Quietschfidele Quirligkeit – Betty and the Werewolves

Ich lese doch so einige Musikblogs, keine schlechten, wie ich meine. Und doch wurde im deutschsprachigen Raum eine Anfang Juli veröffentlichte, quietschfidele Platte sträflicherweise vernachlässigt, kaum erwähnt. Die britische Band Betty and the Werewolves haben sich mit ihrem Albumdebüt Teatime Favorites wesentlich mehr Aufmerksamkeit, eigentlich sogar Enthusiasmus verdient. Ein Indie-Twee-Pop-Irgendwas trifft im konkreten Fall auf Punk, mit dem Ergebnis rotzfrecher, lieblicher wie schräger Quirligkeit. Und obzwar sie diesen Stil keineswegs erfunden haben, sind sie doch nie um eine Idee verlegen, dazu noch zutiefst dynamisch, sodass man an der eigenständigen Note nicht zu zweifeln vermag.

Wenn die Damen Laura McMahon, Emily Bennett, Helen Short – unterstützt von einem an den Drums berserkernden Doug McFarlane – auf die Tube drücken, spritzen ratzfatz vielerlei Indie-Pop-Perlen mit unwiderstehlichem Girlie-Touch heraus. Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug – oft braucht es nicht mehr als die herkömmliche Instrumentierung, um die Korken knallen zu lassen und einen auf Party zu machen. Speziell wenn man noch dazu gefinkelte Melodien mit einer straighten Selbstverständlichkeit aus dem Ärmel schüttelt. Ja, Betty and the Werevolwes sind ein richtig heißer Feger. Wohl mit das Beste, was dieses Jahr von der Insel herüberschwappt.

David Cassidy bringt den knackigen Sound auf den Punkt, flutscht die Retro-Note in Form einer Liebeserklärung an ein Teenie-Idol der Siebziger, dazu steppt der Bär, ertappt sich der Hörer bei allerlei wilden Körperzuckungen. So und nicht anders sieht ein fokussierter, aufgedrehter Up-Tempo-Song aus. Was soll ich sagen, mit Purple Eyes wummert very british ein ebenso ekstatisches Lied gleich hinterher. McMahons rasanter, dabei nie kreischiger Gesang und natürlich auch die superben Background-Vocals feuern aus allen Rohren, machen aus einem ohnehin eingängigen Track wie Heathcliff einen zweiminütigen, sirenesken Headbanger. Da sehen selbst kesse Miezen wie die Dum Dum Girls dann doch alt, gesetzt, bieder exaltiert aus. Und wenn mal weniger in die Hände gespuckt wird, kann sich das Ergebnis ebenso sehen lassen: Should I Go To Glascow? oder die Single-Auskopplung Paper Thin sind schaumgebremste, tiefgründigere Schönheiten und damit weitaus mehr als bloße Verschnaufpausen zwischen schweißgetränkten Songs wie Plastic oder Wind-Up. Auf Langeweile wartet man bei diesem gewieften Werk vergebens, selbst die als Rausschmeisser fungiernde einzige Ballade Hyacinth Girl kreiert eine melancholische Atmosphäre mit Hit-Potential.

Ich könnte nahezu jedes Lied mit Lobreden umschwärmen, soviel Hörvergnügen habe ich noch selten auf 40 Minuten verdichtet erlebt. Betty and the Werewolves haben sich mit diesem Debüt einen Platz in meinen persönlichen Top 10 des Jahres 2010 gesichert. Solch Teatime Favorites verwandeln jeden 5-Uhr-Tee zu einer Sause, welche die Wände nur so wackeln lässt. Ich für meinen Teil will den Gong so laut betätigen, dass auch die werten bloggenden Kollegen bei der Fete vorbeischauen.

Teatime Favorites ist am 02. Juni auf Damaged Goods erschienen.

Link:

MySpace-Auftritt

SomeVapourTrails

2 Gedanken zu „Quietschfidele Quirligkeit – Betty and the Werewolves&8220;

  1. Lieber Horst, natürlich darfst du darauf aufmerksam machen. Und obwohl ich deine Seite sehr aufmerksam lese, auch öfter mal erwähne, ist mir dein Beitrag entgangen. Ich wurde auf die Band dadurch aufmerksam, dass Ende Juni ich die Veröffentlichungsliste von Cargo Records studierte. Der Vertrieb hat fast jeden Monat mindestens 2 Perlen im Köcher, man muss sich halt nur die Mühe machen, die MySpace-Auftritte der Bands zu erkunden. Sowohl die Google-Suche als auch die Blogsearch von Google haben mich dann doch stutzig werden lassen, weil das Debüt hierzulande verschwindend geringe Beachtung fand. Dabei bin ich nicht über deinen Eintrag gestolpert, andernfalls hätte ich dein Näschen für gute Entdeckungen gerne erwähnt.

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