Launige Spritztour – Baby Universal

Ich gönne jedem sein ganz persönliches Erweckungserlebnis, im Falle von Cornelius Ochs war dies ein Durchquerung der USA. Eine Überdosis Tramp-Feeling, wohl angefeuert von den elendslangen Highways und einer zerfledderten Ausgabe von Kerouacs On The Road, hat bleibende Eindrücke hinterlassen und zur Gründung einer Band geführt. Diese wandelt jedoch nicht auf den Spuren von, Folk, Americana und Konsorten, stattdessen marschieren die Mannen samt Sänger Ochs durch alle Facetten der Rockmusik. Das lenkt Baby Universal mitunter in Sackgassen mitten ins Niemandsland, manchmal strolcht das selbstbetitelte Debüt jedoch auch um den Rock-Olymp herum.

So staubtrocken wie die Wüste von Nevada kommt auch die Attitüde der Formation daher. Ein mit Charisma verbrämter Singer wirbelt durch Songs, die vornehmlich nur das Beste aus der Rockhistorie zitieren. Die Musik fährt sattsam bekannte Straßen entlang, nimmt ab und an die falsche Abzweigung, krebst allerdings selten in der Pampa herum. An der Optik des Vehikels bleibt jedoch wenig auszusetzen, das Design erweist sich als recht schnittig. Wer also keine Expedition in neue Gefilde sucht, bloß einer launigen Spritztour beiwohnen will, darf guten Gewissens auf dem Rücksitz Platz nehmen.

Foto Credit: dreaminc Entertainment

Was da aus dem Autoradio dröhnt, schrammt mit viel Herz entgegen, begleitet von Lyrics, für die zu begreifen es kein Oxford English Dictionary braucht. Das meine ich durchaus als Kompliment. Bereits nach dem ersten Hördurchlauf verfestigt sich der positive Eindruck. Wie hier mit straighter Miene knackige Songs vorgetragen werden, gerne auch von europäischen Acts  inspiriert, das weist nur wenige Makel auf. Dancing Witches zum Beispiel wirkt derart schlüssig, dass man verwundert fragt, warum es so nicht bereits längst verfasst worden ist. Dance Radio schielt unverhohlen auf Airplay – nicht ganz unberechtigt. Die im Refrain enthaltene Aufforderung „Dance, dance, dance to the radio“ klingt weit weniger abgeschmirgelt, als man das vermuten könnte. Wenn indes die Handbremse angezogen wird, mit viel Pathos in der Stimme das balladeske Element in Form von Girls of Mars aus dem Handschuhfach geholt wird, vermeidet es die Band zunächst ins Schlingern zu geraten, bis dann völlig unmotiviertes weibliches Background-Geträller den an sich nicht üblen Song verschmalzt. Boys and Girls profitiert vom Western-Sound, für den die Gitarre verantwortlich zeichnet, zählt zu den gelungensten Nummern der Platte. Ausgesprochen geschmeidig fällt Black Sun Roll aus, die beste Visitenkarte von Baby Universal. Hier röhrt der Tiger im Tank, läuft alles wie geschmiert, obwohl – oder gerade weil – man nicht vollends das Gaspedal durchtritt.

Man sollte meinen Versuch einer fairen Einschätzung der Band nicht missverstehen. Freilich fehlt es ab und an an Einfällen, wird auf bewährte Schemata gesetzt. Was man Baby Universal jedoch zugute halten muss, ist die Unerschütterlichkeit mit der sie ans Werk schreiten. Die erdige Rock-Attitüde hebt die Scheibe über die Wahrnehmungsgrenze, sprengt manchmal sogar die Grenzen dessen, was die Gruppe zu leisten imstande ist, schafft Momente, in denen der Sound das Kokettieren mit dem Mainstream unterlässt, sich stattdessen einfach auf markige Musik fokussiert. Speziell dann zündet der Turbo, nimmt das Debüt Fahrt auf. Derart darf es ruhig weitergehen. Ich jedenfalls würde sofort wieder für eine Spritztour am Rücksitz Platz nehmen.

Baby Universal ist am 20.08. auf dreaminc Records erschienen.

Konzerttermin:

18.09.10 Berlin – Magnet Club

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