Dem hintersten Winkel der Plattensammlung gerade noch entfleucht – Seth Lakeman

Nach zwei wirklich sehr guten Platten, die ich am Wochenende hier besprochen habe, soll nun auch der musikalische Alltag einkehren, ehe ich erneut zumindest drei hervorstechende Werke erwähnen will. Heute hingegen kommt, wenn ich es überspitzt formulieren möchte, Schonkost auf den Tisch. Natürlich kann auch diese lecker sein, aber sie wird wohl trotzdem nicht als Festmahl den Gaumen in Ekstase versetzen.

Seth Lakeman gehört wahrlich nicht zu den Niemanden der britischen Folk-Szene. Auf seinem neuen Album Hearts & Minds jedoch mutiert er in den schlechtesten Momenten eher zu einem das Lasso schwingenden amerikanischen Hinterwäldler – und rennt damit stampfenden Fußes in sein Unglück. Dabei wird seine Begabung in einer Handvoll Songs so überaus deutlich, dass man sich diese Qualitätsschwankung fast nicht zu erklären vermag. Allein vier Titel verhindern, dass man der CD einen der hintersten Winkel des Plattensammlung zuweist.

Spinning Days als edle, gedankenvolle Ballade  zählt zu besagten Lichtblicken. Mit ihr exerziert Sethman Folk-Pop vor, der sich durchaus an ein breites Publikum wendet, aber dabei die Qualität des Songs nicht aus den Augen verliert, ihm eine Seele gibt. Banjo und Mundharmonika, dazu eine sanfte Akustikgitarre, weisen hier das sonst inflationär verwendete Gefiedel in die Schranken. Weiters verfehlt auch das ein wenig zu inbrünstig gesungene, ab und zu glatte, aber eigentlich recht ordentliche Stepping Over You seine Wirkung nicht. Mit dem liebestraurigen Changes überzeugt der werte Herr erneut mit einer schön getragenen, schlank instrumentierten Ballade, die mit den Worten „Winter nightfall/ At the waters edge/ A still reflection/ Of the day you left me“ dramatisch fein nicht über die Stränge schlägt. Von den zünftigeren Liedern wirkt eigentlich nur Tiny World nach, weil es eben nicht uninspiriert verrockt tönt. Die übrigen Titel nudeln sich recht einfallslos aneinander, und dies in jeder Beziehung: Melodie, Lyrics, Gesang.

Ich tue mir daher mit dem vorliegendem Hearts & Minds schwer. Dass die Enttäuschung überwiegt, will und kann ich nicht verhehlen. Gleichzeitig sollen aber die gefälligen, absolut guten Liedern nicht völlig unter den Teppich gekehrt werden. Lohnen selbige den Kauf des gesamten Albums? Nein. Den Erwerb einzelner Mp3s? Auf alle Fälle! Und ja, natürlich werde ich auch Seth Lakemans nächstes Album wieder hoffnungsfroh und mit gespitzten Ohren einer näheren Begutachtung unterziehen.

Konzerttermine:

02.11.10 Leipzig – Moritzbastei
03.11.10 Hamburg – Stageclub
04.11.10 Berlin – Privatclub
05.11.10 Oberhausen – Zentrum Altenberg
06.11.10 Stuttgart – Universum
07.11.10 Köln – Luxor

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