Stippvisite 26/09/10 (mit Fang Island, Eric Chenaux, The Migrant und mehr)

Wieder einmal einige handverlesene Empfehlungen. Mögen sie auf Gefallen und Interesse stoßen.

Qualitätstipp:

Ein Nachtrag zum Berlin Festival sei noch gemacht, diesmal sehr positiver Natur. Nach dem samstäglichen Line-up-Tohuwabohu des Berlin Festivals 2010 wurden geschmackssichere Zeitgenossen ab 20 Uhr auf eine harte Probe gestellt. Denn nahezu alle Acts der letzten Stunden waren katastrophal oder schlichtweg lächerlich. We Have Band beispielsweise konnte man bestenfalls mit gequälter Miene ertragen. Generell ließ sich der Trend feststellen, dass qualitativ fragwürdige Bands weitaus mehr Zuschauerzuspruch erhielten. Darum stellte es auch keine Zufall dar, dass die hervorragende Formation Fang Island in einem lediglich spärlich gefüllten Hangar 5 auftrat. Die amerikanische Math-Rock-Band bot eine superbe Performance, kräftig, energetisch und schräg – wie mir unser Außenreporter M. bestätigte. Und sogar wenn die Band live noch einige Schippen drauflegt, sei auch das im Frühjahr erschienene, selbstbetitelte Album überaus empfohlen.

Wem nun die Ohren wohlig anschwellen, kann die Tracks Daisy und Life Coach hier kostenlos downloaden.

Entdeckertipp:

Manchmal werden mir meine Grenzen sehr deutlich aufgezeigt. Zwei Hände, zehn Finger, ein Köpfchen – all das reicht nicht immer aus, um hier aufzuführen, was meiner bescheidenen Meinung nach Beachtung verdient. Länger schon auf meinem vollgekritzelten Notizzettel: Our Ceasing Voice. Österreicher – schlimmer noch: Tiroler – und im Genre Post-Rock unterwegs, das mutet zunächst so schlüssig an wie eine koreanische Samba-Truppe. Der gute Peter von den Schallgrenzen hat sich der Band schon vor anderthalben Jahren angenommen – und da gut Ding bekannt Weile haben will, will ich seine Empfehlung nun unterstreichen. Zwischenzeitlich hat Our Ceasing Voice weitere Veröffentlichungen im Gepäck. Darunter die im Mai 2010 erschienen Single EP Passenger Killed In Hit And Run – und dieser Tage den Soundtrack zu einem PC-Spiel namens Painkiller: Resurrection. Und auch wenn The Resurrection EP die Qualitäten der Formation nur bedingt befördert, bietet selbige jetzt einen aktuellen Anlass den Fokus auf die Band zu richten.

An den Herrschaften schätze ich die sehr besonnene Struktur, mit der sie ihre Tracks behutsam aufbauen, ohne das die Chose zu einem in die Länge gezogenen Teig verkommt. Sie leisten es sich in Ambient zu schwelgen, ehe die Gitarren aus dem Sack gelassen werden. Dies trifft in geringerem Umfang auf die Resurrection EP zu, die meist gen Metal ausgerichtet ist.

Alle Veröffentlichungen sind auf bandcamp kostenlos erhältlich. Natürlich kann und soll man sie auch physisch erwerben. Mehr Infos zu den Veröffentlichung finden sich übrigens bei der postrockcommunity.

Downloadtipp:

Post-Rock liefert mir auch gleich ein gutes Stichwort für den nächsten Singer-Songwriter. Dieser hat nun wirklich nichts mit diesem Genre zu tun, veröffentlichte jedoch soeben eine Platte auf Constellation Records, das nun wiederum eines der führenden Labels für Post-Rock ist. Dank der neu gestalteten, nicht mehr an die Uhrzeiten des Internets erinnernden Webseite bereitet das Erstöbern neuer Releases endlich Vergnügen. Gefunden habe ich den werten Herrn Eric Chenaux jedoch auf das klienicum.

Warm Weather – ERIC CHENAUX by Constellation Records

Warm Weather With Ryan Driver ist ungemein sachtes Album, das ich in den nächsten Wochen noch mit einem eigenen Eintrag bedenken will. Für heute sei auf den kostenlosen Download des Tracks Warm Charleston hingewiesen, den es hier gibt. Und bitte den falschen Mp3-Tag ignorieren, der Herr hört definitiv nicht auf den Namen Chenuax.

Geheimtipp:

Ich gebe ja gerne zu, dass unser Blog eher die große musikalische Bandbreite abzudecken versucht und in weitaus geringerem Umfang neue oder unter dem Radar fliegende Bands vorstellt, als dies die geschätzten Blogs Coast Is Clear, bereits erwähntes das klienicum oder Hey Tube tun. Wenn mir also neue Töne um die Ohren wehen, schaue ich durchaus bei besagten Kollegen nach, was sie dazu zu sagen haben – werde oftmals fündig. Im Falle des dänischen Singer-Songwriters Bjarke Bendtsen, der unter dem Namen The Migrant tätig ist, wurde meine Suche nicht von Erfolg gekrönt. Nun gut, erledige ich dieses Mal eben den Job. Soeben hat The Migrant das Album Travels in Lowland herausgebracht, dessen Song The Organ Grinder mich mit einer Brise luftig-warmen Folk-Pops zu umschmeicheln weiß. Ich empfehle also aufdringlichst, diesem Link zu folgen und sich das Lied gratis zu Gemüte zu führen. Im November tourt der vorwiegend in den USA lebende Däne auch durch Europa.

Konzerttermine:

11.11.10 Hamburg – Molotow
18.11.10 Luxemburg (LUX) – d:qliq

Infotipp:

Die Sendung Breitband im Deutschlandradio Kultur läuft, gehört zu den intelligentesten, die ich, der ich zugegebenermaßen wenig Radio höre, so kenne. Einmal mehr wurde mir dies vor Augen geführt, als gestern ein Beitrag zum Thema Urheberrecht in der EU (Stichwort: Gallo-Report) lief. Unaufgeregt wie sachlich wurden die Motivationen dargelegt, warum auch das EU-Parlament das Urheberrecht verstärkt schützen will. Und ebenso, dass dies Ansinnen nicht den Untergang des Abendlandes bedeutet. Einfach einmal anhören und nicht gleich in Panik oder Wut ausbrechen.

Viel Vergnügen mit diesen Tipps!

SomeVapourTrails

2 thoughts on “Stippvisite 26/09/10 (mit Fang Island, Eric Chenaux, The Migrant und mehr)

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