Machine und Loops jedoch nicht überbewerten, letztlich wirkt Mr. E mit seiner verschrobenen Stimme weiterhin die Wunder, hat sich das markante wie eigentümliche Songwriting erhalten, obschon der werte Herr den aus einem Albtraum Erwachten gibt, Sarkasmus und Pein überwunden fühlt. Wenn auf The Morning die Worte „In the morning yesterday is just a dream/ Out the window take a look at all you see/ Baptized by the sun go on and have some fun/ Why wouldn’t you want to have the greatest day?“ erschallen, versprüht dies eine Zuversicht, die nur der zu geben imstande scheint, dem selbst viel Leid zuteil wurde.

Tomorrow Morning hält einer liebevollen Überprüfung genauso stand wie dem überkritischen Blick. Wenn Mark Oliver Everett Wohlbehagen verspürt, klingt eine Scheibe der Eels noch immer tiefgründig, freudig kontemplativ, angeschrägt. Nicht zuletzt deshalb fasziniert seine Integrität die Hörer, gönnt man ihm auch weiterhin Sonne in seinem Leben und Wirken.

Tour-Termine:

28.08.10 Zürich (CH) – Winterhur Festival
07.09.10 Hamburg – Große Freiheit 36
10.09.10 Berlin – Astra
11.09.10 München – TonHalle
12.09.10 Wien (A) – Arena
13.09.10 Graz (A) – Orpheum
14.09.10 Hohenems (A) – Eventcenter

Links:

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