Zum Lachen in den Keller gegangen – Ikaria

Natürlich wird man von Skepsis zerfressen. Wenn mir ein Musik-Promotor eine Band ans Herz legt, schließe ich in vielen Fällen die Herzklappen. Man bekommt ja so einige Acts angepriesen, deren einzige Existenzberechtigung sich in einem handfesten Plädoyer für Schwerhörigkeit manifestiert. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel und so bin ich froh, als vor wenigen Wochen die Formation Ikaria inständig propagiert wurde. Eigentlich genügte bereits das einmalige Hineinschnuppern in die Single Transmitter, um der Band mein persönliches Gütesiegel zu verabreichen. Das wurde nach ausgiebigem Konsum des Albums Luxembourg auch nicht wieder zurückgezogen.

Ich gehe nicht immer zum Lachen in den Keller, aber ich mag Bands, die solches tun. Und noch mehr schätze ich Musiker, die sich nicht in den Klischees eines Genres wälzen, sondern einen eigenständigen Sound pflegen. Und selbigen will ich Ikaria attestieren, ihnen jenen zugute halten, sogar in den Momenten, wo manchem Song der letzte Pfiff fehlt. In der Summe bleibt die Platte ein Kleinod, dass kühle Goth-Elemente mit einer ausgeschlafenen Poppigkeit untermauert, den Shoegaze heraushängen lässt, nicht einfach nur das x-te New-Wave-Gedächtnisalbum verfasst. Dabei in den großen Momenten schön britisch klingt – was für eine Gruppe, die als Wohnort Berlin anführt, stets als Kompliment verstanden werden darf.

Transmitter from Ikaria on Vimeo.

Beispiele gefällig? Da wäre selbstredend der eingangs erwähnte Track Transmitter zu nennen, ein durchaus beschwingter, fast fröhlicher Titel mit dem eingängigen Etwas, dass geradezu nach Airplay verlangt. Ohne Fehl und Tadel leistet sich Ikaria einen feinen, kleinen Ohrwurm. Fast ebenbürtig, in der Basisnote erdiger anmutend, die sphärische Note zugunsten einer Hemdsärmeligkeit vernachlässigend realisiert The Waitress No. 1 eine Dynamik, auf welche die meisten anderen Lieder zugunsten einer entrückt glitzernden Shoegazigkeit verzichten. Wobei die lethargische Kühle, die Young Hearts Fail kennzeichnet, keinesfalls von der Hand zu weisen ist. Hier werden die 80-er-Anleihen konsequenter ertüftelt, als dies die gegenwärtig gern abgefeierten Hypes tun. Der depressive Anstrich präsentiert sich unpathetisch, aber mit gequältem Ausrufezeichen. Seven Spires wiederum scheitert auf ansehnlichem Niveau, drückt gesanglich winselnd auf die Emotionstube. So weit, so gut – und durchaus einen Versuch wert. Aber just hier zeigt sich die Musik berechenbar verschwurbelt. Gelungener klingt da schon Fragile mit schönem rhythmischen Kontrast im Chorus, der der Monotonie auf Siebenmeilenstiefeln entfleucht. Natürlich – das sei nicht verheimlicht –  trifft man auch auf schwächere Songs, die zum Beispiel blutleeren Gesang dröge ausbreiten und letztlich mit brachialer Gitarre  zukleistern (Interference). Nichtsdestotrotz werfen zwei Drittel der Scheibe einen tristen Schatten, in dem es sich angenehm kauern lässt. Trial Error fällt ebenso darunter.

Ikaria haben mich mit dem ohne jegliche Übertreibungen produzierten Album Luxembourg beeindruckt. Ich versteife mich daher ohne Wenn und Aber darauf, dass Freunde oben erwähnter Genres bei diesem überdurchschnittlichen Werk auf ihre Kosten kommen. Also ab in den Keller, Mp3-Player einschalten und düsteren Gedanken nachhängen. Unterstützend kommt schon bald das passende Wetter dazu.

Luxembourg ist am 25.06. auf Cobretti Records erschienen.

Konzerttermine:

09.09.10 Köln – Luxor (w/ Stars)
10.09.10 Hamburg – Knust (w/ Stars)
11.09.10 Berlin – Postbahnhof (w/ Stars)
14.09.10 Braunschweig – Nexus
15.09.10 Oberhausen – Druckluft
16.09.10 Frankfurt – Ponyhof
17.09.10 Karlsruhe – Kohi
18.09.10 Reutlingen – KuRT Festival
19.09.10 München – Kranhalle (w/ Future Islands)
21.09.10 Trier – Exhaus
22.09.10 Nürnberg – Club Stereo
23.09.10 Wiesbaden – Schlachthof (w/ Stornoway)
24.09.10 Bielefeld – JZ Kamp (w/ Superpunk)
25.09.10 Münster – Amp (w/ Urlaub in Polen)
27.09.10 Oldenburg – Metro
28.09.10 Bremen – MS Treue
29.09.10 Hamburg – Hafenklang (w/ Herpes)
30.09.10 Rostock – MS Stubnitz
20.11.10 Berlin – Motor Club @ Magnet

Links:

MySpace-Auftritt

Homepage mit kostenlosem Download von Transmitter

SomeVapourTrails

3 Gedanken zu „Zum Lachen in den Keller gegangen – Ikaria

  1. Guter Artikel, der mich sehr neugierig auf die Band macht. Ich hatte bisher nichts von Ikaria gehört, freue mich jetzt aber umso mehr, dass ich sie live sehen darf (jaja, in Köln, mit den Stars!).
    Werde dann vor Ort deine Eindrücke überprüfen…

  2. Mir wurde die Band auch nahegelegt und mir gefällt die Musik ebenfalls sehr gut. Aber leider, leider wird es bei mir nur eine (versprochende) Randnotiz geben. Begründung: Ich kann und will weder auf zumindest sendungsfähiges Klangmaterial für meine Radiosendung verzichten noch mich an einem weiteren Promotool (community-ipool) anmelden und werde dann mit MP3`s zugeschissen. Aber Du hast das Album so schön rezensiert, das muss dann reichen. 🙂

  3. Ich verstehe natürlich, dass du die Band im Radio spielen willst und es daher ein Promoexemplar braucht. Und ich vermute mal, dass du nicht weniger Alben kaufst als meine Wenigkeit und man sich daher recht sorgsam überlegt, was man kauft – oder eben doch auf dem Promotionweg zu erhalten trachtet. Ich zumindest empfehle dir auf alle Fälle einen Konzertbesuch der Band, wenn sie in deiner Nähe sind, da ich meine, dass einige Lieder live noch mehr zünden könnten.

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