Wunschträumerische Lippenbekenntnisse – Jacob Faurholt

Solch ich mir folglich wirklich die Mühe machen, der Handvoll deutschsprachiger Leser unseres Blogs, denen Jacob Faurholt eine immense Offenbarung bedeuten könnte, wirklich ausgiebig die Vorzüge des Liedermachers zu schildern? Wäre ein Treffen bei Kaffee und Kuchen samt Faurholt’scher Klangkulisse nicht ein geeigneterer Rahmen? Besonders wenn die Antidepressiva in Reichweite positioniert werden. Man muss im Grunde seines Wesens eine ausgesucht ehrliche, deprimierte Haut sein, um sich dem Folk hinzugeben. Folk ist keine an Eindrücken reiche Blümchenwiese, Folk ist das karge, endlose Weiß der Pole, welches brennend reflektiert. Wer das Genre mit Blüten und Pflänzchen behübscht, wähnt sich des Schmerzes entfleucht, hat jedoch verkannt, dass Folk eine grüblerisch-emotionale Trutzburg errichtet, die jedem Larifari den Garaus macht. Aus genannten Gründen ist das Metier ein Minderheitenprogramm, leider.

Der dänische Singer-Songwriter hat mit Are You In The Mood For Love? ein puristisches, oft akustisches Album vorgelegt, dass nun auch in hiesigen Breiten eine Veröffentlichung erfährt und all denen ins Stammbuch geschrieben ist, die das Lieben und Leben nicht zwangsläufig mit Jubel, Trubel, Heiterkeit verbinden. Faurholt bietet auf jener Platte einen Gesang an, der trotz Wärme ein gerüttelt Maß an Brüchigkeit suggeriert, der jedwede Traurigkeit nicht gänzlich der Hoffnungslosigkeit preisgibt, das Außenseitertum zwar pflegt, dabei jedoch auf Eitelkeit und Pathos verzichtet. Diese Herangehensweise hebt das Werk weit aus dem Veröffentlichungsbrei hervor. Es sind fragmentarische Einblicke erlaubende Lieder wie A Fish In A Bowl, in denen eine sich zerfransende Seele in Einsamkeit ersäuft, oder Blood On The Floor, wo die Scherben einer Beziehung betränt werden. Ob nur mit geschürzter Gitarre oder von ätherisch raunendem Background-Gesang unterstützt, Faurholts Texte kräuseln sich meist der Hoffnung auf eine in weiter, weiter Ferne winkenden Veränderung entgegen, welche allerdings oft zum wunschträumerischen Lippenbekenntnis mutiert. Da bildet Let’s Build A House On This Ground keine Ausnahme. Wenn der Barde von True Love singt, klingt die Zunge belegt, während We Stole Those Years in schönster Schwermut zerläuft. Ab und an driften die Songs gen Dream-Pop-Gefilde, kurbelt die E-Gitarre eine Entrückung an. Bei You Sing No Louder Than A Little Bird gerät die Erlösung fast schon greifbar.

Rusty Country Cage, True Love sowie Let’s Build A House On This Ground sind als Gratis-Downloads hier erhältlich.

Are You In The Mood For Love? bedient gediegenen Masochismus und existentielle Ängste weitaus mehr als jegliche Romantizismen. Und eben darum gibt es an diesem manchmal bedrückenden Folk-Album auch rein gar nichts auszusetzen. Jacob Faurholt empfiehlt sich all denen, die vom Leben gezeichnet, gemeuchelt, geschunden scheinen – und sich dabei doch noch einen winzigen, tagträumerischen Hoffnungsschimmer ausbedingen. Ein exzellentes Album!

Konzerttermine:

31.08.10 Berlin – Madame Claude (Record Release)
03.09.10 Kiel – Prinz Willy
04.09.10 Leipzig – NBL
08.09.10 Stuttgart – Café Galao
09.09.10 Unna – Spatz&Wal
10.09.10 Dortmund – Rasthaus Fink
11.09.10 Saarbrücken – Sparte 4
15.09.10 Berlin – Ä
17.09.10 Berlin – Sowieso
29.09.10 Berlin – Café Ici

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