Funkelndes Pop-Geschmeide – Jennie Abrahamson

Wenn man unter Pop gefällige, gern auch quirlige, leicht im Ohr klebende und darum für das Radio prädestinierte Melodien begreift, die keck und schmissig arrangiert auf Wohlfühlmomente bedacht sind, dann wird Pop nur noch selten exquisit praktiziert. Abgedroschene Seichtigkeiten oder schlampig verpacktes Plastik überwiegen. Da kommt mir Jennie Abrahamson mit ihrer Platte While The Sun’s Still Up And The Sky Is Bright als Exempel dafür, wie man einen kunstvollen Spagat zwischen Mainstream und einer gewaltigen Portion verquerer Einfälle vorturnt, sehr gelegen. Pfiffig arrangiert, vielfältig im Ausdruck, schier kurzweilig kritzelt sich dieser selbstbewusste Mädchen-Pop auf die Liste der interessanteren Veröffentlichung der letzten Wochen. Abrahamson agiert auch gesanglich entwaffnend, gibt sich keine Blöße. Und das sage ich als jemand, der selbst pfiffigem Pop nicht übermäßig aufgeschlossen gegenübersteht.

Als Highlights des Werks stechen Åträsk als feine, vom Keyboard geschulterte Ballade oder etwa All I Can Think Of als prototypisch poppig schmachtender, sirupiger Song mit Drive. Ähnlich knackig, in 80er-Ästhetik schwelgend gefällt Late Night Show, während bei Look Down Our Road gewitzte Streicher dem Track den letzten Kick geben. Im Grunde wird nahezu jedes Lied mit Schmackes versehen, ob nun im allerluftigst schwebenden Sound des tränenheischenden Abschiedssongs Leaving NY oder durch fernöstlichen Touch von What Is True ausgeformt.

Das sind funkelnde Pop-Geschmeide, die Jennie Abrahamson hier zur Schau stellt. Jene funkeln selbst in den Augen eines Betrachters, dessen Blick solch Genre im Normalfall höchst oberflächlich streift. Die schwedische Singer-Songwriterin wird von Rezensenten besonders wegen ihres Gesangs mit Kate Bush verglichen. Dazu mangelt es freilich noch an textlicher Raffinesse – und das wäre zuletzt der einzige offensichtliche Kritikpunkt. Bei aller Herrlichkeit, die While The Sun’s Still Up And The Sky Is Bright in sich birgt, enthüllen allenfalls die Lyrics noch Verbesserungspotential. An der versierten musikalischen Umsetzung bestrickender Ideen mit Hit-Charakter gibt es jedoch rein gar nichts zu rüffeln.

While The Sun’s Still Up And The Sky Is Bright ist am 06.08. auf How Sweet The Sound erschienen.

Konzerttermine:

13.09.10 Hamburg – Prinzenbar
14.09.10 Berlin – Frannz Club
15.09.10 Köln – Studio 672

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