Zauberhafte Verflüsterung – Andreya Triana

Den Soul auf den Lippen zu tragen, dass hat heute den Schick von Lipgloss. Doch während viele Sängerinnen vergebens Frösche küssen, hat Andreya Triana ihren Prinzen gefunden. Dieser trat in Form von Simon Green in ihr musikalischen Wirken. Der unter dem Namen Bonobo geschätzte Downtempo-Guru erwählte sie nicht nur zur gänsehäuternen Stimme seines Albums Black Sands, sondern übernahm auch die Produktion ihres Debüts Lost Where I Belong. Und eben diese Trumpfkarte wird gnadenlos ausgespielt. Zu dem ohnehin auffälligen stimmlichen Vortrag gesellt sich die Gewandtheit Bonobos, der für subtiles instrumentales Knistern sorgt, eine Finesse einbringt, welche bei vergleichbaren Künstlerin meist fehlt.

Wenn man von einem Album der Nuancen und Zwischentöne spricht, kann das mitunter eine dem Euphemismus geschuldete Umschreibung für Langeweile bedeuten. Im Falle von Lost Where I Belong hingegen röhrt Triana nicht darauf los, macht Emotionen nicht an der Lautstärke fest, erlaubt sich einen intimen, oft traurigen Ausdruck, der seine Wirkung nicht verfehlt. Und das Gefühl in den Fingerspitzen Greens ist ohnehin nie plakativ, trotz der angeborenen Verspieltheit seines Sounds bleibt eine klare Struktur erkennbar, wird der Hörer nicht mit nach Aufmerksamkeit heischenden Beats und Samples bombadiert. Man muss nun wahrlich kein Dichterfürst sein, um sich auf diese Zutaten einen Reim machen zu können. Das Resultat der Zusammenarbeit gebiert eine überzeugende Scheibe, die nie ins Ohr krakeelt, aber auch nicht zu einer Beiläufigkeit verkommt.

Bereits Draw The Stars schäumt und sprudelt vor Intensität. Und führt auch ein neues Instrument in meine Wahrnehmung ein. Was für mich nach einem stinknormalen Xylophon klingt, ist eine Marimba. Die lebendige Percussion umtänzelt Trianas souliges Timbre, ein sehnsüchtiges, nachtschwärmerisches Lied entsteht. Jene Stimmung zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk, das auch von Sorgen gebeutelt scheint. A Town Called Obsolete schlackert mit einem weniger dezenten Beat,  durch die fülligere Orchestrierung im Refrain bleibt es besonders im Gedächtnis haften. Die zauberhafte Verflüsterung, der sich Andreya Triana auf Daydreamers bemächtigt, wirkt trotz Schwermut federweich. Und selbst wenn Latin-Flair auf Something In The Silence Einzug hält, schmiegt sich kein Frohsinn hinzu. Als weiteres Highlight mag Far Closer dienen, das sich lasziv auf Beats und Streichern räkelt, im Chorus dann nicht zuletzt dank eines Backgroundchors pfiffig anschwillt. Hier lockert sich auch Trianas bisweilen fast zu dick aufgetragenes Understatement auf, schaltet die Dame einen Gang hoch.

Ein derart atmosphärisch kompaktes, mit Stil umgesetztes Album, das konsequent nie auf Effekte schielt, läuft leider auch Gefahr allzu unauffällig zu tönen. Dies jedoch passiert zu selten, um Andreya Triana oder Bonobo daraus einen Strick zu drehen. Lost Where I Belong verlangt vom Hörer gewiss ein mehrmaliges Hörerlebnis ab, ehe man in den Sound eintauchen mag. Und genau dieser Umstand dürfte nur moderate Verkäufe bescheren. Als souliges Versprechen für die Zukunft wird die Sängerin jedoch unzweifelhaft an Reputation gewinnen.

Lost Where I Belong erscheint am 27. August auf Ninja Tune.

Konzerttermine:

08.09.2010 Berlin – Festsaal Kreuzberg
24.09.2010 Berlin – Astra Kulturhaus (Ninja Tune XX)

Link:

MySpace-Auftritt

SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Zauberhafte Verflüsterung – Andreya Triana

  1. Das klingt gar nicht mal schlecht… Sollte ich mal ein Auge drauf werfen. Danke für den Tipp! (boah, der Kommentar klingt gerade mal sowas von nach Spam!)

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