Ein Hohelied auf Local Heroes – Soulscare

Man sollte sich als Musikfreund immer die Neugier bewahren, nicht in den Automatismus der Miesepetrigkeit verfallen. Die neueste Platte eines an Talent limitierten, dennoch Stadien füllenden Rock-Quartetts ebenso begutachten wie der quasi im Nachbardorf musizierenden Band eine Chance geben. Deshalb höre ich mir praktisch alles an, was an Anfragen von sogenannten Musikern und solchen, die man tatsächlich dazu zählen darf, so ins Postfach flattert. Darum ging ich auch artig auf die MySpace-Seite von Soulscare, als ich im August bezüglich einer Erwähnung auf unserem Blog kontaktiert wurde. Und so sollen der Formation aus dem bayrischen Straubing jetzt einige Worte gewidmet werden.

Viele holzfällerhemdige Hinterwäldler-Band aus den Staaten werden mit Applaus beglückt, während man an einheimische Acts oftmals strengere Maßstäbe anlegt. Ich ertappe mich selbst oft dabei. Nicht nur deshalb habe ich mir den Vorsatz gesetzt, von nun an vermehrt über lokale Heroen zu schreiben, selbst wenn das Heldentum an der Ortsgrenze ihres Dorfs oder ihrer Kleinstadt endet. Im Falle von Soulscare hat mir die Attitüde der Herrschaften gefallen. Viele Musiker, zumindest viele derer, die mir so schreiben, verzapfen Bockmist und verbrämen das als Kunst. Bei Soulscare merkt man bereits nach den ersten 2 Liedern, dass sie altmodischen Rock mit mal wenig, mal mehr Pathos fabrizieren, darauf achten einen eingängigen Refrain abzuliefern, sich handwerklich keineswegs wie der erste Mensch anstellen.

Selbst in Zeiten des Internets und der Fernsehpenetration können all die Medien die Atmosphäre nicht reproduzieren, die eine Band entwickelt, wenn sie sich auf die Bühne eines Jugendzentrum oder eines kleinen Lokals in der Vorstadt oder auf dem Lande begibt. Der Nährboden für die Faszination von Musik wird bei unzähligen solcher Aufritte gepflegt – und nicht auf ausverkauften Touren der Superstars durch die größten Hallen der Republik. Hier werden nur die Früchte geerntet.

So halte ich nun also die CD the green one in Händen. Ein paar Tage haben mich die Lieder schon in der U-Bahn, bei den Erledigungen des Alltags begleitet. Und obzwar ich mir anfangs dachte, dass das Album zu sauber produziert ist, der Sound ruhig dreckiger durch die Boxen wehen dürfte, mir die Lieder trotz kräftiger Gitarrenriffs zu wenig robust klangen, schliff sich durch mehrmaliges Hören nun gesteigertes Gefallen ein. Ich bin ja auch ein Anhänger der Verhältnismäßigkeit. An the green one lege ich andere Maßstäbe an als an eine Scheibe, die es auf den Charts-Olymp schaffen will und kann. Unter dem Aspekt ist die Platte absolut kurzweilig, gut, nicht makellos, aber eben keinesfalls amateuresk bis zur Schmerzgrenze.

Echo zählt zu den besten Tracks, kommt mit einem guten Refrain und melodisch daher, entwickelt gegen Ende hin auch Muskeln. Bei 6 seconds finde ich die Idee bemerkenswert, ein Saxofon in einem Rock-Song zu platzieren. Das zeigt mir, dass die Herren Instrumente abseits von Bass, Schlagzeug und Gitarre nicht nur vom Hörensagen kennen. So soll es sein! Überlied schlägt in die gleiche Kerbe, bleibt freilich abseits des schmissigen Refrains ein wenig stereotyp. Das größte Problem habe ich mit dem Gesang, denn obgleich Sänger Manuel Mutschler nicht das schlechteste Organ vorweisen kann, die Songs zu tragen vermag, übertreibt er es manchmal mit der Theatralik des stimmlichen Ausdrucks. Schwamm drüber. Wenn das Schlagzeug auf die Tube drückt, Bass und Gitarren schnörkellos nach vorne preschen, wird man von der Machart durchaus an die gute alte Zeit des Rocks erinnert, als Rock noch Schweiß und nicht viel mehr personifizierte. Wenn ich mir The Mirror unter dieser Prämisse anhöre, unterhält es ohne irgendwelche Sperenzchen. Das erfüllt den Zweck, sehr ordentlich sogar.

Ob Radio, Fernsehen oder Internet – sie vermögen die Authentizität nicht ersetzen, die Local Heroes ausstrahlen, wenn sie in ner Kleinstadt aufspielen und die Realität eines Wochenendabends bereichern. Das war vor 40 Jahren so – und ist es heute noch. Soulscare werden wohl nie die großen Bühnen rocken, dazu fehlt es beim Songwriting an mit Ecken und Kanten ausgestatteter Originalität, dem Gespür für Zeitgeist und Marketingtalent.  Das was sie jedoch aufbieten, ist musikalische Leidenschaft und handwerkliches Talent. Und das reicht, reicht dicke, um mich gut zu unterhalten. Was will ich denn noch mehr von einer Platte erwarten?

Links:

Offizielle Homepage

MySpace-Auftritt mit Hörproben

SomeVapourTrails

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